Manfred Lucha (Bündnis 90Die Grünen), Minister für Soziales und Integration in Baden-Württemberg, spricht bei einer Regierungspresskonferenz zu Journalisten. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod)

"Müssen deutliche Botschaft senden"

Lucha fordert schnelle Entscheidung bei Corona-Schutzimpfung für Kinder

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In der vierten Corona-Welle liegt Baden-Württemberg bei der Impfquote unter und bei der Inzidenz über dem Bundesschnitt. Gesundheitsminister Lucha will einen "Impfruck" - so schnell wie möglich auch bei Kindern.

Im Interview mit dem "Handelsblatt" fordert der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) ein deutlich schnelleres Tempo vor allem auch bei der Impfung von Kindern. "Ich erwarte einen zusätzlichen Impfruck in der Gesellschaft, weil wir nun auch Kindern deutlich mehr Schutz und Sicherheit durch eine Impfung bieten können."

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STIKO-Entscheidung sollte laut Lucha "zeitnah fallen"

Ab dem 20. Dezember stehen Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium 2,4 Millionen Corona-Impfdosen des Kinderimpfstoffs von BioNTech/Pfizer zur Verfügung, den die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) jüngst zugelassen hat. Bis dahin solle die Ständige Impfkommission (STIKO) mit ihrer Empfehlung allerdings auf keinen Fall warten.

"Die Daten, auf die die STIKO zurückgreift, sind da - darauf haben auch die Experten in den USA und in Israel zurückgegriffen", sagte Lucha. "Ich denke deshalb, dass die STIKO-Entscheidung zeitnah fallen sollte. Wir müssen jetzt die deutliche Botschaft senden, dass die Kinderimpfung einen wirksamen Schutz bringt. Darauf werden wir unsere Kampagne aufbauen," so der baden-württembergische Gesundheitsminister im "Handelsblatt".

"Ich erwarte durch die Zulassung einen zusätzlichen Impfruck in der Gesellschaft, weil wir nun auch Kindern deutlich mehr Schutz und Sicherheit durch eine Impfung bieten können." 

BW will Kräfte für Kinderimpfung bündeln

In Baden-Württemberg werde noch in dieser Woche ein Bündnis "Kinder-Impfen" gegründet, kündigte Lucha an. Damit werde bis zur Auslieferung des Corona-Impfstoffs am 20. Dezember mit allen zur Verfügung stehenden Kräften die Möglichkeit geschaffen, tatsächlich möglichst viele Kinder schnell zu impfen. Kinder- und Jugendärzte würden eingebunden und auf die bestehenden Strukturen aus Impfteams, Impfstützpunkten und Hausärzten zurückgegriffen. "Ich möchte mit der Kinderimpfung auch nicht bis Neujahr warten, sondern sofort loslegen, wenn der Impfstoff da ist," betonte Lucha ausdrücklich.

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Impfpflicht für bestimmte Berufe soll schneller kommen

Bei der berufsbezogenen Impfpflicht wünsche er sich von der künftigen Ampelregierung tatsächlich mehr Tempo, so Lucha. Er persönlich gehöre zu denen, die eine berufsbezogene Impfpflicht sogar überspringen wollten. Viele Beschäftigte in der Pflege empfänden eine berufsbezogene Corona-Impfpflicht als diskriminierend und forderten, diese schnell und konsequent auf die Allgemeinheit auszuweiten. Er sei froh, dass diese Debatte jetzt geführt werde, und höre auch aus der FDP Stimmen, die offen für eine solche Maßnahme seien, so der Minister in der Tageszeitung. "Und ich halte es nun für die Aufgabe des designierten Kanzlers Olaf Scholz, die FDP bei dieser schwierigen Frage mit ins Boot zu holen. Ich hoffe, hier lassen sich die Liberalen noch überzeugen."

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