Gerhard Schick (Foto: picture-alliance / dpa, Maurizio Gambarini)

Folgen für Mannheimer Grüne Wie geht es weiter nach Gerhard Schicks Ausscheiden aus dem Bundestag?

Der Mannheimer Bundestagsabgeordnete und Finanzexperte Gerhard Schick (Grüne) will sich künftig ganz seiner Finanz-Bürgerbewegung widmen. Er legt sein Mandat nieder - mit Folgen für Mannheim.

Dauer

Gerhard Schick will sich künftig in der von ihm gegründeten "Bürgerbewegung Finanzwende" engagieren. Sein Bundestagsmandat wird voraussichtlich an seinen Grünen-Nachfolger Gerhard Zickenheiner übergehen. Der Architekt stammt aus dem Wahlkreis Lörrach-Müllheim. Mannheim hat somit nach Angaben der Grünen-Fraktion in Mannheim keinen grünen Bundestagsabgeordneten mehr in Berlin.

Die Partei-Interessen soll zukünftig die Heidelberger Abgeordnete Franziska Brantner mit übernehmen. Sie kennt Mannheim aus ihrer Zeit an der Universität und ist nach eigenen Angaben gut mit den Parteikollegen in Mannheim vernetzt. Gerhard Schick bleibt nach eigener Aussage, auch wenn der Sitz seiner Bürgerbewegung in Berlin ist, weiterhin Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen in Mannheim.

Am Tag nach Verkündung seiner Entscheidung war Gerhard Schick zu Gast im ZDF-Morgenmagazin, um dort erneut seine Beweggründe zu erklären:

Bekanntgabe im Internet

Den Schritt, sein Mandat Ende des Jahres niederzulegen, gab Gerhard Schick zunächst am Mittwochmittag im sozialen Netzwerk Twitter bekannt.

In einer Pressemitteilung gab Schick dann Einzelheiten zu seiner Entscheidung und der Gründung der "Bürgerbewegung Finanzwende" bekannt.

Die Organisation verfolge das Ziel, "längst überfällige Maßnahmen zur Überwindung der Finanzkrise in der Politik auf den Weg zu bringen". Schick werde als ihr Vorsitzender fungieren. Zum Ende des Jahres werde er daher sein Bundestagsmandat niederlegen.

"Bundestagsabgeordneter sein zu dürfen, ist eine besondere Ehre. (...) Dennoch habe ich die Entscheidung getroffen, einen neuen Weg zu gehen. Ich folge damit meiner Überzeugung, dass ich gemeinsam mit vielen MitstreiterInnen in der Bürgerbewegung Finanzwende bei den Fragen, auf die es in den nächsten Jahren ankommt, mehr erreichen kann als als Abgeordneter im Bundestag. (...)".

Gerhard Schick

"Keine leichte Entscheidung gewesen"

Da es selbst nach zehn Jahren Finanzkrise noch nicht gelungen sei, eine echte Wende am Finanzmarkt durchzusetzen, sehe er die dringende Notwendigkeit, "hier stärker zivilgesellschaftlich zu arbeiten", so Schick weiter. Doch es sei weder zeitlich noch politisch machbar, eine überparteiliche Organisation zu führen und gleichzeitig ein Bundestagsmandat auszufüllen. Deshalb habe er sich entscheiden müssen. Diese Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, denn sie bedeute auch einen Abschied aus Mannheim. Die Bürgerbewegung Finanzwende hat ihren Sitz in Berlin.

Schick teilte wörtlich mit: "Mannheim ist mir ans Herz gewachsen. In den 13 Jahren, in denen ich hier gelebt habe, sind Freundschaften fürs Leben entstanden. In Mannheim habe ich viele Menschen getroffen, mit denen zusammenarbeiten zu dürfen eine große Freude ist." Er bleibe weiterhin Mitglied bei Bündnis90/Die Grünen in Mannheim.

Reaktionen auf Schicks Entscheidung

Die Heidelberger Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner (Grüne) wertete den Ausstieg von Gerhard Schick als Verlust für die Politik, glaubt jedoch, dass er in seiner neuen Bürgerbewegung einiges bewirken könne, teilte sie mit. Dieser Meinung ist auch der Heidelberger SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding. Er sagte, die neue Bewegung als Nicht-Regierungs-Organisation könnte ein Gegengewicht zu vielen Lobbyisten bilden. Der Bergsträßer Bundestagsabgeordnete Michael Meister (CDU) glaubt dagegen, dass Schick mit seiner Bürgerbewegung weniger Einfluss nehmen könne als im Bundestag. Er sagte, er begrüße aber, dass Schick sein Mandat niederlegt, um keinen Interessenkonflikt zu provozieren.

So reagieren die Grünen in Mannheim

Der Mannheimer Kreisverband, die Mannheimer Gemeinderatsfraktion und die Landtagsabgeordneten der Grünen teilten am Mittwochnachmittag ihr Bedauern über die Entscheidung Schicks mit.

In der Mitteilung heißt es, Schick habe sich auf dem Gebiet der Finanzpolitik in den vergangenen Jahren durch sein "herausragendes Fachwissen und Engagement deutschlandweit einen Namen gemacht" und Mannheim "würdig in Berlin repräsentiert". Mit Gerhard Schick verliere der Bundestag "einen echten Finanzexperten, wir in Mannheim aber vor allem einen beliebten und profilierten Bundespolitiker".

Schick sieht Fehler bei der Bankenrettung

Auf Schicks Homepage ist sein Gastbeitrag für das "Handelsblatt" zu lesen, in dem er Stellung zu einem Resumée des ehemaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück (SPD) zur Finanzkrise 2008 nimmt. Überschrift: "Aus diesen vier Fehlern bei der Bankenrettung müssen wir lernen."

Auf seiner Homepage kündigt Schick zudem einen Diskussionsabend zum Thema "10 Jahre Lehman-Pleite - Die Krise lebt" für den 18. September im Bürgerhaus Neckarstadt in Mannheim an.

Zu Person und politischer Karriere

Gerhard Schick, geboren am 18. April 1972 in Hechingen (Zollernalbkreis), trat eigenen Angaben zufolge 1996 bei den Grünen ein. 2005 kandidierte er das erste Mal für den Bundestag, seitdem ist er Bundestagsabgeordneter.

Von 2007 bis 2017 arbeitete er als finanzpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Seit 2005 ist Schick Mitglied im Finanzausschuss des Bundestags, seit 2011 stellvertretendes Mitglied des Haushaltsausschusses.

Von 2008 bis 2018 war er auch Mitglied im Parteirat der Grünen – dem höchsten regelmäßig tagenden Gremium nach dem Bundesvorstand.

Promovierter Finanzwissenschaftler

Gerhard Schick gibt als Wohnsitze Mannheim und Berlin an. Beruflich war er zuletzt als Projektmanager bei der Bertelsmannstiftung in Gütersloh tätig.

Er promovierte zwischen 1998 und 2003 in Finanzwissenschaft zum Dr. rer. pol. an der Universität Freiburg. Zuvor hatte er in Freiburg Volkswirtschaftslehre studiert (1995 bis 1998) und schloss das Studium mit Diplom ab.

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