Die Missbrauchskrise hat bis heute Folgen für die Kirche - auch in Rheinland-Pfalz. (Foto: dpa Bildfunk)

Anti-Missbrauchsgipfel Enttäuschung der Opfer für Mannheimer ZI-Forscher nachvollziehbar

Vier Tage lang haben Kirchenvertreter im Vatikan über Missbrauchsfälle und Kinderschutz in der katholischen Kirche beraten. Die Reaktionen fallen enttäuscht aus. Auch am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim (ZI).

Die Enttäuschung überwiegt

Am Tag nach dem viertägigen Missbrauchsgipfel überwiegt bei vielen Opfern die Enttäuschung. Die Opfer hätten sich zum Ende des weltweiten Treffens am Sonntag ein anderes Ende erwartet, schreibt beispielsweise eine italienische Zeitung. "Mindestens die Ankündigung des Rauswurfs diverser Bischöfe", sagte Francesco Zanardi, Sprecher des italienischen Opferverbands "Rete l'abuso".

Auch in der Region überwiegt die Unzufreidenheit. Die Vorsitzende des Katholikenrates im Bistum Speyer, Luisa Fischer, sagte, am Ende des Gipfels fehle es an konkreten, wirksamen Maßnahmen.

"Ich glaube, so können Vertrauen und Glaubwürdigkeit nicht zurück gewonnen werden."

Luisa Fischer, Katholikenrat Bistum Speyer

Die Konferenz in Rom sei zwar ein wichtiger Schritt, um auf das Thema Missbrauch in der Kirche aufmerksam zu machen. Die Aufarbeitung gehe jedoch zu langsam voran.

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit war an Studie beteiligt

Ganz ähnlich bewertet die Ergebnisse aus dem Vatikan Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. Das ZI war an der Studie über den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche beteiligt.

"Wenn ich mir die Kommentare der Betroffenen anhöre, dann sind die alle unisono: Das ist ernüchternd, das ist enttäuschend – und das kann ich auch verstehen. Wir haben ja mit unserer Studie auf spezifische Strukturen hingewiesen, die den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche begünstigen."

Harald Dreßing, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim

Kardinal Marx als positives Beispiel

Dreßing nannte beispielsweise die Stichworte: Missbrauch klerikaler Macht, Sexualmoral, Zöllibat. Diese Themen habe er vom Papst nicht ausreichend wahrgenommen. Und deshalb könne er die Enttäuschung der Betroffenen verstehen.

Eine positive Ausnahme sei Kardinal Marx, der sich von sich aus zu den Betroffenen hingegeben hat.

"Das ist ein Zeichen, das hätten mal alle Kardinäle machen sollen. Die hätten mal im Büßergewand zu den Betroffenen ausziehen sollen, sich vor ihnen verneigen, und dann gemeinsam mit den Betroffenen beraten, was man tun soll."

Harald Dreßing, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim
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