Ein Landwirt fährt bei der Getreideernte mit seinem Mähdrescher über ein Haferfeld. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Enttäuschung nach guten Aussaatbedingungen

Unwetter, Hagel, Frost: Landwirte in Baden-Württemberg rechnen mit schlechter Ernte

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Der Sommer war bislang nicht nur für viele Urlauber ein Reinfall, sondern auch für die Landwirte in Baden-Württemberg. Die Erwartungen waren groß, die Enttäuschung ist umso größer.

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Die Landwirte in Baden-Württemberg stellen sich auf eine unterdurchschnittliche Getreideernte ein. Die Erträge seien eher enttäuschend, sagte Landesbauernpräsident Joachim Rukwied bei der Vorstellung der ersten Erntebilanz.

Die Erwartungen der Landwirte - nach guten Aussaatbedingungen und ausreichenden Niederschlägen - seien nicht erfüllt worden, so Rukwied. Ende Juni hätten die Bestände noch gut ausgesehen, damals seien die Landwirte von einer überdurchschnittlichen Ernte ausgegangen, sagte eine Sprecherin des Landesbauernverbands. Es habe ordentlich geregnet, die gefürchtete Trockenheit des Vorsommers sei ausgeblieben.

Ernterückgänge um bis zu 14 Prozent

Der Eindruck der ersten enttäuschenden Ernteergebnisse habe sich allerdings bestätigt. Starkregen und Hagel hätten zudem in einzelnen Regionen zu schweren Schäden geführt, mehrere Landwirte hätten Totalausfall gemeldet.

"Die Getreideernte ist zur Zitterpartie geworden"

Heftige Wetterumschwünge führten zudem immer wieder dazu, dass die Ernte unterbrochen werden musste. "Die Getreideernte ist zur Zitterpartie geworden, in einigen Regionen Baden-Württembergs sind die Landwirte daher noch mittendrin", sagte Rukwied. Je nach Getreideart seien Ernterückgänge um 7 bis 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Bei der Wintergerste gab es dagegen ein Plus von 20 Prozent.

Gute Aussichten bei Hopfen- und Sojabauern

Zuversicht herrscht hingegen bei den Hopfenbauern rund um Tettnang. Die wenigen Hitzetage und der überdurchschnittlich viele Regen hätte laut dem Hopfenpflanzenverband den Pflanzen gutgetan. Gute Aussichten gibt es auch für die Soja-Ernte im Anbaugebiet in Eppingen.

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Weniger gut erging es in diesem Jahr den Öko-Landwirten. "Die Vorernteschätzungen waren aufgrund des ausreichenden Niederschlags überdurchschnittlich", sagte Rukwied. Die Qualitäten hätten im Hafer auch überzeugen können, im Weizen seien sie durchwachsen, Pilzkrankheiten und Mutterkorn stellenweise problematisch. "Große Probleme gibt es im Kartoffel- und Weinanbau aufgrund von Pilzkrankheiten", teilte der Verband mit.

Frost lässt Ernte von Obstbauern einbrechen

Da die Ernteerträge weltweit zurückgegangen sind, steigen zwar die Getreidepreise, bei den Landwirten kommt davon aber nicht viel an - weil Verträge zum Teil langfristig laufen und weil ihre Betriebskosten steigen, vor allem wegen höherer Energiepreise. Dass durch steigende Getreidepreise das Brot teurer wird, sei jedoch nicht zu erwarten, so Rukwied. Der Getreidepreis habe am Endpreis nur einen sehr geringen Anteil. "Beim Brötchen macht der Weizenpreis beispielsweise nur einen Cent aus."

Zuvor hatten auch Oberbauernverbände eine durchwachsene Bilanz gezogen. Wegen der starken Blütenfröste ist unter anderem die Ernte der Zwetschgenbauern eingebrochen. Bei den Äpfeln wird mit einer leicht geringeren Ernte als im vergangenen Jahr gerechnet, es wird aber immer noch ein Wert im Bereich des Durchschnitts der vergangenen Jahre sein. Zuvor hatten bereits die Erdbeeranbauer schlechte Zahlen für dieses Jahr vorhergesagt. Bei einigen von ihnen sei die gesamte Ernte vernichtet worden, hatte der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer in Bruchsal zum Ende der Erdbeersaison mitgeteilt.

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