Zwei Bischöfe mit gefalteten Händen (Foto: picture-alliance / dpa, Symbolbild)

Missbrauchsstudie aus Mannheim, Heidelberg und Gießen 3.677 sexuelle Übergriffe in der katholischen Kirche

Laut einem Vorabbericht des "Spiegel" dokumentiert eine neue Studie aus Mannheim, Heidelberg und Gießen tausende sexuelle Übergriffe an Minderjährigen in der katholischen Kirche.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Eine von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie liegt dem Nachrichtenmagazin "Spiegel Online" offenbar exklusiv vor.  Laut dem Bericht wurden für den Zeitraum zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 sexuelle Vergehen an überwiegend männlichen Minderjährigen protokolliert, begangen von 1.670 Klerikern. Mehr als die Hälfte der Opfer seien zum Tatzeitpunkt maximal 13 Jahre alt gewesen. In etwa jedem sechsten Fall sei es zu unterschiedlichen Formen von Vergewaltigung gekommen. Drei Viertel aller Betroffenen hätten mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung gestanden.

Dunkelziffer unbekannt

Die vorliegenden Zahlen, so das Magazin weiter, würden von den Autoren als konservative Annahme bezeichnet. Es gebe keine klaren Erkenntnisse über die Dunkelziffer. Wie der "Spiegel" weiter berichtet, wäre etwa die Hälfte aller Fälle ohne Antrag auf Entschädigung durch die Betroffenen nicht entdeckt worden, da die Personalakten der Beschuldigten keine Hinweise enthalten hätten. In vielen Fällen seien auch Akten vernichtet oder manipuliert worden.

Immer wieder seien beschuldigte Kleriker an einen anderen Ort versetzt worden, ohne dass die neue Gemeinde "mit der entsprechenden Information" über den Missbrauchstäter versorgt worden wäre. Nur ein Drittel der Täter habe sich einem kirchenrechtlichen Verfahren stellen müssen.

Zölibat "ein möglicher Risikofaktor"

Die vertrauliche Studie mit dem Titel "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" wurde dem Bericht zufolge von einem Forschungskonsortium der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen erstellt. Die Deutsche Bischofskonferenz will die Ergebnisse am 25. September auf ihrer Herbstvollversammlung in Fulda vorstellen.

Bei der Frage nach den Gründen für den Missbrauch zeigen sich die Autoren laut "Spiegel" zurückhaltend. Allerdings heiße es unter anderem: "Die grundsätzliche Ablehnung der katholischen Kirche zur Weihung homosexueller Männer ist dringend zu überdenken." Außerdem müsse die Frage erlaubt sein, ob die Verpflichtung zum Zölibat "ein möglicher Risikofaktor" sei.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

 

STAND