Ganz schön viele Akten liegen vor dem Vorsitzenden Richter des ersten Zivilsenat beim Bundesgerichtshof, Thomas Koch, bei der Verhandlung über das entfernte Kunstwerk Mannheimer Loch (Foto: picture-alliance / dpa)

Klage gegen Kunsthalle Kunststreit "Mannheimer Loch" vor Bundesgerichtshof

In welchen Fällen darf der Gebäude-Eigentümer ein Kunstwerk vernichten? Darum ging es am Donnerstag am Bundesgerichtshof. Das Gericht will sein Urteil zum "Mannheimer Loch" in einigen Wochen verkünden.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Seit Jahren kämpft die Künstlerin Nathalie Braun Barends um zwei dem Um- und Neubau der Kunsthalle Mannheim zum Opfer gefallene Installationen - die eine ist als "Mannheimer Loch" bekannt geworden. Eigentlich heißt das Werk "HHole". Es zog sich durch runde Öffnungen in den Decken über sämtliche Ebenen des Athene-Trakts - von 2006 bis 2012.

So sah es mal aus - die Installation
So sah es mal aus - die Installation "HHole", auch als "Das Loch von Mannheim" bekannt.

Künstlerin will Wiederaufbau ihrer Werke

Für die Neueröffnung der Kunsthalle im Juni 2018 wurde der Gebäudeteil entkernt und ist jetzt offen bis unters Dach. Auch die Lichtinstallation "PHaradise" in der Kuppel des historischen Billing-Baus wurde bei einer Dachsanierung entfernt.

Braun Barends sieht ihr Urheberrecht verletzt und will ihre Arbeiten wiederaufbauen dürfen. Andernfalls verlangt sie hohe Summen Schadenersatz von der Stadt Mannheim, die die Kunsthalle betreibt.

Die unteren Instanzen hatten der Künstlerin nur einen Teil des geforderten Geldes zugesprochen. 66.000 Euro sollte sie demnach als Vergütung für ihre künstlerische Leistung erhalten.

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Die Kunsthalle sieht es nicht ein, zu zahlen. Schließlich seien es ihre Räume, also ihr Eigentum, um das es geht. Die Direktorin der Kunsthalle, Ulrike Lorenz, ist der Auffassung, dass sie selbst in der Kunsthalle über einen Umbau entscheiden dürfen.

Greift Urheberrecht auch bei Zerstörung?

Ob das Urheberrecht den Künstler nur vor einer Entstellung seiner Werke oder auch vor deren Vernichtung schützt, ist bisher nicht höchstrichterlich geklärt. Die Richter deuteten an, dass sie zu der zweiten Auffassung neigen. Das Interesse des Eigentümers, sein Gebäude frei umzugestalten, sei ein wichtiger Punkt, gehe aber nicht zwangsläufig vor. Für die Abwägung will der Senat Maßstäbe entwickeln. (Az. I ZR 98/17 u.a.)

Eine Rolle dürfte dabei spielen, welchen künstlerischen Wert eine Arbeit hat, ob es nur ein einziges Exemplar davon gibt und ob die Kunst für den Gebrauch gedacht oder "zweckfrei" ist.

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