Landgericht Mannheim (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fall von 1997 Geldtransport-Überfall bei Schriesheim: Angeklagter gesteht

22 Jahre nach einem spektakulären Überfall auf einen Geldtransporter hat am Mittwoch vor dem Landgericht Mannheim der Prozess gegen zwei mutmaßliche Täter begonnen. Zum Prozessauftakt räumte einer der Angeklagten die Vorwürfe ein.

Nach Gerichtsangaben erbeuteten die mutmaßlichen Täter bei dem Überfall im Jahr 1997 an der Autobahnausfahrt Schriesheim/Ladenburg 836.000 D-Mark. Der Euro war damals noch nicht eingeführt.

Verdächtiger im Mannheimer Gericht (Foto: SWR)
Einer der Angeklagten vor dem Mannheimer Landgericht.

Einer der Angeklagten ließ am Mittwoch von seinem Anwalt ein Geständnis verlesen. Darin erklärte er unter anderem, dass sein Mitangeklagter an dem Überfall nicht beteiligt gewesen sei. Die beiden Männer stammen aus Kroatien und aus Bosnien-Herzegowina. Weil sie kein Deutsch sprechen, waren zum Prozess auch zwei Dolmetscher geladen. Ansonsten haben sich die beiden Männer zum Prozessauftakt nicht zur Sache geäußert.

Schwierige Wahrheitsfindung

Der Fahrer des Geldtransporters konnte nicht vor Gericht aussagen, er war vor zwei Jahren gestorben. Der Richter las stattdessen die polizeiliche Vernehmung von damals vor. In der Täterbeschreibung des Fahrers war die Rede von drei maskierten und bewaffneten Räubern. Die Staatsanwaltschaft geht jedoch von vier Tätern aus.

Da die Tat so lange zurück liegt, muss sich das Gericht vor allem auf die polizeilichen Vernehmungen aus dem Jahr 1997 verlassen. Bei den noch lebenden Zeugen sind die Richter auf ein gutes Erinnerungsvermögen angewiesen.

Täter schwer bewaffnet

Vor Gericht wurde am Mittwoch versucht, die Tat zu rekonstruieren. Demnach hatten die mutmaßlichen Täter den Geldtransporter am Abend des 23. Januar 1997 in einem weißen VW-Bus überholt und ihm dann die Fahrbahn versperrt. Anschließend sprangen die maskierten und bewaffneten Männer aus dem Fahrzeug. Einer soll laut Zeugenaussage eine Panzerfaust im Anschlag gehabt haben - offenbar eine Attrappe. Die anderen hatten laut Anklage eine Maschinenpistole und einen Revolver in der Hand.

Tageseinnahmen mehrerer Geschäfte

Die Geldtransport-Fahrer mussten das Fahrzeug verlassen, wurden gefesselt und mit den Waffen bedroht. Anschließend flüchteten die Täter mit einem Geldkoffer, in dem sich die Tageseinnahmen mehrerer Super- , Eletronik-und Bau-Märkte in der Region befanden - insgesamt mehr als 800-000 D-Mark.

Europäischer Haftbefehl führt zu Erfolg

Zwei der Täter wurden bereits wenige Jahre nach der Tat verurteilt. Die anderen beiden mutmaßlichen Täter wurden erst vor wenigen Monaten erwischt. Einer von ihnen soll nach der Tat in sein Heimatland geflohen sein. Dort habe er sich längere Zeit in Haft befunden. Sein Mitangeklagter war nach dem Überfall an einen unbekannten Aufenthaltsort verschwunden. Beide wurden im Februar 2019 aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen.

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