Eine Gruppe von Männern tritt auf ein am Boden liegendes Opfer ein (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Lucas Dolega (Symbolbild))

Gruppe schlägt 36-Jährigen fast tot Urteil nach Gewaltexzess in Heidelberg: Richterin spricht von "Vernichtungswillen"

Es war ein brutaler Angriff in Heidelberg: Eine Gruppe junger Männer hat einen Mann im Sommer 2018 fast tot geprügelt. Das Landgericht hat am Freitag zwei der Männer zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Richterin zeigte sich schockiert.

Der Angriff geschah in Heidelberg am 20. August 2018. Nach einem Streit hatten die Angeklagten zusammen mit weiteren Männern ihr 36 Jahre altes Opfer verfolgt und vor einem Fastfood-Restaurant zu Boden gestürzt. Mit Tritten gegen den Kopf verletzten die Angeklagten - alle vier zwischen 16 und 21 Jahre alt - ihr Opfer so schwer, dass der Mann lebensgefährliche Brüche am Schädel davontrug. Der Mann überlebte die Attacke in Heidelberg nur mit viel Glück. Nach der Operation hat er noch immer mehrere Metallplatten im Schädel.

Zwei der Täter müssen ins Gefängnis

Das Heidelberger Landgericht verhängte gegen die jungen Männer am Freitag zwei Freiheits-und zwei Bewährungsstrafen: Für die Gewalttat muss der 18 Jahre alte Haupttäter eine Jugendstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung absitzen. Ein weiterer junger Mann, der bei der Verfolgungsjagd nach der Auseinandersetzung dem späteren Opfer ein Bein gestellt und damit den Gewaltexzess erst ermöglicht hatte, wurde zu einer Einheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die beiden anderen Mittäter bekamen Bewährungsstrafen von zwei Jahren - einmal wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung und wegen unterlassener Hilfeleistung.

Landgericht Heidelberg (Foto: SWR)

Die Vorsitzende Richterin zeigte sich in ihrer Urteilsbegründung schockiert: "Das war ein Gewaltexzess wie ihn die Jugendkammer Heidelberg noch nicht gesehen hat", sagte sie. "Das hat uns fassungslos gemacht".

18-Jähriger trat mit voller Wucht gegen den Kopf des Opfers

Die Kaltblütigkeit der Tat entsetzte die Richter besonders: Der Hauptangeklagte war bei der Attacke hochgesprungen und hatte mit seinem Fuß mit voller Wucht gegen den Kopf des am Boden liegenden Opfers getreten. Zwei Mal so hart, dass man die Knochen brechen hören konnte, so die Richterin. Insgesamt standen acht Männer vor Gericht. Gegen vier von ihnen wurde das Verfahren eingestellt, sie standen laut Anklageschrift daneben und unterstützten so das Geschehen.

Hauptangeklagter gesteht

Vor Gericht hatte der 18-jährige Hauptangeklagte gestanden. Sein Verteidiger gab zu Protokoll, dass der Angeklagte unter dem Einfluss seiner Alkoholsucht gehandelt habe. Nach einem Streit mit dem Opfer sei das mit auslösend für die Tat seines Mandanten gewesen. Der Verteidiger forderte deshalb eine Jugendstrafe von maximal drei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre wegen versuchten Totschlags gefordert.

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