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Pflegekräfte haben am Mittwoch in verschiedenen Städten in Baden-Württemberg demonstriert. Sie fordern eine bessere Bezahlung und mehr Personal an den Kliniken.

Die Gewerkschaft Verdi präsentierte das aktuelle "Versorgungsbarometer". Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross sagte: "77 Prozent der Pflegekräfte können sich nicht mehr vorstellen, ihre Arbeit, die sie lieben, bis zur Rente durchzuhalten." Hinzu komme die Pandemie-bedingte Flucht aus dem Beruf, so Gross weiter. Über die Hälfte der Befragten gebe an, nicht mehr alle Patientinnen und Patienten vollständig pflegen zu können.

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Verdi fordert Kurswechsel

Laut Gross ist jetzt ein grundsätzlicher Kurswechsel nötig: Er nannte als Beispiele eine bedarfsgerechte Versorgung in den Kliniken statt der Pauschalen und die vollständige Finanzierung der Investitionskosten der Krankenhäuser durch das Land. Außerdem forderte der Verdi-Landesbezirksleiter, dass die Ausbildung gestärkt werden müsse. Zusätzlich müsse es einen Tarifvertrag Altenpflege geben, der verbindlich Standards für alle in der Branche setze. Verdi kritisiert außerdem, dass bei den Beschäftigten der Krankenhäuser keine der "so dringend erforderlichen Verbesserungen ankomme" - etwa bei der Personalausstattung. Rund 50 Beschäftigte übergaben am Mittwoch in Stuttgart einen entsprechenden Forderungskatalog an Baden-Württembergs Gesundheitsminister Lucha (Grüne).

Gesundheitsminister Lucha: muss mehr geschehen

Zur Personalausstattung im Gesundheitswesen sagte Lucha dem SWR, es sei schwer, für erkämpfte Stellen auch Personal zu finden. Deshalb müsse das Berufsbild der Pflegekräfte gestärkt werden. Dabei gehe es auch um Geld, so Lucha. Es müsse aber mehr geschehen, denn die Pandemie habe Schwächen in der Gesellschaft aufgezeigt - auch im Gesundheitswesen.

Lucha verweist auf finanzielle Hilfen für Kliniken

Der Grünenpolitiker wies zugleich den Vorwurf zurück, dass in der Corona-Pandemie nichts für die Kliniken und die Pflegebeschäftigten getan worden sei. Lucha betonte, der Bund habe den Krankenhäusern in Baden-Württemberg im Jahr 2020 eine Milliarde Euro zur Verfügungen gestellt, um die Belastungen der Corona-Pandemie auszugleichen. Im Jahr 2021 seien vom Bund weitere 460 Millionen Euro und vom Land Baden-Württemberg zusätzlich 210 Millionen Euro in die Pflege geflossen. "Im Rahmen des politischen Prozesses ist relativ viel geschehen", sagte Gesundheitsminister Lucha. Aber man dürfe nicht stehenbleiben. Lucha sicherte dem Pflegepersonal weitere Unterstützung zu.

Weitere landesweite Proteste

Parallel zur Vorstellung des Versorgungsbarometers gab es am Mittwochvormittag Kundgebungen in Mannheim, Karlsruhe und Stuttgart. Für den Nachmittag sind in Tübingen und Freiburg weitere Demonstrationen geplant. Am Dienstag wurde bereits in Ulm protestiert, teilte die Gewerkschaft Verdi mit. Anlass für die Protestaktionen ist die Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern am Mittwoch.

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