Auf einem Schild steht: "Lärm macht krank. Motorräder raus aus dem Lautertal" (Foto: Imago, imago images / Arnulf Hettrich)

Anwohnerproteste gegen Biker Wie Baden-Württemberg gegen Motorradlärm vorgeht

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Verkehrslärm macht krank und Motorräder machen besonders viel Krach. Deshalb tourt der Lärmschutzbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung gerade durch das Land.

Der Handlungsspielraum von Thomas Marwein ist jedoch begrenzt. "Leider gibt es keine Grenzwerte, so wie man es allgemein vermutet", sagte der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung im SWR. Es würden lediglich sogenannte Auslösewerte gelten. "Die sind definiert. Das sind 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel in der Nacht."

Lautstärke von mehr als 100 Dezibel bei Motorrädern

Motorräder überschreiten oft diese Grenzwerte. Messungen des BUND haben ergeben, dass Lautstärken von 100 Dezibel und mehr erreicht würden. Deshalb ist die Toleranzgrenze bei Anwohnern in Ausflugsgebieten wie dem Lautertal auf der Schwäbischen Alb schon lange ausgereizt. Sybille Hölz, Ortsvorsteherin aus Münsingen-Buttenhausen hat deshalb einen regelrechten Hass auf Motorradfahrer entwickelt.

Die Abneigung gegen Biker kann Thomas Marwein gut nachvollziehen: "Eigentlich ist es in ganz Baden-Württemberg schlimm mit dem Motorradlärm." Die schönen Strecken im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb würden die Biker zum Fahren einfach einladen. Deshalb gebe es keinen Ort, wo Motorradlärm kein Problem sei.

Wenn Anwohner über eine zu hohe Lärmbelästigung klagen würden, seien die Kommunen gefordert. Zunächst müsse ein Lärmaktionsplan erstellt werden, in den man bestimmte Maßnahmen zum Schutz vor zu viel Krach hineinschreiben könne. Dazu gehöre zum Beispiel die Einrichtung von Tempo-30-Zonen oder das Verbauen von lärmarmen Belägen auf den betroffenen Straßen.

Verbesserungen beim Lärmschutz: Bund ist gefordert

Die grün-schwarze Landesregierung nehme die Belastung der Bevölkerung durch Lärm sehr ernst, ergänzte Marwein: "In Baden-Württemberg gibt es bundesweit die meisten Tempo 30-Strecken aus Lärmschutzgründen und die größten Längen an verbautem lärmarmen Asphalt."

Langfristig könne von Lärm geplagten Anwohnern aber nur geholfen werden, wenn nicht mehr der über den ganzen Tag ermittelte Mittelwert relevant sei. Stattdessen müssten Aufwachwerte durch Lärm in der Nacht und Lärmspitzen festgelegt werden. "Leider haben die Länder darauf keinen Einfluss", sagte der baden-württembergische Lärmschutzbeauftragte. Denn es handele sich um Bundesgesetze. "Wir müssen gegenüber dem Bund fachlich gut argumentieren und sagen: Es gibt besseres für die Bevölkerung."

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