Holzstapel im Käfertaler Wald (Foto: SWR)

Klimawandel auch im Wald Trockenheit in Mannheim, Buchen, Lampertheim: Wenn der Wald stirbt

Die Lage der Wälder spitzt sich dramatisch zu, die Bäume leiden unter der Trockenheit: Im Käfertaler Wald und rund um Viernheim und Lampertheim (Kreis Bergstraße) sterben die Bäume ab. Auch im Odenwald gibt es immer größere Probleme.

Die Lücken im Wald zwischen dem Mannheimer Stadtteil Blumenau und der Stadt Lampertheim an der süddhessischen Bergstraße werden größer. Viele Flächen sind fast völlig kahl. Ralf Schepp leitet das Forstamt in Lampertheim. Vor allem die große Hitze ist mitverantwortlich für das aktuelle Baumsterben in diesem und dem vergangenen Sommer, sagt er:

"Die Kiefer hat sehr stark unter 'Trockenstress' gelitten. Außerdem hat sich der Diplodia-Pilz breitgemacht. Dieser Pilz führt dazu, dass die Triebe der Bäume absterben."

Ralf Schepp, Leiter Forstamt Lampertheim

Resistente Bäume? Fehlanzeige!

Ähnlich ist das Bild beispielsweise rund um die Gemeinde Buchen im Neckar-Odenwald-Kreis: Wer den Wald rund um Buchen besichtigen möchte, muß weite Wege zurücklegen, 14.000 Hektar groß ist die Gemeinde-Gemarkung, 6.000 Hektar davon sind Waldgebiet. Bürgermeister Roland Burger ist in Sorge.

Die vergangenen Jahre haben ihre Spuren hinterlassen: Stürme, Trockenheit, Käfer, Baumkrankheiten - eine tödliche Mischung. Schon lange werden zur Zukunftssicherung vermeintlich resistene Bäume gepflanzt. Mehr Eichen, mehr Buchen, mehr Eschen. Sie sollten wechselnden Bedingungen gewachsen sein. Jetzt stellt sich im Odenwald heraus, sie sind es nicht:

"Alle Konzepte haben wir über Bord geworfen. Wir stehen vor einer echten Katastrophe, was den Wald betrifft."

Karl-Eugen Erbgraf zu Neipperg, Vertreter für die großen Privatwaldbesitzer

Frühe Holzernte - Finanzielle Einbußen

Schepp, der Forstamtsleiter von Lampertheim, rechnet damit, dass der Wald noch weiter absterben wird. Aktuell, sagt er, muss zudem verhindert werden, dass sich Borkenkäfer auf die absterbenden Bäume stürzen. Deshalb findet die Holzernte dieses Jahr deutlich früher statt als sonst.

Waldsterben rund um Mannheim

Bäume im Käfertaler Wald (Foto: SWR)
Wenig Bäume, viele kahle Stellen: Besonders die Trockenheit macht Bäumen zu schaffen. Bild in Detailansicht öffnen
Der Wald stirbt: Im Käfertaler Wald macht zudem der Diplodia-Pilz den Bäumen zu schaffen. Triebe sterben ab. Bild in Detailansicht öffnen
Besseres Mikroklima dank Bäumen und Wäldern: Stirbt der Wald in der Region, wird über einen längeren Zeitraum auch das Klima unangenehmer. Bild in Detailansicht öffnen

Genauso ist es im Neckar-Odenwald-Kreis: Insbesondere das von Schädlingen befallene Holz muss schnell raus aus dem Wald, um die gesunden Bäume nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Allerdings sind die Preise derzeit so, dass Waldbesitzer beim Fällen und Entsorgen am Ende finanziell drauflegen.

Dauer

Der Wald wird aufgeforstet - aber anders

Um den Wald dennoch zu erhalten, werden kahle Flächen aufgeforstet. Allerdings mit anderen Baumarten. Möglichst gemischt gehen Schepp und seine Kollegen zwischen Mannheim und Lampertheim vor: Laub- und Nadelgehölze werden gesetzt. So soll das Risiko, abzusterben für die Bäume reduziert werden. Vielleicht funktioniert hier, was an anderer Stelle nicht klappt.

Ralf Schepp ist seit fast 40 Jahren im Forstbetrieb. Eine Situation wie jetzt hat er noch nie erlebt:

"Teilweise kommt man an einen Punkt, da weiß man nicht mehr weiter. Man muss aber andererseits wissen, dass sich manche Auswirkungen auch erst nach 100 Jahren zeigen können."

Ralf Schepp, Leite Forstamt Lampertheim

Mehr Lebensqualität durch gesunden Wald

Insgesamt sind der Käfertaler Wald und der Hessische-Ried-Wald zusammen fast 100 Quadratkilometer groß und haben eine enorme Bedeutung für den Rhein-Neckar-Ballungsraum. Das Besondere sei, so Schepp, dass der Wald für ein mäßigendes Klima verantwortlich ist. Heißt auch: Ohne die Flächen verändert sich die Lebensqualität in der Region.

Wald ist lebensnotwendig

Der Buchener Bürgermeister Roland Burger formuliert das drastischer: Der Wald in Deutschland kompensiere so viel Kohlendioxid (CO2), wie deutsche Autos täglich in die Luft blasen, sagt Burger, der auch Präsident der Forstkammer Baden-Württemberg ist. Das heißt: Je weniger Walde es gibt, umso schlimmer wird das CO2-Problem.

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