Coctail aus verschiedenen Tabletten, Pillen und Nahrungsergänzungen (Foto: Imago, Panthermedia)

Lebensmittelüberwachung legt Jahresbericht vor

Händler nutzten offenbar Corona-Ängste in BW aus

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Die Lebensmittelüberwachung Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr Onlinehändler mit Nahrungsergänzungsmitteln kontrolliert. Die sollten unter anderem vor Corona schützen.

Der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) hat am Mittwochmittag den Jahresbericht der Lebensmittelüberwachung für 2020 vorgestellt. Es habe im vergangenen Jahr "keine gravierenden Fälle gegeben, wo Gesundheit, Leib und Leben ernsthaft gefährdet worden wären", sagte Hauk. Bei den Kontrolleuren fielen aber zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel negativ auf.

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Pillen gegen Corona aus dem Netz?

Durch die Corona-Pandemie hat der Handel im Internet stark zugenommen. Deshalb haben die Kontrolleurinnen und Kontrolleure auch auf Lebensmittel geachtet, die im Internet angeboten werden. Besonders auffällig waren dabei Nahrungsergänzungsmittel, die sich offenbar die Angst der Bevölkerung vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zunutze machten. Sie wurden nämlich beworben als "wirksam gegen eine Corona-Erkrankung".

19 Produkte wurden beanstandet, die mit zweifelhaften Versprechungen und einer angeblichen Wirkung gegen Covid-19 angepriesen worden sind. Dafür verlinkten die Händlerinnen und Händler teilweise Informationen zum Coronavirus mit ihren Online-Shops oder nutzten Abbildungen, die zeigen, wie das Virus bekämpft wird. Hierbei handele sich um eine Täuschung der Verbraucher, sagte Verbraucherminister Hauk. Es seien zwar keine gesundheitsschädlichen Produkte aufgefallen, doch sie seien völlig untauglich und dafür würden die Menschen viel Geld bezahlen. Der CDU-Politiker riet dazu, sich nicht von übertriebenen Behauptungen zur Wirkung täuschen zu lassen.

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Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt, dass unseriöse Hersteller aus den Ängsten der Verbraucherinnen und Verbraucher in der Pandemie Profit schlagen wollten: "Wir beobachten da eine Zunahme. Das reicht von subtilen Botschaften wie 'Gut für Ihr Immunsystem'", sagte eine Sprecherin, bis zu 'So schützen Sie sich gegen das Coronavirus'." Auch sie wies darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht als Arzneimittel eingestuft würden. Deshalb sei es verboten, mit dem Schutz vor oder der Linderung von Krankheiten für sie zu werben.

Bei der Untersuchung von 135 Proben entdeckten die Experten in fast jedem fünften Nahrungsergänzungsmittel das krebserregende Pflanzenschutzmittel Ethylenoxid. 70 Prozent der beanstandeten Produkte wurden als nicht sichere Lebensmittel eingestuft.

Auch viele Olivenöle im Online-Handel beanstandet

Mit Beginn der Corona-Pandemie wurden auch Lebensmittel immer öfter im Internet angeboten. Für die Kontrolleurinnen und Kontrolleure ist das ein neues Phänomen, weil mitunter windige Anbieter versuchen, neue Geschäftsfelder zu erschließen. So haben zum Beispiel Anbieter vor der Pandemie mit Autoteilen gehandelt und verkaufen nun Lebensmittel im Internet. Oft mit Produkten, die nicht dem entsprechen, was draufsteht. So wurden 80 Prozent der kontrollierten Ölivenöle im Online-Handel wegen falscher Angaben beanstandet.

Weniger auffällig waren im vergangenen Jahr dagegen Missstände in der Gastronomie. Wegen des monatelangen Lockdowns gab es aber auch deutlich weniger Kontrollen. Dennoch wurden laut Lebensmittelüberwachung der Stadt Stuttgart bei Kontrollen bereits kurz nach der Wiedereröffnung unhygienische und unappetitliche Verhältnissen Zustände in einigen Gaststätten aufgedeckt.

Wegen Corona weniger Kontrollen

Aufgrund der Corona-Pandemie ist laut dem Verbraucherschutzministerium im vergangenen Jahr weniger kontrolliert worden als 2019. Die Quoten der Beanstandungen lägen auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. Minister Hauk wies darauf hin, dass die Behörden "risikoorientiert" vor allem dort prüften, wo sie Probleme erwarteten. Die tatsächliche Quote der Beanstandungen wäre niedriger, wenn repräsentativ alles kontrolliert würde.

Im vergangenen Jahr wurden dem Bericht zufolge fast 53.000 Betriebe in Baden-Württemberg kontrolliert. Dabei stellten die Prüferinnen und Prüfer in 17 Prozent der Betriebe Verstöße fest. Von 38.000 Proben an Lebensmitteln, kosmetischen Mitteln, Bedarfsgegenständen und Tabakerzeugnissen wurden zwar 19 Prozent beanstandet - aber nur 0,2 Prozent wegen Schädlichkeit für die Gesundheit.

Der Online-Handel soll auch im laufenden Jahr weiter genau kontrolliert werden. Verbraucherschutzminister Hauk kündigte weitere Testkäufe von Produkten aus dem Online-Handel an, um sie gegebenenfalls aus dem Verkehr ziehen zu können.

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