Kontroverse um umstrittenen Brustkrebs-Bluttest Rücktrittsforderung an Vorstand der Uni-Klinik Heidelberg

Der Ton am Universitätsklinikum Heidelberg wird offenbar rauer: Nach dem PR-Desaster um einen umstrittenen Bluttest zur Brustkrebsfrüherkennung fordert ein ärztlicher Direktor den Rücktritt dreier Klinik-Vorstände.

Am Donnerstag berichteten die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) von einer E-Mail eines ärztlichen Direktors, die offenbar an 100 Führungskräfte der Universitätsklinik Heidelberg ging. Die Vorwürfe in dem offenen Brief richten sich an den Dekan der Medizinischen Fakultät Andreas Draghun, die Leitende Ärztliche Direktorin Annette Grüters-Kieslich und die Kaufmännische Direktorin Irmtraut Gürkan.

Die Existenz der brisanten E-Mail hat die Uni-Klinik dem SWR bestätigt.

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PR-Kampagne mitgetragen?

Konkret wird den drei Führungskräften vorgeworfen, die umstrittene PR-Kampagne um einen Brustkrebs-Bluttest der Firma Heiscreen im Februar mitgetragen zu haben. Die Firma ist eine Ausgründung der Universitätsklinik Heidelberg. Der Chef der Heidelberger Frauenklinik hatte eine angebliche Weltsensation präsentiert, einen Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs, der noch in diesem Jahr marktreif sei.

Mit Hilfe der BILD-Zeitung war da von einem "Durchbruch" in der Brustkrebs-Früherkennung die Rede. Allerdings stellte sich heraus, dass der Test noch nicht marktreif war und damit Patientinnen verfrüht Hoffnungen gemacht worden war. Der Verfasser der Mail kritisiert außerdem, dass dem Test jede wissenschaftliche Grundlage fehle.

Kriminelle Absichten?

Pikant: Der Verfasser der E-Mail spricht von kriminellen Absichten. Und zwar dann, wenn sich herausstelle, dass im Heiscreen-Gründungsvertrag von einer hundertprozentigen Zuverlässigkeit des Tests geschrieben werde. Der Test hat allerdings eine deutlich schlechtere Quote.

Durch den Image-Schaden sei die Reputation des Uni-Klinikums beschädigt. Am Ende der Mail fordert der Verfasser die Betroffenen jedenfalls auf, Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten, um "weiteren substanziellen Schaden von der Fakultät und dem Klinikum" abzuwenden, wie es in der RNZ heißt.

Aufklärung noch nicht im Gange

Aktuell ermittelt die Mannheimer Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Verdachts auf Insiderhandel. Unterdessen soll die von der Uni-Klinik eingesetzte Expertenkommission ihre Arbeit aufnehmen.

Die Kommission steht unter dem gleichberechtigten Vorsitz von Frau Bundesverfassungsrichterin a.D. Dr. Christine Hohmann-Dennhardt und Herrn Professor Dr. Matthias Kleiner, dem Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin. Ihr gehören aktuell weitere vier Mitglieder an.

Nach Angaben der Uni-Klinik Heidelberg berichtet die Kommission ausschließlich an den Aufsichtsrat. Die Kommission könne außerdem fachkundige Personen zu ihren Sitzungen als Berater hinzuziehen. Die Tätigkeit der Kommissionsmitglieder sei ehrenamtlich. Eine Geschäftsstelle wird die Kommission bei ihrer Arbeit unterstützen, ein Rechtsanwalt soll die Sachverhaltsaufklärung aus juristischer Sicht unterstützen.

"Die voreilige Veröffentlichung entspricht sicherlich nicht einer verantwortungsvollen Wissenschaftskommunikation. Schon gar nicht, wenn es um einen so sensiblen Bereich wie das Patientenwohl geht."

Dr. Simone Schwanitz, Aufsichtsratsvorsitzende Uni-Klinik

Gegegnüber dem SWR betonte die Aufsichtsratsvorsitzende, dass es jetzt um eine schnelle Aufklärung durch eine unabhängige Kommission ginge. Sobald die Fakten klar wären, könne entschieden werden wie es weitergeht. Simone Schwanitz sieht es als notwendig an, dass der Vorgang wissenschaftlich und juritisch umfassend aufgearbeitet wird. Auf die Frage, ob der Vorstand zurücktreten müsse, wollte die Aufsichstratsvorsitzende am Donnerstag noch keine konkrete Stellung beziehen.

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