Nach Kampfhundattacke auf Teenager Leimen will verpflichtenden Hundeführerschein

In Leimen (Rhein-Neckar-Kreis) haben vor Kurzem zwei nicht angeleinte Hunde, höchstwahrscheinlich Kampfhunde, einen 15-Jährigen vom Rad gezerrt und schwer verletzt. Jetzt fordert die Stadt einen verpflichtenden "Hundeführerschein" für Halter.

Wie sinnvoll ist ein Hundeführerschein? Bei dem Thema gehen die Meinungen weit auseinander: So wünscht sich die Stadt Leimen (Rhein-Neckar-Kreis) nach einer Hundeattacke auf einen Jugendlichen eine gesetzliche Regelung zur Einführung eines verpflichtenden Hundeführerscheins.

Gelten als Kampfhunde - ein American-Staffordshire-Mix Hund.  (Foto: dpa Bildfunk, Paul Zinken (Symbolbild))
Gelten als Kampfhunde: American-Staffordshire-Mix (Symbolbild) Paul Zinken (Symbolbild)

Staatsanwaltschaft ermittelt nach Hundeattacke

"Zum Schutz der Menschen würden wir das begrüßen", sagte Oberbürgermeister Hans Reinwald (CDU). In Leimen hatten jüngst zwei Hunde, höchstwahrscheinlich Kampfhunde, einen 15-Jährigen vom Rad gezerrt und durch Bisse in Körper und Kopf schwer verletzt. Er musste in einer Spezialklinik behandelt werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Leimen hat bereits einen Führerschein für Hundehalter

Für die Einführung eines verpflichtenden Hundeführerscheins wäre das Land zuständig, namentlich das Innenministerium. Der Leimener Oberbürgermeister Reinwald empfiehlt schon jetzt Hundebesitzern in seinem Ort, den Führerschein freiwillig zu machen. Obwohl die Kommune bei Vorlage eines Führerscheins eine verringerte Hundesteuer verlangt, sei das Interesse an dem Angebot gering, hieß es im Rathaus.

Führerschein mit Theorie und Praxis

Seit zwei Jahren reduziert sich die Hundesteuer von jährlich 96 Euro für das erste Tier um 24 Euro, wenn die Prüfung bestanden ist. Sie umfasst einen theoretischen Teil sowie einen Praxisteil, in dem das Tier mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert wird.

Verband winkt ab

Der Verband für das Deutsche Hundewesen hingegen hält nichts von der Idee. Ein solches Instrument schrecke insbesondere ältere Menschen von der Hundehaltung ab, die sich keiner Prüfung mehr unterziehen wollten. "Die Hundehaltung darf nicht weiter erschwert werden", sagte Verbandsgeschäftsführer Jörg Bartschera am Dienstag in Dortmund.

Hunde registrieren sinnvoller?

Verbands-Mann Bartschera sieht vor allem praktische Fragen ungelöst, wenn - wie bereits in Niedersachsen - eine Führerscheinpflicht besteht: Was passiert, wenn man seinen Hund im Urlaub seinen Nachbarn überlässt, die keinen Sachkundenachweis haben? Können Kinder noch mit dem Familienhund Gassi gehen, wenn nur die Eltern den Führerschein haben? Und was geschieht, wenn Herrchen und Frauchen durch die Prüfung fallen? Sinnvoll findet Bartschera dagegen eine Registrierung aller etwa sieben Millionen Hunde in Deutschland. Mittels eines Chips am Hals könnten die Tiere ihrem Halter oder Züchter zugeordnet werden. Das sei bei Verlust des Tieres enorm hilfreich.

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