Bilfinger Logo  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Uwe Anspach/dpa)

Industriedienstleister Bilfinger aus Mannheim Bilfinger fordert von Ex-Vorständen Schadenersatz

Der Industriedienstleister Bilfinger verlangt von zwölf ehemaligen Vorständen Schadenersatz in Millionenhöhe. Der Aufsichtsratsvorsitzende äußerte sich auf der Hauptversammlung auch zu Kritik an seiner Person.

Der Aufsichtsrat der Bilfinger SE beschloss, entsprechende Forderungen an die Ex-Manager abzusenden. Wie viel jedes der einzelnen Vorstandsmitglieder bezahlen soll, teilte das Unternehmen in Mannheim nicht mit.

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19:30 Uhr
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Insgesamt spricht Bilfinger von einem "erstattungsfähigen Schaden in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrages". Der Bilfinger-Aufsichtsrat wirft den früheren Vorständen Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Einführung eines internen Systems vor, mit dessen Hilfe beispielsweise Verstöße gegen Bestechungsregeln erkannt werden.

SWR-Wirtschaftsredakteurin Katha Jansen im Gespräch mit SWR-Moderatorin Esther Uhrig:

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Weitere Vergehen bei Zukäufen?

Einzelne ehemalige Vorstandsmitglieder hätten außerdem "Pflichtverletzungen im Rahmen eines M&A-Projekts begangen". Als M&A (Mergers & Acquisitions) werden Fusionen und Zukäufe bezeichnet.

"Der Aufsichtsrat geht sehr gewissenhaft und gründlich vor. Die Inanspruchnahme geschieht unter Abwägung aller entscheidungserheblichen Gesichtspunkte."

Aufsichtsratschef Eckard Cordes

Anlegervertreter kritisiert Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat des Industriedienstleisters Bilfinger verfolgt aus Sicht des Anlegervertreters die Regressansprüche gegen Ex-Vorstände nicht konsequent genug. Die unmittelbar vor der Hauptversammlung in Mannheim verschickte Mitteilung des Unternehmens ändere daran nichts.

Der Aufsichtsrat habe bislang seine Hausaufgaben nicht gemacht, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler. Er beabsichtigt, eine Sonderprüfung des Aufsichtsrates durch einen Rechtsanwalt bei der Hauptversammlung zu beantragen.

Kritik an Aufsichtsratschef

Der Aufsichtsrat-Chef des Industriedienstleisters Bilfinger, Eckard Cordes, hat unterdessen am Mittwoch Fehler in der internen Kommunikation zur Frage eines möglichen Interessenkonflikts eingeräumt. Seine Angaben, dass sein Aufsichtsratsmandat in einer Kommunikationsfirma keinen Interessenkonflikt zu seinem Amt bei Bilfinger bedeute, seien "ungenau und irreführend" gewesen, sagte Cordes bei der Bilfinger Hauptversammlung in Mannheim.

Der Konflikt könnte nach Meinung von Kritikern darin bestehen, dass Cordes neben dem Bilfinger-Mandat bei einer Kommunikationsberatungsfirma im Aufsichtsrat saß, die den Ex-Bilfinger-Vorstandschef und ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) beriet.

Keine ausreichenden Anti-Korruptionsregeln

Grundsätzlich geht es um einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag, den Bilfinger von ehemaligen Vorständen fordert, darunter der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch. Die damals Verantwortlichen hätten keine ausreichenden Anti-Korruptionsregeln aufgestellt. Koch, der Bilfinger zwischen 2011 und 2014 leitete, reagiert "mit Befremden" auf die Vorwürfe" gegen ganze Generationen von früheren Bilfinger-Vorständen." Daran habe sich nichts geändert, sagte sein Sprecher Dirk Metz am Dienstag. Die Vorwürfe seien vollkommen abwegig.

Schon 2018 Strafen angekündigt

Das Kontrollgremium hatte bereits Anfang 2018 grundsätzlich allen Vorstandsmitgliedern, die zwischen 2006 und 2015 amtierten, aber vor 2015 in das Gremium eintraten, Pflichtverletzungen vorgeworfen. Dies war das Ergebnis einer im März 2016 eingeleiteten Untersuchung gegen einige Vorstandsmitglieder der Gesellschaft. Es geht hauptsächlich um Kosten, die das Unternehmen bereits zahlen musste, weil das eigene System gegen Korruption und Bestechung offenbar nicht funktioniert hatte.

Bilfinger hat Verluste leicht reduziert

Der Umsatz des auf Wartung und Reparatur von Anlagen spezialisierten Unternehmens mit 36.000 Beschäftigten lag 2018 bei 4,2 Milliarden Euro, drei Prozent über dem Vorjahreswert. Der Verlust unterm Strich fiel mit 24 Millionen Euro deutlich geringer aus als im Vorjahr mit 89 Millionen Euro.

Vorwürfe an Koch im Juni 2018

Im Juni 2018 hatte eine US-Behörde dem Mannheimer Industrie-Dienstleister Bilfinger schwere Korruption vorgeworfen. Belastet wurde vor allem der frühere Bilfinger-Chef Roland Koch, berichtete das SWR-Fernsehen damals.

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