Impfung gegen Coronavirus (Foto: imago images, IMAGO / photothek)

Stimmen aus Baden-Württemberg

Geplante Lockerungen für Geimpfte: Junge Menschen fühlen sich zurückgelassen

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Mit geplanten Lockerungen für Geimpfte reagiert die Bundesregierung auf die sinkenden Corona-Fallzahlen. In Baden-Württemberg gehen die Meinungen auseinander.

Während sich die einen über mehr Freiheiten freuen, fühlen sich andere unfair behandelt. Die Entscheidungen der Bundesregierung, die Corona-Regeln für Geimpfte und Genesene zu lockern, spaltet die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg. In den sozialen Netzwerken teilen gerade junge Menschen die Ansicht, wieder einmal zurückstecken zu müssen.

Der 20-Jährige Alex Ritt aus Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis) hält die Lockerungen für nicht gerecht. Er selbst sei jung und habe bisher keine Möglichkeit gehabt, sich impfen zu lassen. "Ich halte mich bisher an alle Vorschriften", schreibt er in einem Kommentar auf Facebook, "als Dank dürfen Geimpfte raus und ich werde noch Monate warten müssen bis ich irgendwann mal dran bin." Seiner Meinung schließen sich noch weitere Userinnen und User auf Facebook an.  

Lockerungen für Geimpfte: Hoffnung auf ein Stück Normalität

Doch nicht jeder junge Mensch im Land empfindet die Entscheidung der Bundesregierung als unsolidarisch. Der 24-Jährige Maximilian Weis aus Karlsruhe geht zwar nicht davon aus, dass er in nächster Zeit geimpft wird, trotzdem spricht er sich gegenüber dem SWR für die geplanten Lockerungen für Geimpfte aus. "Wenn ein Stück Normalität wiederkommen könnte, in Form dessen, dass die Gastronomen für Geimpfte wieder öffnen können, dann nehme ich es gerne in Kauf, einen Monat länger zuhause zu bleiben", erklärt der Student.

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Meinungen im Land gehen auseinander

Die 39-Jährige gelernte Altenpflegerin Andrea Ebbrecht aus Aldingen (Landkreis Tuttlingen) verweist im Gespräch mit dem SWR auf die Lieferengpässe des Impfstoffes: "Solange nicht genügend Impfstoff da ist, sollte die Bundesregierung nicht über Lockerungen nachdenken." Sie selbst zähle zur Risikogruppe und pflege ihren herzkranken Sohn, habe jedoch noch keinen Impftermin bekommen. Auch wenn der Schritt zur Lockerung wirtschaftlich gesehen notwendig wäre, sei es noch zu früh dafür.

Immer wieder liest oder hört man, in Impfzentren würde Corona-Impfstoff übrig bleiben - oder sogar weggeworfen. Was ist dran an den Behauptungen? So berichtete der SWR am Montag über die Situation in Stuttgart.

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Christiane Ginschel und ihr Mann aus Mühlacker im Enzkreis sind bereits beide einmal geimpft. Das Paar zählt zur Risikogruppe. Wenn Menschen durch die Impfung geschützt sind und das Virus auch nicht mehr weitertragen, dann spricht aus rechtlicher Sicht nichts gegen eine Lockerung für Geimpfte, sagt die 62-Jährige gelernte Buchhändlerin dem SWR. Ihr sei klar, dass dies bei vielen Neid hervorruft. Die Phase sei jedoch nur kurz, bis Impfungen schließlich für alle möglich sind.

Impfzentren im Land noch nicht voll ausgelastet

In Baden-Württemberg sind noch nicht alle Impfzentren voll ausgelastet. Im Impfzentrum in Ulm mussten zuletzt einige Termine aufgrund von Impfstoffmangel abgesagt werden. Das Sozialministerium hatte am Mittwoch reagiert und 3.000 weitere Dosen zugesichert. Auch das Freiburger Impfzentrum arbeitet noch lange nicht in voller Auslastung, wie der Leiter Daniel Strowitzki am Mittwoch mitteilte. Kommende Woche könnten erstmals Termine abgesagt werden müssen, da weniger Impfstoff als erwartet geliefert wurde. 

Impfangebot schon bald für Jüngere

Baden-Württemberg macht laut Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) gute Fortschritte beim Impfen gegen Corona. Am Mittwoch eröffnete er auch den jüngeren Menschen im Land eine Perspektive. "Sobald ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, werden wir die Priorisierung zumindest in den Arztpraxen nicht mehr brauchen, so dass auch die jüngeren Menschen, die sich sehr solidarisch in der Pandemie verhalten haben, ein Impfangebot bekommen", so Lucha gegenüber dem SWR.

Dies werde voraussichtlich bereits Mitte Mai der Fall sein. Lucha verwies auch darauf, dass die weitere Entwicklung von den Impfstoff-Lieferungen des Bundes abhänge. Der Minister erklärte weiter, sobald es die Pandemielage hergebe, müssten die Menschen ihre Grundrechte wieder zurückerhalten.

Über die Lockerungen der Corona-Regeln für vollständig Geimpfte und Genesene will der Bundesrat am Freitag abstimmen. Die Bundesländer signalisieren Zustimmung - auch Baden-Württemberg.

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