Eine Auszubildende zur Köchin im dritten Lehrjahr arbeitet in einem Hotel in der Küche eines Restaurants.  (Foto: dpa Bildfunk, Sebastian Gollnow)

Lage am Ausbildungsmarkt

Neuer Höchstwert: Mehr als 11.300 Ausbildungsplätze in BW unbesetzt

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Immer mehr Ausbildungsplätze in Baden-Württemberg bleiben unbesetzt. Insbesondere der Handel, die Gastronomie und medizinische Hilfsberufe sind betroffen.

Zum aktuellen Lehrjahr sind in Baden-Württemberg mehr als 11.300 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben. "Das ist ein neuer, bedauerlicher Höchstwert", sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) am Montag bei einem Spitzengespräch zum Ausbildungsmarkt in Stuttgart. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 11,6 Prozent.

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Mangel besonders in Handel, Gastronomie und Medizin

Vor allem der Verkauf, die Hotels und Gaststätten und die medizinischen Hilfsberufe seien von der Lücke betroffen, sagte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Christian Rauch. Grundsätzlich gebe es aber keine Berufsgruppe ohne noch offene Stellen.

Die mangelnde Erreichbarkeit der jungen Leute durch die Corona-Einschränkungen habe sich mittlerweile als Erklärungsfaktor erledigt, sagte Rauch. Zuletzt seien mehr Beratungsgespräche geführt worden als 2019, und auch Praktika fänden wieder statt. "Da waren wir wieder an den jungen Menschen dran."

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Kaum Auszubildende aus der Ukraine

Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit ausländischer Staatsangehörigkeit sei in den vergangenen zwei Jahren eingebrochen - es habe also einen Sondereffekt durch die humanitäre Zuwanderung der vergangenen Jahre gegeben. Aus der Ukraine hingegen seien dieses Jahr lediglich 91 Auszubildende neu in die Statistik gekommen. Außerdem kämen aus den berufsbildenden Schulen immer weniger Bewerberinnen und Bewerber.

Lehrkräfte sollen über beide Bildungswege informieren können

Der Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT), Peter Haas, hält zur Stärkung der dualen Ausbildung mehr Berufsorientierung und umfassende Lehrerfortbildungen für notwendig. "Denn nur, wenn die Lehrkräfte gleichermaßen fundiert über beide Bildungswege - den beruflichen wie den akademischen - informieren, können sie den Jugendlichen auch das nötige Wissen vermitteln, um sich für einen beruflichen Weg entscheiden zu können", sagte Haas.

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Hoffmeister-Kraut will mehr Ausbildungsplätze besetzen

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) will gemeinsam mit einem Ausbildungsbündnis mehr junge Menschen in eine Ausbildung bringen. Dazu will Hoffmeister-Kraut die berufliche Orientierung verbessern. So soll zum Beispiel die Initiative "Ausbildungsbotschafter" fortgesetzt werden. Dafür stünde etwas mehr als eine Million Euro bereit, so die Ministerin. Im Rahmen der Initiative stellen Auszubildende ihre Berufe an Schulen vor. Außerdem sollen Lehrkräfte aller Schularten in Zukunft noch stärker für die berufliche Ausbildung werben.

Der SPD-Sprecher für Aus- und Weiterbildung, Stefan Fulst-Blei, kritisierte die Landesregierung scharf. Trotz einer sich massiv verschlechternden Situation habe sie versäumt, früher gegenzusteuern. Ein paar Ausbildungsbotschafter würden nicht reichen, um das Problem in den Griff zu kriegen, so Fulst-Blei.

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