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Die Freude über die Lockerung der "Notbremse" nach Ostern könnte in vier Landkreisen nur von kurzer Dauer gewesen sein. Wenn die Entwicklung der Inzidenzen anhält, könnte es auch weiteren Kreisen so ergehen.

Weil die Inzidenzen wieder steigen, müssen mehrere baden-württembergische Landkreise Lockerungen wieder zurücknehmen, die sie erst kurz nach Ostern eingeführt hatten. Im Landkreis Emmendingen, Waldshut, dem Enzkreis und Bodenseekreis waren die Sieben-Tage-Inzidenzen pro 100.000 Einwohner über Ostern so stark zurückgegangen, dass die Kreise in der Woche danach die Corona-"Notbremse" gelockert hatten. Den Anfang machte am Mittwoch der Bodenseekreis, wo das Einkaufen nach dem Prinzip "Click & Meet" wieder möglich war. Auch bestimmte Kulturangebote waren wieder möglich, Ausflugsziele durften öffnen.

Doch nun hat der Kreis bekannt gegeben, dass die Lockerungen ab Dienstag (13.4.) wieder zurückgenommen werden müssen. Grund dafür ist, dass die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen wieder über 100 lag. Gemäß der Corona-Verordnung des Landes müssen die Landkreise in diesem Fall wieder die "Notbremse" anwenden.

Robert-Koch-Institut warnte vor Oster-Einfluss auf die Zahlen

Eine solche Entwicklung war bereits abzusehen gewesen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte auf seiner Website gewarnt, dass die sinkenden Zahlen auch durch weniger Tests und weniger Arztbesuche am Osterwochenende zustande gekommen sein könnten. Auch könne es sein, dass nicht alle Gesundheitsämter und Landesbehörden ihre Fallzahlen übermittelt hätten. Und auch das Landratsamt des Bodenseekreises hatte schon zuvor in Aussicht gestellt, dass die "Notbremse" nach der Lockerung schnell wieder in Kraft treten könnte.

Ebenso wie im Bodenseekreis läuft es auch im Kreis Waldshut. Hier ist die "Notbremse" am Donnerstag außer Vollzug gesetzt worden. Da die Inzidenz daraufhin aber wieder an drei Tagen in Folge über 100 lag, verkündete das Landratsamt dann am Samstag, dass die Maßnahme ab Dienstag (13.4.) wieder gelten werde.

"Ich bedaure sehr das Hin und Her zwischen Lockerungen und Verschärfungen. Aber die auf ein hohes Niveau angestiegene Inzidenz in den letzten drei Tagen lässt uns als Landratsamt leider keine Spielräume", erklärte der Landrat des Kreises Waldshut, Martin Kistler.

Tritt Corona-"Notbremse" auch in anderen Kreisen erneut in Kraft?

So wie dem Bodenseekreis und dem Kreis Waldshut könnte es jetzt auch anderen Landkreisen ergehen, die kurz nach Ostern die "Notbremse" gelockert haben. Ein Blick auf den Trend im Enzkreis - wo erst am Freitag gelockert wurde -, zeigt, dass die Sieben-Tage-Inzidenz dort im Laufe der vergangenen Tage wieder stetig auf die 100er-Marke zusteuerte - und den Wert schließlich am Samstag mit 120,3 wieder überschritt. Das geht aus den Zahlen des Landesgesundheitsamts hervor.

Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich im Kreis Emmendingen ab, wo die Lockerung der "Notbremse" am Freitag verkündet wurde. Doch die Zahlen entwickeln sich in eine klare Richtung: Am Mittwoch lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Emmendingen laut Landesgesundheitsamt bei 77,5, am Donnerstag dann bei 88,3, am Freitag bei 87,1 und am Samstag bei 93,1. Auch Pforzheim muss jetzt die Corona-"Notbremse" ziehen. Die Stadt hatte nach den aktuellen Zahlen des Landesgesundheitsamts am Sonntag drei Tage in Folge den Sieben-Tage-Inzidenzwert von 100 überschritten.

Nächtliche Ausgangssperren in den Kreisen Heilbronn und Heidenheim

Ähnlich sieht es im Landkreis Heilbronn aus: Dort gilt zur Eindämmung der weiter steigenden Infektionszahlen ab Dienstag eine nächtliche Ausgangssperre. Laut einer Mitteilung des Landratsamts vom Sonntag darf ab Dienstag, 0 Uhr, die eigene Wohnung zwischen 21 und 5 Uhr ohne triftigen Grund nicht mehr verlassen werden. Im Kreis Heidenheim gilt seit Montag eine Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr. Das Landratsamt des Kreises begründet die Regelung mit der seit Tagen rasant steigenden Zahl der Neuinfektionen: Innerhalb von fünf Tagen habe sich der Inzidenzwert auf 232 verdoppelt. Im Kreis Göppingen ist ab Mittwoch eine Ausgangssperre angesetzt. Wer dann nachts auf die Straße will, braucht einen triftigen Grund - wie etwa arbeiten gehen oder einen medizinischen Notfall.

Auch im Ulmer Stadtgebiet wird eine Ausgangssperre wahrscheinlich. Nachdem die Corona-Zahlen am Wochenende gestiegen sind und die Sieben-Tage-Inzidenz über 150 liegt, müsse das Gesundheitsamt reagieren, so ein Sprecher. Wenn das Amt die Zahl offiziell bestätige, dann gelte die Ausgangsbeschränkung ab Dienstagnacht um 0 Uhr, hieß es.

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