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Mehr als eine Woche lang hat das Kräftemessen angedauert - nun hat CSU-Chef Söder seine Bewerbung als Unions-Kanzlerkandidat zurückgezogen und den Weg für CDU-Chef Laschet frei gemacht. Die Reaktionen darauf fallen gemischt aus.

CSU-Chef Markus Söder hat seine Bewerbung für die Kanzlerkandidatur der Union zurückgezogen. Er akzeptiere das Votum der großen Schwesterpartei CDU für Armin Laschet als Spitzenkandidat. "Die Würfel sind gefallen", sagte Söder in der CSU-Zentrale in München und versicherte: "Wir werden ihn ohne Groll mit voller Kraft unterstützen." Er habe Laschet angerufen und zur Kanzlerkandidatur gratuliert. CSU-Generalsekretär Markus Blume ließ es sich anschließend nicht nehmen und stellte noch einmal fest, dass Söder wegen der Umfragewerte der bessere Kandidat gewesen wäre. "Markus Söder war erkennbar der Kandidat der Herzen", sagte Blume. Aber in der Demokratie, gerade in der innerparteilichen Demokratie, entschieden Mehrheiten.

Gemischte Reaktionen aus dem Land

Ob mit Söders Rückzug nun auch die kontroverse Debatte um die Kanzlerkandidatur in der Union gänzlich beendet ist, bleibt abzuwarten. An den Reaktionen von CDU-Politikern aus Baden-Württemberg zeigt sich, dass Laschet für viele nicht der Wunschkandidat war. So hatte beispielsweise der CDU-Abgeordnete des Wahlkreises Backnang-Schwäbisch Gmünd, Norbert Barthle, aus seiner Sympathie für Markus Söder keinen Hehl gemacht. Das Ergebnis sei anders ausgefallen, als er sich das gewünscht habe, sagte er dem SWR. Doch er wolle die Entscheidung akzeptieren.

CDU-Politiker Stefan Kaufmann zollte Söder via Twitter Respekt für dessen Entscheidung zum Rückzug. Die Schwesterparteien hätten in den vergangenen Tagen demokratisch und durchsichtig diskutiert, schrieb Kaufmann. "Jetzt gilt es, mit Armin Laschet und einem mutigen Regierungsprogramm in den Wahlkampf zu ziehen", so der CDU-Abgeordnete für den Wahlkreis Stuttgart-Süd.

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Kritik an Ablauf des Union-Machtkampfs

Auch CDU-Mann Mark Biadacz, der den Wahlkreis Böblingen im Bundestag vertritt und sich zuvor für Söder ausgesprochen hatte, gratulierte Laschet in einem Pressestatement. Die Union habe mit Laschet und Söder "zwei hervorragende Kandidaten zur Auswahl" gehabt. "Auch wenn ich mich für Markus Söder eingesetzt habe, stehe ich voll hinter der jetzt getroffenen Entscheidung für Armin Laschet", schrieb Biadacz.

Gleichwohl kritisierte er den Verlauf des Machtkampfs um die Kanzlerkandidatur. Das sei sicherlich kein guter Start für den Bundestagswahlkampf gewesen, so Biadacz. Für die Zukunft sei wichtig, ein ordentliches Verfahren aufzusetzen - auch für andere Spitzenpositionen in der Union. Ähnlich äußerte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel aus Esslingen. Auch er hatte sich im Kampf um die Kandidatur für CSU-Chef Söder ausgesprochen. In der Zukunft müsse die Basis besser eingebunden werden, erklärte er. Auch Baden-Württembergs ehemaliger Ministerpräsident und Ex-EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) hat die Spitze beider Unionsparteien für die Querelen bei der Kanzlerkandidatenkür kritisiert. Beide Parteiführungen hätten es versäumt, Regeln für die Bestimmung des Kandidaten festzulegen. "Wir hatten in den letzten Tagen zwar ein gemeinsames Spielfeld, aber es war so, als wollten die einen Fußball und die anderen Handball spielen", sagte Oettinger der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". "Das war ein Versagen beider Parteiführungen." Die Entscheidung für CDU-Parteichef Armin Laschet nannte Oettinger "sehr wohl vertretbar". Man müsse nun den Blick nach vorn richten und sich geschlossen hinter Laschet stellen.

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Mitbewerberinnen um Kanzlerkandidatur gratulieren

"Jetzt scheint es ja entschieden", twitterte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und gratulierte Laschet dabei zur Nominierung zum Kanzlerkandidaten. "Ich freue mich auf eine sachliche Debatte über Inhalte und den Wettstreit um die besten Ideen für unser Land", schrieb er an die Adresse seines neuen Mitbewerbers um die Kanzlerschaft, Armin Laschet.

Auch die frisch gekürte Spitzenkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, gratulierte Laschet mit einem Tweet zur Kanzlerkandidatur. "Ich setze auf einen fairen Wahlkampf um die Führung dieses Landes."

Annalena Baerbock gratuliert Armin Laschet zur Kanzlerkandidatur

"Karnevalsprinz Laschet aus Aachen"

Weniger versöhnlich klingt das Resümee der SPD-Abgeordneten für Ulm/Alb-Donau, Hilde Mattheis. "Söder hat ‘ne Riesenshow abgezogen, so dass sich die meisten CDUler den König aus Bayern gewünscht haben, am Ende hat’s dann aber doch nur für den Karnevalsprinzen Laschet aus Aachen gereicht", schrieb Mattheis auf Twitter. Und auch Bernd Riexinger, Ex-Parteivorsitzender der Linken und Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Stuttgart, äußerte sich per Tweet zum neuen CDU-Spitzenkandidaten. Laschet wolle das Modell Merkel weiterführen. "Das reicht schon lange nicht mehr und deshalb werden wir für einen echten Politikwechsel kämpfen", so der Linken-Politiker.

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