Bunte Würfel liegen auf einem Spielbrett (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Roland Weihrauch)

Produktion in der Region

Neue Strategien: Wie BW-Unternehmen den Lieferengpässen trotzen

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Geli Hensolt, Tina Fuchs, Katharina Fortenbacher-Jahn

Gesellschaftsspiele boomen: Wegen der Lieferengpässe hat der Kosmos-Verlag die Produktion aus Asien nach Baden-Württemberg zurückgeholt. Trumpf versorgt Zulieferer selbst mit Material.

Der Mangel an Rohstoffen und Materialien trifft derzeit alle Branchen, auch Spielwarenhersteller. Papier ist knapp, bestimmte Kunststoffe auch. Hinzu kommt: In den Häfen in Asien fehlen Container für den Transport, dort stapeln sich deshalb dringend benötigte Teile. Und das gerade jetzt, kurz vor Weihnachten. Auch beim Spielwarenhersteller Kosmos läuft momentan nicht alles rund. Dennoch stehen die Stuttgarter besser da als andere Verlage.

Spielbrett "Siedler von Catan": Strategie: Figuren von "Siedler von Catan" werden wieder in Baden-Württemberg hergestellt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Patrick Seeger)
Strategie: Figuren von "Siedler von Catan" werden wieder in Baden-Württemberg hergestellt. picture alliance / dpa | Patrick Seeger

Spielfiguren werden statt in China in Krauchenwies produziert

Kleine bunte Kunststoffteile schüttelt Armin Sinnwell in der Kosmos-Zentrale in Stuttgart aus einem kleinen Beutel vor sich auf den Tisch: Straßen, Städte und Siedlungen für den Kosmos-Spiele-Klassiker "Siedler von Catan". Alle Figuren seien da und lieferbar, erklärt Kosmos-Manager Sinnwell zufrieden.

Dass die Figuren - trotz Rohstoffkrise und gestörter Lieferketten - weiterhin in das Spiel gepackt werden können, ist keine Selbstverständlichkeit: Es liegt daran, dass sie mittlerweile an einem neuen Standort produziert werden. Kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie fiel der Entschluss, die Produktion von China zurück nach Baden-Württemberg zu holen, erzählt Sinnwell. Seitdem werden die Spielfiguren bei der Verlagstochter Columbus in Krauchenwies in Oberschwaben hergestellt.

Das Unternehmen ist nun nicht mehr so abhängig von Lieferanten in Asien, hat deutlich kürzere Transportwege und spart die aktuell sehr hohen Preise für Container. "Kosmos macht mehr als 70 Prozent seines Umsatzes mit Ware, die in Deutschland und Europa produziert worden ist", berichtet Armin Sinnwell. "Insofern hängen wir nicht ganz so stark von der China-Connection ab."

Rohstoffmangel: Brettspiele teurer, Experimentierkästen ausverkauft

Trotzdem - die weltweiten Engpässe bekommt Sinnwell täglich zu spüren. "Es geht darum, dass wir mit Preiserhöhungen fertig werden müssen, dass Container nicht kommen, dass Lieferanten Rohstoffprobleme haben", klagt der Manager. Denn nicht alles kann Kosmos in Europa beziehen. Das soll sich aber ändern. "Es ist aber ein wirklich großes Rad, das wir da drehen", erklärt Sinnwell.

Die Auswirkungen der Engpässe bekommen Kundinnen und Kunden zu spüren: Manches wird nach Weihnachten teurer werden. Der Preis für die "Siedler von Catan" wird beispielsweise um fünf Euro steigen. Und weil aktuell Elektrochips fehlen, könnten manche der Experimentierkästen, für die der Spieleverlag bekannt ist, vor Weihnachten ausverkauft sein.

Wenn Lieferketten abreißen - das Beispiel Trumpf in Ditzingen

Den eigenen Zulieferern fehlt es an Material - deshalb hat sich das Maschinenbau-Unternehmen Trumpf in Ditzingen einiges einfallen lassen: Der Global Player beliefert aus seinen eigenen Lagerbeständen einen seiner Zulieferer um die Ecke, damit dieser weiterproduzieren kann. Doch was sich regional lösen lässt, nimmt international ganz andere Dimensionen an, wie Tina Fuchs berichtet:

Lieferengpässe und Handwerksbetriebe: Unkonventionelle Lösungen finden

Viele Produkte können in Deutschland gar nicht produziert werden - wenn auch nur ein entscheidendes Teil fehlt. Oder: Wenn ein heimischer Handwerker einen Auftrag hat, an einer Baustelle arbeitet und das Material dafür nicht beikommt, kann das ganze Projekt ins Stocken geraten. Einfach warten, bis die Krise vorbei ist, kann keine Option sein. Auch Handwerker brauchen wegen der seit Monaten andauernden Lieferengpässe kluge und fixe Lösungen.

Katharina Fortenbacher-Jahn stellt einen Heizungs- und Sanitärbetrieb aus Schallstadt bei Freiburg vor, der inzwischen für viele Problempunkte einen konstruktiven Ansatz gefunden hat, um trotz Materialnot weiter produzieren zu können:

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