Wissenschaftler arbeiten an einem Bluttest, der die Lebenserwartung eines Menschen exakter voraussagen soll als bisher (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Affäre am Uniklinikum Heidelberg Skandal um Brustkrebs-Bluttest: Kommission kritisiert Klinikvorstand

Vor fünf Monaten löste der fälschlicherweise als Sensation verkündete Brustkrebs-Bluttest in Heidelberg einen Skandal aus. Am Dienstag hat die Untersuchungskommission den Klinikvorstand scharf kritisiert.

Aus falsch verstandener Kollegialität habe man die Akteure gewähren lassen, sagten die Experten. Bei dem Skandal seien Eitelkeit, Führungsversagen und Machtmissbrauch auf Seiten der Hauptakteure im Spiel gewesen, hieß es von Seiten der Kommission. Die siebenköpfige Untersuchungskommission stellte am Dienstag in Heidelberg ihren ersten Zwischenbericht zu dem Skandal vor. Der Bericht umfasst 30 Aktenordner und 10.000 Seiten.

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Chef der Frauenklinik hatte Bluttest vorgestellt

Der Chef der Heidelberger Frauenklinik, Christof Sohn, hatte den Test im Februar der Fachwelt und Öffentlichkeit verfrüht und offenbar fälschlicherweise als bald marktreifen Meilenstein bei der Brustkrebserkennung vorgestellt.

Experten: Bluttest zu früh veröffentlicht

Die Leiterin der Untersuchungskommission, Christine Hohmann-Dennhardt, sagte, der Test sei zu früh veröffentlicht worden. Der Vorstand des Klinikums sei ausreichend informiert gewesen, um den Stand des Bluttests einschätzen zu können. Trotz mehrerer Warnhinweise von Mitarbeitern sei der Bluttest veröffentlicht worden:

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Die Vorwürfe gegen die Macher der vermeintlichen "Weltsensation" wiegen schwer. Deshalb hatte der Aufsichtsrat des Uniklinikums eine hochkarätig besetzte externe Kommission mit der Untersuchung beauftragt.

PR-Kampagne für nicht marktreife Tests

Die siebenköpfige Untersuchungskommission steht unter der Leitung der ehemaligen Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt und dem Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner. Sie sollen aufklären, wie es zu der Pressekampagne für den noch lange nicht marktreifen Bluttest kam, welche wirtschaftlichen Interessen dabei möglicherweise eine Rolle spielten und wer für die Affäre die Verantwortung trägt.

"Führungsversagen, Machtmissbrauch und Eitelkeit"

Matthias Kleiner fand am Dienstag deutliche Worte. Er bewertete die Entwicklungen rund um den den Brustkrebs-Bluttest auch aus seiner Sicht:

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Weitere Beratungen angekündigt

Die Vorsitzende des Aufsichtsrats der Uniklinik, Simone Schwanitz, kündigte weitere Beratungen an. Welche Konsequenzen gezogen werden, könne sie jetzt noch nicht sagen. Schwanitz betonte die Verantwortung für die fast 11.000 Mitarbeiter.

Der Bluttestskandal hat den Ruf des Uniklinikums Heidelberg nach Einschätzung vieler Beobachter beschädigt. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) hatte das Verhalten der zuständigen Professoren vor einigen Wochen heftig kritisiert und Maßnahmen angekündigt. Das Universitätsklinikum Heidelberg hatte wegen Anzeichen eines unlauteren Vorgehens bei der Entwicklung und Ankündigung des potenziellen Bluttests Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

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