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Sollen ältere Menschen im Pflegeheim ein Recht auf Risiko haben? Ja, fordert die Kirche. Deswegen will die Landesregierung auch bei steigenden Corona-Infektionszahlen kein pauschales Besuchsverbot in Pflegeheimen.

Besuchsverbote in Heimen waren von März bis Mai für Bewohner und ihre Angehörigen unerträglich. Das soll sich nicht wiederholen. Wenn nach Weihnachten ein harter Corona-Lockdown in Baden-Württemberg kommen sollte, wird es keine pauschalen Besuchsverbote in Pflegeheimen geben. Das teilte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) mit.

"Pauschale Besuchseinschränkungen sind für die Bewohnerinnen und Bewohner massive Eingriffe, unter denen die Betroffenen während der ersten Phase der Pandemie erheblich gelitten haben."

Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne)

"Ältere Menschen haben ein Recht auf Risiko"

Dafür plädiert auch der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh. Er fordert ein Recht auf Risiko. Denn während ältere Menschen zu Hause gemeinsam mit ihren Angehörigen entscheiden könnten, wie viel Nähe sie angesichts der Corona-Pandemie zulassen, seien Menschen in Heimen in dieser Frage quasi entmündigt.

Besuchsverbote in Pflegeheimen nur im Notfall

Lucha weiß, dass sich viele gegen nochmalige Besuchsverbote ausgesprochen haben. Das wirksamste Mittel gegen Corona-Ausbrüche sei neben der strengen Beachtung der Hygienevorschriften regelmäßige Tests.

"Inzwischen haben stationäre Einrichtungen pro Bewohner und Monat 30 Antigen-Schnelltests zur Verfügung, die sie je nach Bedarf frei einsetzen können - für Bewohner, Personal und Besucher."

Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne)

Trotzdem können Besuchsverbote in Pflegeheimen laut Lucha von den zuständigen Behörden angeordnet oder von den Einrichtungen selbst ausgesprochen werden, wenn es zu Ausbrüchen kommt.

"Aber auch hier gilt immer der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit"

Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne)

Einen 100-prozentigen Schutz der Einrichtungen vor Infektionen könne es leider nicht geben.

Einrichtungen haben Konzepte für Besuch während der Pandemie

Anfang Dezember hatte der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, zusammen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits eine "Handreichung" für stationäre Einrichtungen vorgestellt, damit Bewohner von Pflegeheimen weiterhin auch bei hohen Corona-Zahlen Besuch empfangen können.

Darin werden Empfehlungen abgegeben, wie Besuche durch Angehörige oder Freunde unter Pandemiebedingungen weiterhin ermöglicht werden können.

"Wir wollen die Pflegebedürftigen bestmöglich schützen. Wir wollen sie nicht wegsperren, nicht isolieren."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Harter Lockdown in BW wohl nach Weihnachten

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