Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der GDL

Lokführer-Streik: Deutsche Bahn legt Berufung ein

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Die Deutsche Bahn will am Freitag nochmal versuchen, den Streik der Lokführergewerkschaft GDL zu stoppen. Zuvor hatte das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main der GDL Recht gegeben.

Nach der Niederlage vor dem Arbeitsgericht Frankfurt hat der Konzern Berufung eingelegt. Das Gericht hatte die einstweilige Verfügung der Deutschen Bahn abgelehnt. Der Streik kann also vorerst weitergehen.

Seit Donnerstagmorgen bestreikt die Gewerkschaft GDL wieder bundesweit den Personenverkehr. Der Ersatzplan sei gut angelaufen, teilte eine Sprecherin der Bahn mit. Die Deutsche Bahn will im Fernverkehr etwa ein Viertel des üblichen Angebots aufrechterhalten, im Regionalverkehr im Durchschnitt 40 Prozent. Über Details informiert der Konzern auf seiner Homepage.

Weselsky: "Bestes Angebot aller Zeiten"

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sagte am Donnerstag im "Morgenmagazin" von ARD und ZDF, zwar sei es "das beste Angebot aller Zeiten". Die schlechte Nachricht für die Bahnkunden sei aber, "der Streik geht weiter." Weselsky begründete dies damit, dass sich der Geltungsbereich des Angebots auf den derzeitigen Tarifvertrag beschränken solle. Für neue Gewerkschaftsmitglieder gelte er damit nicht. Er warf der Unternehmensführung Janusköpfigkeit vor, sie wolle die GDL spalten in "Mitglieder erster Klasse und Mitglieder zweiter Klasse". Zielsetzung des Bahnvorstandes sei die Existenzvernichtung der GDL, so Weselsky.

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler bekräftigte ebenfalls im "Morgenmagazin", dass die GDL an den Verhandlungstisch zurückkehren solle. "Am Ende müssen beide Parteien aufeinander zugehen." Die GDL werde einer der Tarifpartner bleiben. Das Tarifeinheitsgesetz sichere die Existenz der Gewerkschaft in jenen Betrieben, wo sie die Mehrheit der Arbeitnehmer organisiert habe. Weselsky sagte: "Natürlich werden wir mit der Bahn verhandeln."

Menschen laufen mit Mund-Nasen-Schutz im Hauptbahnhof Stuttgart unter einer grossen digitalen Anzeige mit Zug-Abfahrtszeiten (Foto: SWR)
Bahnreisende am Donnerstagmorgen am Hauptbahnhof in Stuttgart.

Streik soll bis Dienstag dauern

Der mehrtägige Streik der GDL soll in der Nacht zum Dienstag enden. Am Mittwochnachmittag war die Deutsche Bahn im Tarifkonflikt auf die GDL zugegangen und hatte ein neues Angebot vorgelegt. Laut Bahn-Personalvorstand Martin Seiler hat der Konzern die Laufzeit des Tarifvertrags von 40 auf 36 Monate angepasst. Zudem beinhalte das Angebot eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro. Bislang hatte die Bahn die Höhe der Prämie nicht beziffert.

Die GDL fordert eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro und bessere Arbeitsbedingungen. Die Bahn will die Löhne und Gehälter wie von der GDL gefordert um 3,2 Prozent erhöhen. Umstritten war bislang jedoch, wann genau die einzelnen Stufen greifen und wie lange der neue Tarifvertrag gelten soll.

Schwerpunkte Stuttgart, Karlsruhe und Mannheim

Regionale Schwerpunkte des Lokführerstreiks sollen wieder Ballungsräume wie Stuttgart, Karlsruhe oder Mannheim sein, sagte Jens-Peter Lück, Vizevorsitzender des GDL-Bezirks Süd-West, der Deutschen Presse-Agentur vor Streikbeginn. "Die Streikbereitschaft hat noch zugenommen", fügte er hinzu. Die Gewerkschaft verzeichne im laufenden Tarifkonflikt einen Zuwachs an Mitgliedern.

Während des Streiks fahren unter anderem im Großraum Stuttgart die S-Bahnen nur noch im Stundentakt. Einige der S-Bahnen und Regionalzüge fallen sogar ganz aus. Es gibt einen Ersatzfahrplan.

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Auch im Raum Heilbronn ist der Lokführerstreik spürbar. Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) hat massive Zugausfälle angekündigt. Von Donnerstag bis Dienstag seien insbesondere die Linien S4, S41 und S42 im Raum Heilbronn betroffen, hieß es.

Heilbronn

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In der Region Karlsruhe gibt es ebenfalls Behinderungen und Zugausfälle durch den Streik der GDL. Das hat Auswirkungen sowohl auf den Pendlerverkehr als auch auf die Reisepläne von Urlaubern. Davon ist auch der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) betroffen.

Viele Strecken im Süden und Osten beeinträchtigt

Am Bodensee und in Oberschwaben fahren viele Züge wegen des Streiks nicht:

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Der dritte Streik in wenigen Wochen trifft Hunderttausende Menschen. Die für die Streikdauer gebuchten Fahrkarten können auch an anderen Tagen genutzt werden. Das gilt noch bis zum 17. September, wie die Bahn mitteilte.

Lufthansa und Eurowings starten Sonderflüge

Der anstehende Bahnstreik treibt bei der Lufthansa die Buchungen für innerdeutsche Flüge deutlich nach oben. Die Fluggesellschaft und ihr Tochterunternehmen Eurowings stocken deshalb ihr Flugangebot bis zum 7. September um mehr als 7.000 Sitzplätze auf. Das teilte ein Konzernsprecher am Mittwoch mit. Bei etwa 150 Flügen würden größere Flugzeuge eingesetzt, hieß es. Außerdem würden 30 zusätzliche Flüge angeboten. Im Fokus stehen bei der Lufthansa unter anderem Verbindungen von Frankfurt und München nach Berlin und Hamburg und zurück. Eurowings verstärkt vor allem das Flugangebot von Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart nach Berlin und zurück. Es gebe bereits einen sprunghaften Buchungsanstieg, so der Sprecher.

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