SAP-Hauptversammlung in Mannheim Aufsichtsrat verteidigt hohe Managergehälter

Klare Worte bei der SAP-Hauptversammlung in Mannheim: Nach der Debatte um die Vorstandsvergütung im Vorjahr geht der Softwarekonzern SAP auf seine Aktionäre zu.

SAP-Hauptversammlung in Mannheim (Foto: picture-alliance / dpa)
SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner und Vorstandschef Bill McDermott

Man habe die Kritik sehr ernst genommen und den Dialog vor allem mit den institutionellen Anlegern gesucht, sagte Aufsichtsratschef Hasso Plattner bei der Hauptversammlung in Mannheim. Das Ergebnis sei ein transparenteres und besser nachvollziehbares System der Managergehälter.

Zudem berichte SAP nun offener und detaillierter über die Arbeit des Aufsichtsrats und erfülle seit Februar ohne Ausnahme die Vorgaben des Deutschen Corporate-Governance-Kodex für gute Unternehmensführung. Grundsätzlich verteidigte Plattner erneut die hohen Gehälter für Vorstandschef Bill McDermott und die anderen Manager.

"Die Vorstandsvergütung muss mit Blick auf unsere globalen Konkurrenten international wettbewerbsfähig sein", sagte er. Für 2017 bekommt McDermott laut Geschäftsbericht knapp 13,2 Millionen Euro, von denen ein Großteil aber aus langfristigen Bestandteilen stammt, die sich unter anderem am Ergebnis und am Aktienkurs orientieren und erst mit Verzögerung ausgezahlt werden. SAP hatte die Änderungen im Vergütungssystem bereits angekündigt.

Aufsichtsrat mit knapp 99 Prozent der Stimmen entlastet

Ihre Kritik an dem aus ihrer Sicht bisher intransparenten System hatten die Aktionäre 2017 mit dem Abstimmungsergebnis bei der Entlastung des Aufsichtsrats ausgedrückt - nur knapp kam die erforderliche Mehrheit zustande. Diesmal war das Vorum eindeutig: Knapp 99 Prozent stimmten für die Entlastung des Aufsichtsrats, gut 90 Prozent für das neue Vergütungssystem.

SAP sei bei den Governance-Themen ein Befreiungsschlag gelungen, lobte etwa Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Ein Wermutstropfen bleibe: Die Höhe der Vergütung passe einfach nicht in die deutschen Verhältnisse.

Bei der kurzfristigen erfolgsabhängigen Vergütung werden Faktoren wie Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit künftig keine Rolle mehr spielen. Die sogenannte Ermessenskomponente wird gestrichen, nur finanzielle Ziele sind noch ausschlaggebend. Auch die maximal mögliche Höhe dieses Vergütungsbestandteils wird gesenkt. Die war aber ohnehin nicht erreicht worden, so dass dadurch unmittelbar keine Auswirkungen auf die tatsächliche Vergütung zu erwarten sind.

Cloud-Geschäft läuft nach Startproblemen

Die Stimmung unter den Aktionären in Mannheim ist überaus positiv. Umsätze, Kundenzahl und Börsenwert haben sich unter dem Amerikaner McDermott mehr als verdoppelt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft das so genannte Cloud-Geschäft inzwischen sehr erfolgreich, bei dem SAP den Firmenkunden Software und Dienste über das Internet bereitstellt. Der Walldorfer Softwarekonzern war auf diesen Mega-Trend vergleichsweise spät aufgesprungen.

Bis 2026 will SAP-Chef McDermott den Börsenwert des Unternehmens auf bis zu 300 Milliarden Euro verdreifachen. Wie die ehrgeizigen Ziele gelingen sollen, dürfte eine der zentralen Fragen bei der Hauptversammlung in der Mannheimer SAP-Arena sein. Schon jetzt ist der Softwarekonzern vor Siemens und Bayer das wertvollste Unternehmen im deutschen Aktienindex Dax.

"Wirtschaftsgeschichte geschrieben"

Auf der SAP-Hauptversammlung wurde außerdem quasi nebenbei deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben: Mit der Wahl von drei Frauen in den SAP-Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung des Software-Unternehmens in der SAP-Arena in Mannheim übersteigt der Anteil von Aktionärsvertreterinnen in den Aufsichtsräten der deutschen DAX-30-Unternehmen im Durchschnitt erstmals die gesetzlich geforderte Quote von 30 Prozent. Das geht aus einer Erhebung der Personalberatung Russell Reynolds Associates hervor.

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