Keine Ausschreitungen am Schlossplatz

Nacht in Stuttgart verläuft friedlich - Park in Tübingen geräumt

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Um weitere Ausschreitungen zu verhindern, sperrte die Polizei am Mittwochabend erstmals die Freitreppe am Stuttgarter Schlossplatz. In Tübingen räumte die Polizei den Alten Botanischen Garten.

Ab 20 Uhr räumte die Polizei am Mittwochabend die Freitreppe am Stuttgarter Schlossplatz. Absperrgitter mit Sichtschutz wurden aufgebaut. Ein Krisen- und Konfliktteam der Polizei sprach mit anwesenden Personen. Nach Angaben der Polizei sprachen die Beamten bis in die Nacht rund 250 Personen im Rahmen von Informationsgesprächen an.

Bauzäune sperren Treppe (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)
Abgesperrt mit Bauzäunen ist die Freitreppe am Stuttgarter Schlossplatz. picture alliance/dpa | Christoph Schmidt

Polizei spricht von friedlicher Nacht

Am frühen Morgen zog die Polizei eine positive Bilanz: "Insgesamt kann die erste Nacht mit und rund um die gesperrte Freitreppe als ruhig und geordnet, als friedlich und entspannt bezeichnet werden", heißt es in einer Mitteilung.

"Die Situation ist recht entspannt", so berichtete SWR Aktuell Reporterin Bernice Tshimanga gegen 22 Uhr. "Auch die Reaktion der jungen Menschen hier ist so, dass viele Verständnis haben. Manche sind etwas entsetzt, dass es so weit kommen muss, dass man diese Maßnahmen ergreifen muss", so die Reporterin. Nur eine Person weigerte sich wohl, den Bereich zu verlassen.

Thomas Strobl (l, CDU), Innenminister von Baden-Württemberg, besucht zusammen mit Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz (2.v.r, Bündnis 90Die Grünen) Polizeibeamte auf dem Schlossplatz.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)
Innenminister Strobl (CDU) und Finanzminister Bayaz (Grüne) besuchten am Mittwochabend den Schlossplatz. picture alliance/dpa | Christoph Schmidt

Innenminister Strobl und Minister Bayaz vor Ort

Innenminister Thomas Strobl (CDU) und Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) kamen am Abend zur Freitreppe. Strobl sprach dem SWR gegenüber von einer fröhlichen und friedlichen Stimmung. Angesprochen auf die Forderungen, die aktuell geltende Sperrstunde der Gastronomie aufzuheben, um die Situation in Stuttgart zu entschärfen, antwortete er: "Natürlich werden wir schnell prüfen müssen, ob wir die Gastronomie wieder länger auflassen. Das ist mit zurückgehenden Inzidenzzahlen und vor allem mit mehr geimpften Menschen ja selbstverständlich."

Videoüberwachung des Schlossplatzes im Gespräch

Strobl sprach sich dafür aus, die Videoüberwachung auf dem Schlossplatz auszuweiten. "Wir müssen schauen, ob wir das mit der Stadt Stuttgart nachschärfen können", sagte der CDU-Politiker. Stuttgarts Ordnungsbürgermeister Clemens Maier (Freie Wähler) zeigte sich gesprächsbereit, will Videoüberwachung aber eher punktuell einsetzen.

Auseinandersetzung am Schillerplatz

Wie schnell sich in der Nacht jedoch Solidarisierungs- bzw. Neugiereffekte ergeben und aufschaukeln können, zeigte laut Polizei ein Vorkommnis am Schillerplatz, unweit des Schlossplatzes. Die Festnahme eines mutmaßlichen Gewalttäters in der Nähe sorgte kurzzeitig für Aufregung. Als daran beteiligte Beamte den Sachverhalt am Schillerplatz genauer klären wollten, wurden sie von rund 40 jungen Männern umstellt und beobachtet. Hintergrund war laut Polizei eine Auseinandersetzung mit Schlägen zwischen bis zu sieben jungen Männern wegen einer Wodkaflasche. Allerdings blieb es friedlich - was die Polizei auch damit begründet, dass sie wegen der Vorbereitungen zur Freitreppen-Sperrung mit einer Einsatzhundertschaft vor Ort war.

Polizei räumt Botanischen Garten in Tübingen

Wegen Verstößen gegen die Abstandsregeln und Ruhestörungen hat die Polizei in der Nacht auf Donnerstag den Alten Botanischen Garten in Tübingen geräumt. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Reutlingen hielten sich zeitweise bis zu 600 Feiernde dort auf. Bei der Räumung um ein Uhr morgens seien die Beamten beleidigt worden sowie eine Flasche auf die Einsatzkräfte geworfen worden. Zudem habe es körperliche Auseinandersetzungen unter den Feiernden gegeben. Seit Mittwochabend gilt in der Tübinger Innenstadt ein nächtliches Alkoholverbot, nachdem es dort vergangenes Wochenende Verstöße gegen die Corona-Verordnung gab. Der Alte Botanische Garten ist von dieser Regelung ausgenommen.

Konfrontation mit der Polizei in Ulm

Betrunkene und aggressive Jugendliche haben in der Nacht zu Fronleichnam die Polizei in Ulm beschäftigt. Ein Jugendlicher wurde mit einem Messer bedroht. Ein Streifenwagen mit einer Flasche beworfen. Auf der Stadtmauer, der Donauwiese und auf den Fuß- und Radwegen hinterließen die Feiernden jede Menge Müll. Männer der Stadtreinigung waren an Fronleichnam-Morgen im Einsatz, um den schlimmsten Dreck zu beseitigen.

Ausschreitungen am vergangenen Wochenende

Vergangenen Samstag hatte es in Stuttgart Auseinandersetzungen zwischen jungen Menschen und Polizeibeamten gegeben, als Polizisten Feiernde wegen des geltenden Alkoholverbots und der Corona-Regeln ansprachen. Flaschen flogen in Richtung der Einsatzkräfte. Polizisten wurden nach eigenen Angaben massiv beleidigt und es kam zu Auseinandersetzungen. Fünf Polizisten seien verletzt worden, hieß es.

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Sperrung am Wochenende und vor Feiertagen

Samstagabends, Sonntagabends und an Abenden vor Feiertagen wird nun die Freitreppe gesperrt, jeweils von 20 Uhr bis 6 Uhr des Folgetages. Zusätzlich setzt die Stadt auf verstärkte Jugendarbeit, um eine Eskalation zu verhindern. Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) sieht in der Treppe einen Ausgangspunkt für Randale, "weil sie einen regelrechten Bühnen- und Arenencharakter hat." Im SWR sagte er: "Diejenigen, die sich auf Kosten der Polizei produzieren wollten, haben sich vor diese Bühne gestellt und sind stimuliert worden von denen auf der Treppe sitzenden Menschen."

Stadt prüft weitere Angebote, um Konflikte zu vermeiden

Es werde zudem geprüft, ob ab der kommenden Woche sportliche Angebote gemacht werden können: "nach dem Muster Sport um Mitternacht", so Nopper.

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