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Weitere 2.000 Stellen sollen beim Automobilzulieferer Mahle in Deutschland wegfallen - das war am Mittwoch bekannt geworden. Der Betriebsrat sagt, die Unternehmenspolitik sei Schuld.

Uneinigkeit über Gründe für weiteren Stellenabbau

Mahle-Chef Jörg Stratmann sagt, eine Krise wie aktuell in der Corona-Pandemie habe man noch nie erlebt. Der Fahrzeugmarkt sei weltweit eingebrochen. Das Niveau von vor der Krise werde erst in ein paar Jahren wieder erreicht werden.

Der Betriebsrat sagt, nicht ausschließlich Corona sei schuld an der Misere, sondern die Unternehmenspolitik. Das Unternehmen habe bisher keine Perspektiven für die Verbrenner-Standorte vorgelegt. Mahle ist mit Teilen für den Verbrenner groß geworden, viele kennen das Unternehmen als "Kolben-Mahle".

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Wandel in der Automobilbranche kostet Geld

Jetzt sind neue Technologien gefragt. Sich umzustellen, kostet Geld. Mahle ist deshalb schon seit 2018 auf Sparkurs. Und: In der E-Mobilität braucht man weniger Beschäftigte, weil E-Motoren nicht so komplex sind. Bislang wurden weltweit 6.700 Stellen abgebaut. Jetzt sollen nochmal 7.600 dazukommen, 2.000 davon in Deutschland.

Mahle ist nicht der einzige Zulieferer, der angekündigt hat, Jobs zu streichen: Auch ZF, Bosch und Continental werden Stellen abbauen. Sie alle bekommen im Moment die Corona-Krise zu spüren, aber auch den Wandel in der Branche - weg vom Verbrenner hin zu neuen, alternativen Antrieben wie E-Motoren.

Betriebsrat: "Mahle-Geschäftsführung hat Unternehmen schlecht vorbereitet"

Schon 2016 hatten Betriebsrat und das Unternehmen Mahle eine Beschäftigungssicherung verhandelt. In dieser heißt es, für alle Standorte müssten Zukunftskonzepte entwickelt werden. Der Betriebsart sagt, das habe das Unternehmen nicht gemacht. Stattdessen habe man zum Beispiel beschlossen, den Standort in Öhringen zu schließen.

Der Vorstand hält dagegen, Mahle habe die Abhängigkeit vom Verbrenner deutlich reduziert - der Anteil am Umsatz liege noch bei etwa 40 Prozent. Außerdem habe Mahle mittlerweile neue Technologien für die E-Mobilität im Portfolio. Diese werden laut Betriebsrat aber vor allem in Firmen produziert, die Mahle zugekauft hat - und nicht an bisherigen Mahle-Standorten.

Welche Mahle-Standorte in der Region betroffen sein werden

Insgesamt sollen in Deutschland etwa 2.000 Arbeitsplätze wegfallen. Der Betriebsrat geht davon aus, dass alle Standorte betroffen sein werden - und auch alle Bereiche, also Produktion, Verwaltung und Entwicklung. Der Personalabbau wird voraussichtlich an den Standorten, die vor allem Komponenten für Verbrenner produzieren, stärker ausfallen als an anderen.

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