Studenten in der Universität Heidelberg (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa)

Millionen für die Forschung Heidelberg bleibt Exzellenz-Universität

Aufatmen in Heidelberg: Die renommierte Hochschule bleibt Exzellenz-Universität. Das hat eine Expertenkommission am Freitag entschieden. Baden-Württemberg ist jetzt das Bundesland mit den meisten Eliteuniversitäten.

Baden-Württemberg ist der große Gewinner der Exzellenz-Universitäten, statt drei Unis sind es künftig vier Hochschulen, die den Titel Exzellenz-Universitäten tragen dürfen: Universität Heidelberg, Karlsruher Institut für Technologie  KIT, Universität Konstanz und die Universität Tübingen.

Der Rektor der Universität Heidelberg, Bernhard Eitel, sagte, die Exzellenz sei ein "wichtiger Schritt für die Zukunft der Universität und des Standorts."

Dauer

Stuttgart und Freiburg fielen durch

Sie alle wurden am Freitag in Bonn für ihre Cluster ausgezeichnet. Diese Cluster sind fachübergreifende Forschungsprojekte, die eigene Fördermittel erhalten. Die Universitäten erhalten künftig eine millionenschwere Förderung von Bund und Land. Im Rennen waren zum Schluss noch 19 Universitäten, davon insgesamt sechs aus Baden-Württemberg. Stuttgart und Freiburg dürfen den Titel auch künftig nicht tragen.

An der Uni Heidelberg hatte es in den vergangenen Wochen Zweifel an den Chancen für die Auszeichnung gegeben. Grund ist der Skandal um den Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs.

Ministerpräsident Kretschmann gratuliert

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat den neuen Elite-Unis gratuliert: "Baden-Württemberg braucht starke Universitäten als Zentren in einem dichten Netz von Forschung und Innovation, Hochschulen und Unternehmen", sagte der Grünen-Politiker am Freitag in Stuttgart: "Hier reifen unsere Talente und hier werden entscheidende Impulse für die Zukunft gegeben."

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) sieht den Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg mit vier von elf ausgezeichneten Exzellenzuniversitäten "bestens aufgestellt", wie sie am Freitag in Bonn sagte: "Damit ist Baden-Württemberg Deutschlands Wissenschaftsstandort Nummer eins."

Elite-Unis bekommen auch viel mehr Förderung

Der Titel Exzellenz-Universität bedeutet nicht nur Ruhm und Ehre. Es gibt auch ordentlich Geld: Die betreffenden Unis beziehungsweise Universitätsverbünde können sich auf zusätzliche zehn bis 28 Millionen Euro im Jahr freuen.

Um sich als Exzellenz-Universität bewerben zu können, müssen Hochschulen mindestens zwei "Exzellenzcluster" vorweisen können. Das sind fachübergreifende Forschungsprojekte, die eigene Fördermittel erhalten. Neu ist, dass der Staat Universitäten nun auch dauerhaft fördern will. Nach sieben Jahren soll überprüft werden, ob die "Elite-Unis" noch die Fördervoraussetzungen erfüllen. Wenn ja, fließen die Extra-Millionen weiter.

Elite-Unis bekommen Millionen von Bund und Land

Für ihre Exzellenzstrategie stellen Bund und Länder jährlich rund 533 Millionen Euro zur Verfügung. 148 Millionen davon gehen an die Exzellenzunis, der Rest direkt an ausgewählte Cluster. Die Förderung der neuen Exzellenzunis beginnt ab Anfang November.

Kritik an Vergabekriterien

Kritik an den Vergabekriterien kommt unter anderem vom ehemaligen Rektor der Uni Mannheim, Ernst-Ludwig von Thadden: Belohnt werde, so von Thadden, wer die besten Konzepte vorlege, nicht, wer die beste Arbeit mache.

"Wir wissen recht gut, (...) wie gute Universitäten funktionieren. Wir sollten deshalb beobachten, wer gute Arbeit macht. Und nicht auf große Konzepte setzen, die für die Zukunft Dinge versprechen, die man gerne machen würde, wenn man könnte."

Ernst-Ludwig von Thadden, Ehemaliger Rektor Uni Mannheim

Man solle auf ein Verfahren setzen, so von Thadden, das die aktuell erbrachten Leistungen einer Universität bewerte und nicht zukünftige.

Studentenvertreter nennen Wettberwerb "sinnlos"

Scharfe Kritik gibt es auch in einer gemeinsamen Mitteilung von Studentenvertretungen verschiedener Universitätsstädte. Darin heißt es: "Einige Universitäten freuen sich über die zusätzlichen Mittel und den Titel, viele werden leer ausgehen". Es sei Zeit, diesem sinnlosen Wettbewerb ein Ende zu setzen. Nur einige wenige Universitäten kämen nun in den Genuss einer massiven finanziellen Unterstützung, während der Rest mit enormen finanziellen Problemen kämpfen müsse.

"Es entsteht ein Zwei-Klassen-System."

Studentenvertretungen verschiedener Universitätsstädte in einer Mitteilung

Mindert Brustkrebs-Bluttest-Skandal Heidelberger Chancen?

Bund und Länder fördern die Exzellenz-Universitäten seit 2005. Seit 2018 fließen jährlich rund 533 Millionen Euro in den Fördertopf. Ziel ist es, Spitzenforschung und die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandortes Deutschland zu fördern und nachhaltig zu stärken, heißt es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

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