Auf dem Bildschirm eines Laptops ist ein Binärcode zu sehen (Foto: SWR)

Anzeigenflut bei der Kripo Heidelberg Cyberkriminalität nimmt drastisch zu

Unternehmen im Großraum Heidelberg werden immer öfter das Ziel von Hackerangriffen. Die Heidelberger Kripo spricht von einem Boom dieser Straftaten. Auch Privatleute fallen auf die Betrüger rein.

Beim Dezernat "Cybercrime" der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg gehen immer mehr Anzeigen wegen Erpressungen per E-Mail und falschen Anrufen ein, bei denen Betrüger einen vermeintlichen Software-Support anbieten. Sie geben sich beispielsweise als Microsoft-Mitarbeiter aus, die die Einstellungen am Computer der Angerufenen überprüfen wollen. Das Ziel ist, an die Nutzerdaten zu kommen. Die Täter versuchten auch, Kontodaten und Kennwörter von Bankkunden abzugreifen, sagte der zuständige Kriminalhauptkommissar Michael Brand dem SWR.

Polizei: Boom an Straftaten

Derzeit gebe es regelrecht einen "Boom" an Straftaten, so Brand. Die Polizei veranstaltet am Mittwoch deshalb eine Info-Veranstaltung rund um das Thema Cyberkriminalität in der Mannheimer Stadtbücherei. Nur durch ständigen Austausch könne man die sich schnell verändernden Methoden der Online-Kriminellen frühzeitig erkennen und sich selbst absichern, so Brand.

Cyberkriminalität bundesweit auf dem Vormarsch

Bundesweit gab es laut Bundeskriminalamt (BKA) 2017 rund 86.000 Fälle von Cyberkriminalität. Das sind vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die durch den Computerbetrug entstandenen Schäden erhöhten sich von 50,9 Millionen auf 71,4 Millionen Euro.

Die Dunkelziffer bei der Cyberkriminalität ist laut BKA sehr groß, der tatsächlich entstandene Schaden liege daher deutlich höher. Das belegten auch Studien aus der Industrie.

Nur wenige Fälle werden angezeigt

Nach Einschätzung der Sicherheitsexperten werden allerdings nur neun Prozent der Fälle zur Anzeige gebracht, die Dunkelziffer liegt damit bei rund 90 Prozent. Deutlich höher sind daher die Zahlen der Industrie zu den verursachten Schäden. Der IT-Branchenverband Bitkom spricht von 55 Milliarden Euro. Laut Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sind vier von zehn Unternehmen in Deutschland betroffen.

Warum wird die überwiegende Zahl der Fälle nicht zu Anzeige gebracht?

Die Angst vor einem Imageschaden und negative Auswirkungen auf die Konkurrenz sowie das mangelnde Vertrauen in den schnellen Erfolg der Ermittlungen der Sicherheitskräfte registriert das BKA als Hauptursachen. Rund 160 Spezialisten gehören beim Bundeskriminalamt zum engen Kreis der Ermittler.

Was sind die Angriffsziele?

Je smarter und vernetzter die Welt wird, desto größer werden die Angriffsflächen: Die Ziele reichen von Attacken auf Wirtschaftsunternehmen oder kritische Infrastrukturen etwa im Energiesektor und bei Krankenhäusern bis hin zum Ausspähen privater Handys. Die Finanzaufsicht Bafin fordert daher auch von Deutschlands Banken mehr Anstrengungen gegen mögliche Cyberangriffe. Bei der IT-Sicherheit vergeben die Experten derzeit in Summe lediglich die Schulnote 4.

Wer sind die Täter?

Das Täterspektrum reicht vom Einzeltäter bis hin zur international organisierten Tätergruppierung. 22.300 Tatverdächtige wurden im Vorjahr registriert, davon waren rund zwei Drittel Männer. Fast 77 Prozent der Tatverdächtigen von Cyberkriminalitätsdelikten hatte nach Angaben des BKA-Bundeslagebildes im Vorjahr die deutsche Staatsangehörigkeit. Mehr als die Hälfte war zwischen 21 und 39 Jahre alt. Die Aufklärungsquote bei den Fällen lag 2017 bei 40,3 Prozent.

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