Steinmeier steht an einem Rednerpult (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Uwe Anspach/dpa)

40 Jahre Hochschule für jüdische Studien Heidelberg Steinmeier ruft zu Zivilcourage gegen Antisemitismus auf

Die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg hat am Montag ihre Gründung vor 40 Jahren gefeiert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte sie "ein Symbol der Versöhnung".

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) in Heidelberg zu deren 40-jährigem Bestehen gratuliert. Bei einem Festakt sagte Steinmeier am Montagabend, die meisten hätten sich nach dem Holocaust die Gründung einer solchen Hochschule "ausgerechnet in Deutschland" nicht vorstellen können. Er mahnte zu Zivilcourage im Kampf gegen Antisemitismus.

Zuvor hatte das Staatsoberhaupt die Einrichtung in der Altstadt besucht und dabei Studenten und Professoren getroffen. In der Universität nannte der Bundespräsident die HfJS "ein Symbol der Versöhnung" und "ein Versprechen auf Zukunft". Jüdisches Leben werde "bewahrt, vor allem aber wird es gelebt". Dieses jüdische Leben sei ein "unermessliches Glück für unser Land". Die Gemeinden seien gewachsen und Rabbiner würden ausgebildet. Jedes Jahr ziehe es Tausende junger Israelis zum Studium nach Deutschland. Sie gründeten Start-Ups, Bars und Restaurants, sie gäben Konzerte und spielten Theater.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Steinmeier kritisierte, fast täglich würden in der Bundesrepublik Juden, selbst Schüler, "herabgewürdigt, beleidigt oder sogar tätlich angegriffen"; Grabsteine würden geschändet, im Netz gebe es Hetze und Hass. Steinmeier zeigte sich besorgt, dass Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft wieder salonfähig geworden sei. Jeder Angriff gegen Juden sei aber ein Angriff auf die Grundlagen des Zusammenlebens. Wegschauen und weghören dürften und könnten für niemand eine Option sein.

Hochschule als "Laboratorium für vernunftbasierten Dialog"

Die Hochschule für jüdische Studien sei ein Laboratorium für einen vernunftbasierten Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen, zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, zwischen Glaube und Politik. Damit leiste sie einen unschätzbaren Beitrag zur Verständigung und Versöhnung.

Händeschütteln mit dem Bundespräsidenten (Foto: SWR, Dymski)
Bundespräsident Steinmeier bei der Ankunft vor der Hochschule Dymski

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, war bei dem Jubiläum der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg anwesend. In seiner Rede rief er die Politik dazu auf, Antisemitismus entschiedener zu bekämpfen. Ein politischer "Klimawandel" tue Not.

So müsse sich in der Ausbildung der Strafverfolgungsbehörden und in deren Ausstattung etwas ändern. "Wir brauchen eine Justiz, die antisemitische und im Übrigen rassistische Straftaten als solche benennt und entsprechend sanktioniert." Nötig sei eine Polizei, die weder auf dem rechten Auge blind sei noch weghöre, wenn auf Demonstrationen antisemitische Parolen gebrüllt würden. Angesichts der Überlastung von Justiz und Polizei seien solche Forderungen allerdings theoretischer Natur, bedauerte Schuster.

70 Forscher aus aller Welt

Um ein Abdriften Deutschlands nach rechts zu verhindern, müssten auch die Themen Antisemitismus, Rassismus und Israel stärker in die Ausbildung und Fortbildung von Lehrern einfließen. Die Zahl der antisemitischen Straftaten war im vergangenen Jahr um etwa 20 Prozent gestiegen.

Parallel zum Jubiläum findet in Heidelberg eine Tagung mit 70 Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland statt. Dabei geht es um das Jubiläum "200 Jahre Wissenschaft des Judentums" und unter anderem um die Frage, wie die Jüdischen Studien weltweit weiterentwickelt werden können.

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