Polizisten in Uniform (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Silas Stein/dpa)

Beleidigungen in Handwerksbetrieb Polizei ermittelt wegen rassistischem Video in Sinsheim

Ein Mann aus Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) soll einen dunkelhäutigen Arbeitskollegen rassistisch beleidigt haben. Ein entsprechender Videoclip kursiert zurzeit im Internet. Der Betrieb distanziert sich, versicherte der Geschäftsführer dem SWR. Ein Fall für die Polizei wird der Fall dennoch.

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Der Vorfall soll sich in einem Handwerksbetrieb in Sinsheim ereignet haben. In dem Videoclip filmt ein Mann seinen dunkelhäutigen Kollegen bei der Arbeit. Dabei beleidigt er ihn mit rassistischen und diskriminierenden Sprüchen und spielt auf eine Reise "zurück nach Afrika" an.

Der Auslöser des Videos war laut dem Geschäftsführer des Betriebes, Thomas Hammer, eine vorausgegangene Unterhaltung mit dem 20-jährigen Auszubildenden aus Eritrea, der derzeit eine befristete Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland hat. Der junge Mann habe gesagt: "Wenn ich die Aufenthaltsgenehmigung in zwei Jahren nicht verlängert bekomme, müssen wir viele Schuhe kaufen, damit ich wieder in meine Heimat laufen kann." Daraufhin soll der andere 35-jährige Mitarbeiter gesagt haben: "Das machen wir anders, wir machen jetzt ein Video."

Geschäftsführer: "Die beiden sind echte Kumpel"

Hammer beschreibt den Vorfall als "Scherz" und "Blödsinn" unter Kollegen. Das Verhältnis ist "super, die beiden sind echte Kumpel." Der Auszubildende spreche sehr gutes Deutsch, er habe verstanden, was der Kollege im Video zu ihm gesagt hat, erklärt der Geschäftsführer dem SWR am Donnerstag. Laut Hammer hätte der 20-jährige Eritreer weglaufen und sagen können "Lieber Kollege, bitte filme mich nicht". Er hätte sich auch wegdrehen können, aber er war bereit dazu, erzählt Hammer.

Unternehmen distanziert sich von Video

Hammer habe sich dennoch "riesig über das Video aufgeregt". Laut Hammer sei der Inhalt No-Go, er distanziere sich. "Ich habe dem Mitarbeiter gesagt, dass er für die Konsequenzen geradestehen muss." Den Auszubildenden müssen man jetzt schützen, so Hammer. Dem 20-Jährigen geht es laut Hammer gut, er ging nach dem Vorfall in die Berufschule und kam zur Arbeit.

Polizei: "Ermittlungen in alle Richtungen"

Wer das Video dann letztlich auf Twitter stellte, weiß Hammer nicht. Die Aufnahme des Videos liege bereits Wochen zurück. Im Internet sorgt das Video für Empörung und Kritik. Dadurch wurde auch die Polizei auf den Vorfall aufmerksam. Von Seiten der Beamten heißt es, man ermittle in alle Richtungen. Der Sachverhalt werde an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Nach Einschätzung von SWR-Sicherheitsexperte Holger Schmidt kann ein solches Video strafrechtlich und arbeitsrechtlich relevant werden. "Im Fall von rassistischen Beleidigungen und Äußerungen, die in Richtung Volksverhetzung gehen, übernimmt häufig gleich der Staatsschutz die Ermittlungen", so Schmidt. Auch arbeitsrechtlich kann das Video relevant werden "bis hin zu einer fristlosen Kündigung".

Geschäftsführer: "Er ist definitiv nicht rassistisch eingestellt"

Der Mitarbeiter, der das Video gedreht hat, sei schon seit vielen Jahren im Unternehmen, bestätigt Hammer. "Er ist definitiv nicht rassistisch eingestellt. Mein Betrieb ist definitiv nicht rassistisch eingestellt."

Hammer habe den 35-jährigen Mitarbeiter, nachdem er das Video das erste Mal gesehen hatte, schriftlich abgemahnt. Nachdem das Video Anfang der Woche in den Sozialen Medien viral ging, klingelte im Unternehmen in Sinsheim ununterbrochen das Telefon, hunderte Beschwerde-Mails kamen an. "Ich habe die Welt nicht mehr verstanden", sagte Hammer.

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