Ein zwölfjähriger Gymnasiast löst am Computer in seinem Zuhause seine Schulaufgaben. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Ulrich Perrey)

Kritik an Corona-Schutzmaßnahmen

Lehrer-Gewerkschaften in Baden-Württemberg halten Fernunterricht im Herbst für möglich

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Lehrerverbände in BW fordern kurz vor Beginn des neuen Schuljahres bessere Corona-Schutzmaßnahmen im Unterricht. Ansonsten drohen ihrer Ansicht nach im Herbst wieder Schulschließungen.

Am kommenden Montag beginnt in Baden-Württemberg wieder die Schule. Für alle Schülerinnen und Schüler soll dann der Unterricht in Präsenz wieder losgehen. Doch noch immer wird heftig diskutiert, ob die Corona-Schutzmaßnahmen dafür ausreichen.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Land wirft der Politik vor, nicht genügend in Schutzmaßnahmen investiert zu haben. Die Verantwortung liege bei Bund, Land und Kommunen, sagte die GEW-Landeschefin Monika Stein in Stuttgart. "Alle drei haben zu wenig dafür getan, Schulen so sicher wie möglich zu machen." Als Beispiel nannte Stein, alle Klassenzimmer mit Luftreinigungsgeräten auszustatten. Die GEW-Vorsitzende ist sich sicher, dass sich ein Lockdown dadurch vermeiden ließe.

Lehrerverbände warnen vor Fernunterricht im Herbst

Auch dem Verband der Berufsschullehrer (BLV) gehen die Schutzmaßnahmen in den Schulen nicht weit genug. Der Verbands-Vorsitzende Thomas Speck sieht deshalb den Präsenzunterricht gefährdet. Auch die Gewerkschaftschefin ist skeptisch.

"Ich befürchte, dass man im Herbst wieder über Fernunterricht sprechen wird."

BLV-Präsident Speck fügte hinzu, dass sich zwar alle Präsenzunterricht wünschten, bei der Umsetzung der Schutzmaßnahmen fühlten sich Lehrer und Schulleitungen aber oft überfordert.

Verbände setzen auf PCR-Tests

Beide Verbände dringen auf regelmäßige Lolli-PCR-Tests in den Schulen. Diese Tests seien sicherer als die zwei geplanten Antigen-Schnelltests pro Woche. PCR-Tests brauche es außerdem auch, wenn sich bei einem Corona-Fall alle anderen Schülerinnen und Schüler fünf Tage lang testen müssen wie momentan geplant. Wenn die grün-schwarze Regierung dies aus finanziellen Gründen verweigere, sei das "beschämend", sagte Stein. Wenn Kinder und Jugendliche es nicht wert seien, Geld in die Hand zu nehmen, müsse man sich wirklich fragen, wo die Prioritäten lägen.

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Pflicht zur Impfauskunft? BLV und GEW bezweifeln den Nutzen

Von den Bund-Länder-Plänen, wonach Lehrkräfte zu einer Impfauskunft verpflichtet werden sollen, hält die Gewerkschaftschefin nichts. "Wir wollen nicht, dass sensible Gesundheitsdaten abgefragt werden." Der BLV sieht das ähnlich. "Eine Auskunftspflicht bringt nichts, weil wir die Lehrkräfte nicht aus dem Unterricht herausnehmen können." Dafür sei das Personal viel zu knapp.

Steins Vorschlag: "Ein Döner für jeden Schüler, der sich impfen lässt"

Die GEW ist zudem der Ansicht, dass mehr Kreativität gefragt ist, um die Impfquote bei Schülerinnen und Schülern zu erhöhen. Es reiche nicht, wenn die Schulleitungen vom Kultusministerium Links zum Thema Impfen zugesandt bekämen, so Landeschefin Stein. "Wie wäre es zum Beispiel mit einem Lucha-Schüler*innen-Döner-Gutschein für jede geimpfte Person ab zwölf Jahren?", schlug sie mit Verweis auf Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) vor.

Coronavirus: Impfquote bei Lehrkräften bei bis zu 95 Prozent

Bei den Lehrkräften in Kitas und Schulen geht die GEW derzeit von einer Impfquote von 80 bis 95 Prozent aus. Dennoch sei man von Normalität in den Klassenzimmern der 4.500 Schulen noch weit entfernt, so Stein.

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SWR