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Wer darf gegen das Coronavirus geimpft werden? Die Impfkommission des Robert-Koch-Instituts hat dazu eine Empfehlung ausgesprochen. BW-Gesundheitsminister Lucha teilt den Vorschlag der Experten.

Nach der Zulassung eines Corona-Impfstoffs sollen Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen sowie Mitarbeiter in Krankenhäusern und Pflegeheimen zuerst gegen das Coronavirus geimpft werden. Ebenso sollen Mitarbeiter von Gesundheitsämtern, Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer und Erzieher zuerst geimpft werden, wie die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, am Montag mitteilte.

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Positionspapier vorgelegt

Zusammen mit der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts und der nationalen Akademie der Wissenschaften hatte der Ethikrat ein Positionspapier zum Vorgehen bei einer möglichen Corona-Impfung vorgelegt. Demnach sollen auch Menschen, die etwa in Heimen für Obdachlose oder Asylbewerber sehr beengt untergebracht seien, zu den Bevölkerungsgruppen zählen, die zunächst geimpft werden könnten.

Entscheidung trifft Politik

Noch seien genaue Feststellungen zur Priorisierung nicht getroffen, also nicht alle Gruppen genau identifiziert. Darauf wies im SWR der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission und Virologe am Ulmer Universitätsklinikum, Thomas Mertens, hin. Es fehlten dazu noch Daten. Die nun auf den Weg gekommenen Empfehlungen der Wissenschaftler seien nicht gleichbedeutend mit einer Entscheidung, wie er erläuterte. "Die Priorisierung muss von den Verantwortungsträgern der Politik festgesetzt werden auf Basis der Empfehlungen."

Ulmer Virologe: Impfstoff könnte Durchbruch sein

Das Mainzer Unternehmen Biontech hatte am Montag angekündigt, noch in diesem Monat in den USA einen Zulassungsantrag für seinen Corona-Impfstoff zu stellen. Im SWR-Gespräch sagte Mertens, der Impfstoff könnte ein Durchbruch sein, allerdings müssten von Biontech noch weitere Daten vorgelegt und überprüft werden. Wenn es in diesem Tempo weitergehe, sei es auch realistisch, dass der Impfstoff noch im nächsten Jahr auf den Markt käme. Allerdings schränkte der Ulmer Virologe auch ein, dass eine Zuslassung in den USA nicht bedeute, dass der Impfstoff automatisch auch in Europa zugelassen würde. "Ich bin auch sehr dafür, dass die europäische Zulassungsbehörde keinesfalls ihre Maßstäbe verletzt und damit sicherstellt, dass der Impfstoff ausreichend geprüft ist, wenn er zugelassen wird."

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BW-Gesundheitsminister Lucha teilt Ansicht der Experten

Dass Menschen, die besonders gesundheitlich gefährdet sind, und Menschen bei den Pflegediensten und in den Krankenhäusern zuerst geimpft werden sollen, unterstützt der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne).

BW beschafft Spritzen und Kanülen

Derzeit arbeite Baden-Württemberg mit Hochdruck daran, die nötige Infrastruktur bereitstellen zu können, sobald Impfstoffe vorhanden sind. So würden Kanülen und Spritzen beschafft und Lagerungsmöglichkeiten geschaffen. Manche Impfstoffe benötigen eine Kühlung bis zu 70 Grad Minus. Der Bund werde den baden-württembergischen Anteil am Corona-Impfstoff an ein zentrales Lager im Land liefern, von dort werde er flächendeckend an einzelne Impfzentren gegeben, die dann später in einem zweiten Schritt auf alle Stadt- und Landkreise ausgeweitet werden sollen. Baden-Württemberg will die Impfungen zunächst mit Impfzentren in jedem Regierungspräsidium beginnen, später soll es Zentren in allen Landkreisen sowie mobile Impfeinheiten für Heimbewohner geben. "Mittel- und langfristig soll die Impfung in den Arztpraxen stattfinden", sagte Lucha.

Verdi und GEW unterstützen Priorisierung

Der Verdi-Landesbezirk fordert die Landesregierung dazu auf, bei der Verteilung des Impfstoffs Kita-Beschäftigte vorrangig zu berücksichtigen. "Die Kolleginnen und Kollegen in den Kitas halten den Laden gerade am Laufen, für die Kinder, deren Eltern, für unsere Wirtschaft", so Landesbezirksleiter Martin Gross. In den Kitas sei die Einhaltung der AHA-Regeln nicht möglich. Die dort Beschäftigen dürften deshalb bei der Verteilung der Impfdosen nicht vergessen werden. Das gelte auch für die Beschäftigten in den Schulen, insbesondere in der Schulkindbetreuung der kleineren Kinder. Unterstützung dafür kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Wer will, dass Kitas und Schulen offen bleiben, muss die Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten ausbauen und den pädagogischen Profis vorrangig das Angebot machen, sich impfen zu lassen", sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

Lieferung mit der Bundeswehr

Ein Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz sieht vor, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und finanziert und die Länder Impfzentren einrichten. Die Impfstoffe sollen die Bundeswehr oder die Hersteller anliefern. Die Dosen sollen dem Bevölkerungsanteil entsprechend an die Länder verteilt werden. Wie viele genau auf Baden-Württemberg fallen, ist noch unklar. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte bereits am Sonntag in einem Video betont, dass die Impfung freiwillig bleiben soll.

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