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Der deutsche Militärgeheimdienst MAD ermittelt immer häufiger gegen Bundeswehrsoldaten wegen des Verdachts auf Rechtsextremismus. Besonders betroffen sei die in Calw stationierte Eliteeinheit KSK.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Wie viele Bundeswehrsoldaten haben rechtsextreme Bestrebungen? Der Präsident des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), Christof Gramm, spricht in der "Welt am Sonntag" von aktuell 550 Verdachtsfällen. Allein im vergangenen Jahr seien 360 Verdachtsfälle hinzugekommen.

KSK überproportional betroffen

Besonders betroffen sei die in Calw stationierte Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK). Dort werde derzeit in 20 Fällen ermittelt. Anfang 2019 sei es noch etwa die Hälfte gewesen, sagte Gramm der Zeitung. Damit sei die Zahl der Verdachtsfälle beim KSK - in Relation zur Personalstärke - etwa fünfmal so hoch wie beim Rest der Truppe.

Bundestagsabgeordneter der Linken fordert Konsequenzen

Der Militarisierungskritiker und Bundestagsabgeordnete Tobias Pflüger (Linke) fordert offene Berichte über Rechtsextreme in der Bundeswehr. Die erhöhte Quote Rechtsextremer im Kommando Spezialkräfte überrasche ihn nicht, sagte Pflüger im SWR-Interview. Die seien längst bekannt. Bei eigenen Zählungen sei der Verteidigungsausschuss, dem Pflüger angehört, schon im Herbst zu ähnlichen Zahlen gekommen. Das Ministerium müsse endlich umdenken, fordert Pflüger.

Bundestagsabgeordneter Felgentreu: "Besonders harte Ausbildung" ein Grund?

Die überproportionale Zunahme rechtsextremer Verdachtsfälle innerhalb der KSK führt der SPD- Bundestagsabgeordnete Fritz Felgentreu auf die "besonders harte Ausbildung" zurück: "Da besteht eine fast schon natürliche Tendenz, zu sagen, 'wir sind die Harten'. Dass einige von denen dann auch sagen, 'wir sind auch politisch die Harten', liegt irgendwie nahe." Deshalb dürfe die KSK jedoch nicht unter Generalverdacht gestellt werden, sagte der Politiker dem SWR. Stattdessen müsse sich die Eliteeinheit immer wieder auch untereinander austauschen, was es bedeute, Staatsbürger in Uniform zu sein. Felgentreu geht jedoch davon aus, dass die Verantwortlichen im KSK "diese Lehre längst gezogen haben und sie jetzt auch umsetzen."

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