Polizeikelle (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nach Vorfall auf A81 bei Stuttgart Blockierte Autobahnen: Gewerkschaft der Polizei fordert Konsequenzen

Mitglieder einer Hochzeitsgesellschaft haben am Samstag mit Autos auf der A81 bei Ludwigsburg den Verkehr blockiert. Die Gewerkschaft der Polizei spricht vom "Imponiergehabe junger Männer" und fordert Konsequenzen.

Plötzliche Spurwechsel, über Rot fahren, Schüsse aus Schreckschusswaffen oder Blockaden und illegale Autorennen auf Autobahnen: Immer wieder hat die Polizei mit gefährlichen Fällen zu tun, die Menschenleben gefährden.

Wie sie am Sonntag bekannt gab, haben Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft am Samstagabend mit mindestens vier teuren Autos zwischen den Anschlussstellen Ludwigsburg-Süd und Stuttgart-Zuffenhausen in Richtung Engelbergtunnel sämtliche Fahrspuren blockiert und so den Verkehr vollständig zum Erliegen gebracht.

Hochzeitsgäste filmten den entstandenen Stau

Um den selbstgemachten Stau zu filmen, lehnten sich die Hochzeitsgäste nach Angabe der Beamten aus den Autofenstern. Auf der Höhe einer Rastanlage stoppte die Polizei mit mehreren Streifenwagen die Beteiligten, leitete sie auf einen Parkplatz und stellte die Personalien fest. Anschließend konnten die Teilnehmer weiterfahren, weil nach Angaben eines Sprechers kein Grund vorlag, die Fahrzeuge zu beschlagnahmen.

Um welche Verstöße es genau geht, soll noch ermittelt werden. Danach bemisst sich auch eine mögliche Strafe.

"Das Blockieren der Autobahn ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und kann unter Umständen auch zu einer Haftstrafe führen."

Polizei Stuttgart

Hinweise erhoffen sich die Beamten auch von Handyvideos der Blockadeaktion.

Baden-Württemberg seltener betroffen

Vergleichbare Blockadeaktionen kommen in Baden-Württemberg laut Polizeisprecher seit einigen Jahren "immer wieder mal" vor. Genaue Statistiken gebe es aber nicht. Der letzte dokumentierte Fall spielte sich Anfang Februar bei Esslingen ab.

Die Polizei Stuttgart vermutet, dass Geschehnisse auch stärker in die Öffentlichkeit dringen könnten, weil Zeugen mittlerweile einfacher Videoaufnahmen erstellen können.

Nach Auskunft der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) finden solche Vorfälle eher in den Ballungsräumen Berlin und dem Ruhrgebiet statt. In Essen stoppte die Polizei am vergangenen Donnerstag mehrere Autos einer Hochzeitsgesellschaft. Zwei Wagen einer Kolonne hatten stark beschleunigt, abgebremst und die Spuren gewechselt. Die beiden Fahrer im Alter von 25 und 26 Jahren mussten den Angaben zufolge ihren Führerschein abgeben, verletzt wurde niemand. Nach Angaben der Polizei sagte einer der Fahrer, die Beamten bräuchten sich keine Gedanken zu machen, "er kenne einen guten Anwalt".

Michael Mertens (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Michael Mertens, spricht vom Imponiergehabe junger Männer. (Archiv) Picture Alliance

Junge Männer mit Imponiergehabe

Die Motivation der Verursacher erklärt die Gewerkschaft der Polizei mit bestimmten Verhaltensweisen: "Für die, die das machen, ist es Imponiergehabe mit Autos, die ihnen möglicherweise auch gar nicht gehören. Damit will man zeigen, was man hat und wer man ist", erzählt der stellvertretende Bundesvorsitzende Michael Mertens. Junge Männer definierten sich über dicke Autos und schlügen über die Stränge.

"Wir müssen dem richtig konsequent den Riegel vorschieben und deutlich machen, dass dieses Verhalten auch zum Entzug des Führerscheins führen kann."

Michael Mertens, Gewerkschaft der Polizei

Probleme auch bei Fußballspielen

Nicht nur Hochzeitsgesellschaften sorgen indes für Ärger auf den Straßen: "Wir kennen ähnliche Situationen von Autokorsos bei Fußballspielen. Allerdings dann in einer anderen Art", ergänzt der stellvertretende DPolG-Bundesvorsitzende Ralf Kusterer.

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