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Grün-Schwarz schiebt das Thema Luftfilter an Schulen in Baden-Württemberg schon lange vor sich her. Der Druck wächst, weil die Delta-Variante dazu führen könnte, dass Schulen und Kitas nach den Ferien wieder schließen müssen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW drängt auf eine schnelle Beschaffung von Luftfiltern für die Klassenzimmer und Kitas in Baden-Württemberg. "Wenn bei jeder Entscheidung zur Rettung von Unternehmen so intensiv über die Wirksamkeit der Maßnahmen diskutiert worden wäre, gäbe es bis heute viele Rettungsschirme nicht", so die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. Die zähe Debatte um Luftreinigungsgeräte zeige, dass die Landesregierung den Ernst der Lage in den Kitas und den Klassenzimmern noch nicht erkannt habe. Die GEW nennt die Debatte absurd.

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"Wenn es um Geld für Bildung geht, wird jeder Cent mehrfach umgedreht und Entscheidungen werden seit Monaten verzögert", sagte Stein. Aus ihrer Sicht sind Luftreinigungsgeräte in den Klassenzimmern auch ohne das Coronavirus eine lohnende Investition, da sie nach der Pandemie für bessere Luft und damit für besseres Lernen sorgen. Außerdem fordert die Gewerkschaft mehr Personal, um die in der Pandemie entstandenen Lernrückstände bei den Kindern aufzuholen.

Städtetag: Lüftungsanlagen können Pandemie nicht bekämpfen

Aus Sicht des Städtetags Baden-Württemberg können mobile Lüftungsanlagen die Pandemie nicht bekämpfen. Eine von der Stadt Stuttgart in Auftrag gegebene Untersuchung bestätige, dass klassisches Lüften am wirksamsten für den Luftaustausch sei. Mobile Luftfilter seien dagegen nur sinnvoll, wenn aus baulichen Gründen kein wirksames Stoßlüften möglich ist. "Ansonsten überwiegen die Nachteile wie Lärmbelastung, fehlende Frischluftzufuhr und hoher Energieverbrauch", so Gudrun Heute-Bluhm, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg. Bei einer stationären Anlage sehe das anders aus. Mittelfristig kann sich der Städtetag daher vorstellen, dass solche Anlagen vom Land Baden-Württemberg gefördert werden könnten.

Anstelle von Luftfiltern setzt der Städtetag deshalb auf die drei Schutzmaßnahmen "Masken, Testen und Lüften". Spätestens nach den Sommerferien brauche es systematische und regelmäßige Tests im Schulalltag, beispielsweise die unkomplizierten Lolli-Pool-Tests. Außerdem müsse im Klassenzimmer Maskenpflicht gelten.

Baden-Württemberg will über Luftfilter an Schulen entscheiden

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will bis Anfang dieser Woche über die Ausrüstung von Schulen und Kitas mit Luftreinigern entscheiden. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus Regierungskreisen erfuhr, hat Kretschmann die beteiligten Ministerien schon in der Kabinettssitzung am vergangenen Dienstag dringend aufgefordert, endlich eine Kosten-Nutzen-Rechnung für mobile Raumluftfilter vorzulegen. Es könne nicht sein, dass man nach eineinhalb Jahren Corona-Krise noch nicht genau wisse, ob die Filteranlagen das Infektionsrisiko deutlich senken oder nicht.

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Nun mussten Kultus- und Sozialministerium ihre Einschätzung abliefern. Demnach bleibt es dabei, dass die Filter ein Baustein für mehr Sicherheit in Klassenzimmern und Kita-Räumen sind. Der politische Druck wächst, weil die gefährliche Delta-Variante des Coronavirus wieder dazu führen könnte, dass Schulen und Kitas im Herbst geschlossen werden müssen.

Andere Bundesländer weiter als Baden-Württemberg

Einige Länder wie Berlin oder Hessen sind da schon weiter als Baden-Württemberg. Bayern hat das Ziel ausgerufen, dass es bis zum Herbst in allen Klassenzimmern einen Luftreiniger geben soll. Der Freistaat will den Kommunen dafür 50 Prozent der Anschaffungskosten erstatten, kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vergangene Woche an.

Das Umweltbundesamt hatte allerdings erklärt, dass mobile Luftfilter nur eine Ergänzung zum aktiven Lüften sein könnten. Politische Brisanz erhält das Thema aber auch dadurch, dass zwei Wochen nach Ende der Sommerferien in Bayern und Baden-Württemberg Bundestagswahl ist. Kretschmann und Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hatten sich zuletzt äußerst skeptisch über die Wirkung der mobilen Filtergeräte geäußert, die zwischen 3.000 und 4.000 Euro kosten. Allerdings hatte die grüne Landtagsfraktion schon Schoppers Vorgängerin Susanne Eisenmann (CDU) dazu gedrängt, die Anschaffung der Filter voranzutreiben. Damals hatte das Land den Schulen über die Schulträger schon ein Budget von 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, das auch für die Beschaffung mobiler Luftreiniger eingesetzt werden könne. Allerdings konnten mit dem Geld auch digitale Geräte beschafft werden.

GEW und Verdi: Bedarf in Kitas

Auch die Lehrerverbände und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dringen seit langem auf die Anschaffung der mobilen Filteranlagen. GEW-Landeschefin Monika Stein forderte das Land auf, die Kommunen finanziell zu unterstützen, sonst drohe ein Flickenteppich, da manche Städte und Gemeinden das wegen der Corona-Krise nicht allein stemmen könnten. Zudem dürften die Kindertagesstätten nicht vergessen werden, weil Kleinkinder nicht geimpft werden können und keine Masken tragen.

Für Verdi in Baden-Württemberg warnte Sprecher Andreas Henke: "Wir laufen völlig naiv auf den Herbst zu." Bei schlechtem Wetter müssten die Kinder wieder in ihre Gruppenräume.

"Wir brauchen das Maximum an Schutz, da gehören Luftfilter dazu."

In Baden-Württemberg kommen Landesregierung und Kommunen an diesem Montagabend zur gemeinsamen Finanzkommission zusammen. Dabei soll es dem Vernehmen nach neben Corona-Hilfen für gebeutelte Städte und Gemeinden auch um die Luftfilter gehen. In Baden-Württemberg gibt es mehr als 67.000 Klassenzimmer. Die SPD schätzt die Kosten für die Ausrüstung auf etwa 120 Millionen Euro. Hinzu kämen noch die etwa 9.300 Kitas im Land.

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