Winfried Kretschmann (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Gespräche mit Kanzleramt angekündigt

Harter Lockdown? Für Kretschmann aus pandemischer Sicht "am besten"

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Kommt die nächste Bund-Länder-Runde früher als erwartet? Nur wenige Tage nach der letzten Schalte werden nicht nur Rufe nach einem scharfen Lockdown lauter - sondern auch nach einem neuen Corona-Gipfel.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat für Anfang der kommenden Woche weitere Gespräche zwischen Bund und Ländern über einen harten Lockdown in Aussicht gestellt. "Erstmal überlegen wir alle solche Sachen", sagte Kretschmann am Samstagabend in Stuttgart. "Wir müssen das auch mit anderen Ländern vorbesprechen, mit dem Bundeskanzleramt. Wir sehen halt, die Zahlen rasen förmlich hoch."

Baden-Württemberg lockert Kontaktbeschränkungen in Hotspots

Zwar pocht Kretschmann auch auf die konsequente Umsetzung der Notbremse in Hotspot-Gebieten mit über 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in einer Woche. Gleichwohl lockerte seine Landesregierung am Sonntag die Regeln für private Zusammenkünfte in Gebieten mit hohen Infektionszahlen. Treffen von zwei Haushalten mit bis zu fünf Personen sind von diesem Montag an auch in Gegenden mit mehr als 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner erlaubt. Die Notbremse sieht eigentlich vor, dass sich in Hotspot-Regionen mit einer Inzidenz von über 100 nur ein Haushalt mit einer zusätzlichen Person treffen darf. Zuletzt hatte es geheißen, die Lockerung sei eine Sonderregelung für die Osterfeiertage.

Nächste Ministerpräsidentenkonferenz bereits früher?

Bei den Gesprächen am Montag und Dienstag müsse man "zu Klarheit kommen". Ob die nächste Konferenz der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die eigentlich erst für den 12. April geplant ist, vorgezogen werden muss, sagte der Grünen-Politiker nicht. Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) erteilte solchen Überlegungen eine Absage: "Es braucht nicht ständig neue Gespräche, sondern die konsequente Umsetzung der Notbremse", betonte der CSU-Chef in der "Augsburger Allgemeinen".

Den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), wegen der schnell steigenden Infektionszahlen das gesellschaftliche Leben 10 bis 14 Tage richtig herunterzufahren, begrüßte der Grünen-Politiker indirekt: "Aus pandemischer Sicht wäre das am besten", so Kretschmann wörtlich.

Allerdings müsse man genau abwägen, ob es sinnvoll und machbar sei, alles zuzumachen. Zuletzt hatte Kretschmann erklärt, die britische Mutante breite "sich gerade so schnell aus, dass sich die Infektionszahlen bei uns alle zehn Tage verdoppeln". Darauf müsse die Politik reagieren, sonst liefen die Intensivstationen schon im April über. Gleichzeitig hatte Kretschmann noch am Freitag im SWR einen härteren Lockdown zurückgewiesen und das Modell der regionalen Notbremsen bei hohen Inzidenzwerten favorisiert.

Hier können Sie das komplette SWR-Interview mit Kretschmann im Video ansehen:

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Merkel fordert härtere Maßnahmen der Länder

Bundeskanzlerin Merkel forderte am Sonntagabend deutlich härteres Vorgehen der Bundesländer gefordert. So könne es nicht weitergehen, sagte Merkel in der ARD-Sendung "Anne Will". Sie forderte die Länder zu entschiedenem Handeln auf, brachte aber auch Initiativen des Bundes ins Spiel. Sie lehnte Öffnungsschritte momentan klar ab und bezeichnete stattdessen Ausgangsbeschränkungen als "wichtiges Mittel" bei hohen Infektionszahlen.

Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an

In Baden-Württemberg ist die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag weiter angestiegen. Den Daten des Landesgesundheitsamts zufolge (Stand 28.3., 16 Uhr) wurden im Laufe der vergangenen sieben Tage 127,4 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner registriert. 32 der 44 Stadt- und Landkreise überschreiten mittlerweile die Schwelle von 100. Am höchsten war der Wert im Landkreis Schwäbisch Hall mit 477,7, am niedrigsten im Stadtkreis Pforzheim mit 58,0.

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