Eine Packung Toastbrot, eine Packung Kartoffelsalat, ein Rahmjoghurt und viele andere ungeöffnete Lebensmittel liegen in einem grünen Müllsack. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Marius Becker/dpa | Marius Becker)

Bundesweite Aktion gegen Lebensmittelverschwendung

Handel: "Ganz wenig landet eigentlich in der Tonne"

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Sebastian Felser

Um auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen, läuft gerade die Aktionswoche "Deutschland rettet Lebensmittel". Aber wie groß ist das Problem? Der Handel relativiert.

Im Land beteiligt sich unter anderem der Handelsverband Baden-Württemberg an der Aktion "Lebensmittelretter - neue Helden braucht das Land", die sich ebenfalls der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung widmet. Sabine Hagmann ist Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg. Sie sagt, dass nur 1,5 Prozent der Lebensmittelverluste beim Einzelhandel anfielen. "Diese Lebensmittel werden bei uns zunächst mal nur abgeschrieben - also nicht verkauft", so Hagmann im SWR. "Mindestens ein Drittel davon geht an soziale Einrichtungen, also an die 'Tafeln', an 'Foodsaver' und so weiter, und von den anderen wird auch noch sehr viel verwertet."

Weiterverwertung in Form von Marmelade oder Tierfutter

Abgeschriebene Lebensmittel könnten Unternehmen etwa im Fall von Obst zu Marmelade weiterverarbeiten, erklärte die Handelsverbandsvertreterin. Bei Gemüse könnten auch Suppen daraus entstehen oder Tierfutter. "Also ganz wenig landet im Grunde wirklich in der Tonne - aber klar: Auch das ist zu viel und da versuchen wir wirklich, jeden Tag besser zu werden."

Leute wollen Vielfalt und Frische - das produziert Abfall

Ein Problem, wenn es darum geht auch diese Reste, die der Handel wegschmeißt, noch zu reduzieren, sind die Kundinnen und Kunden: "Wir haben natürlich auch Zielkonflikte", sagte Hagmann. "Der Verbraucher schätzt natürlich ein sehr großes und vielfältiges Angebot an frischen Lebensmitteln - so möchte er zum Beispiel bis abends noch frische Backwaren haben." Krummes, verwachsenes oder nicht ganz frisches Obst und Gemüse seien ebenfalls schwer verkäuflich.

"Die braune Banane oder auch nur die hellbraune Banane möchte niemand mehr kaufen."

Zielgenaues Einkaufen durch die Einzelhändler wäre eine Lösung - aber auch das sei schwierig, denn hier spiele selbst das Wetter eine Rolle, wie viel Kundschaft tatsächlich kommt und einkauft, sagte die Verbandschefin. "Manchmal ist die Wettervorhersage nicht richtig - dann bleiben wir auf Lebensmitteln sitzen."

Sabine Hagmann steht vor einem Bücherregal und lächelt in Richtung des Betrachters. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Nikolai Huland)
Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg picture alliance / dpa | Nikolai Huland

Plastikvermeidung gegen Haltbarkeit - ein Dilemma

Ein zusätzliches Problem für den Handel sei die Reduktion des Plastikmülls. Denn die Plastikverpackungen hatten das Potenzial, wiederum die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren: "Wir haben früher gerade frische Lebensmittel, wie Obst, in Plastik eingepackt. Das möchten wir auch nicht mehr, aber die Haltbarkeit der Lebensmittel leidet."

Bio-Kunden kaufen eher krummes Gemüse

Generell bevorzugten viele Verbraucherinnen und Verbraucher tadellos aussehendes, gerade gewachsenes Gemüse - mit einer Ausnahme: "Wir stellen fest, dass die Leute, die Bio kaufen, auch die krumme Möhre akzeptieren", erklärte Hagmann im SWR-Interview. Das habe manchmal vielleicht mit dem Aussehen, manchmal auch mit dem einfacheren Transport zu tun - es brauche jedenfalls ein besseres Image für solche Lebensmittel.

"Man kann der Möhre ja auch nicht befehlen, dass sie immer gerade wächst."

Wer selbst in Kontakt mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten komme, sei in dieser Hinsicht möglicherweise ebenfalls weniger wählerisch: "Wenn die Gurke sozusagen aus dem eigenen Garten kommt, dann macht man auch keinen so großen Unterschied." Es müsse gelingen, dass der Verbraucher ein Produkt nicht nach dem Aussehen, sondern anhand der Qualität beurteile, so Hagmann abschließend.

Baden-Württemberg

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