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Rund 50.000 Menschen sind derzeit in Baden-Württemberg als Langzeitarbeitslose erfasst. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) will sie wieder fit für den Arbeitsmarkt machen.

Für die Neuauflage des 2016 gestarteten Landesarbeitsmarktprogramms "Neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt" will die Regierung mehr als drei Millionen Euro pro Jahr bereitstellen. Entsprechende Pläne hat Hoffmeister-Kraut am Montag in Stuttgart vorgestellt.

Besonders im Fokus der Wirtschaftsministerin: alleinerziehende Frauen und über 50-Jährige; sie sind von Langzeitarbeitslosigkeit besonders häufig betroffen. Diese Menschen dürfe man nicht allein lassen, der Weg aus der Langzeitarbeitslosigkeit sei besonders schwer, so die Ministerin.

Details zu allen Förderschwerpunkten gibt es unter: https://t.co/9vK3HihwTf 5/5

Im neu aufgelegten Programm werden weiterhin sogenannte Arbeitslosenberatungszentren gefördert. Sie sollen als Anlaufstelle für Langzeitarbeitslose und als Alternative zum Jobcenter dienen. Ebenfalls stärker unterstützt werden soll die Ausbildung in Teilzeit.

Argwohn gegenüber Behörden vorbeugen

Familien, die besonders von Armut betroffen sind, sollen einen einfacheren Zugang zu Kinderbetreuung und Jobmöglichkeiten bekommen. "Wir sehen, dass Armut häufig vererbt wird. Und das wollen wir durchbrechen", so Hoffmeister-Kraut. Es sollen Projekte gefördert werden, die betroffene Familien niedrigschwellig ansprechen und beraten. Denn Betroffene können sich laut der Geschäftsführerin des Mannheimer Arbeitsförderungsbetriebs Biotopia, Sabine Neuber, wegen der Abhängigkeit von Jobcenter und Jugendamt fremdbestimmt fühlen. Es entstehe auch Trotz und Argwohn gegenüber Behörden. Das Projekt "Beschäftigungsförderung und Jugendhilfe gemeinsam anpacken" im Rahmen des Programms wird auf insgesamt 22 Standorte ausgeweitet.

Kritik aus der Opposition

Kritik am Landesarbeitsmarktprogramm der grün-schwarzen Landesregierung kommt aus der SPD: Es reiche viel zu kurz, um den Wandel auf dem Arbeitsmarkt politisch zu gestalten, so der Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch.

Anteil der Langzeitarbeitslosen im Bundesvergleich gering

Als langzeitarbeitslos gilt, wer bereits zwölf Monate oder länger als arbeitslos gemeldet ist. In Baden-Württemberg lag die Quote der Langzeitarbeitslosen an den insgesamt arbeitslos gemeldeten Personen im Dezember 2019 bei 24,5 Prozent - nur in Bayern war die Quote noch geringer. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Quote für Baden-Württemberg um 2,7 Prozent. Für ganz Deutschland liegt sie laut den offiziellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bei 31,3 Prozent.

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