Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuz impfen Schüler in einem Pilotprojekt mit dem Vakzin von Biontech gegen das Coronavirus. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Helmut Fricke - Montage: SWR)

Kampf gegen Coronavirus

Landesschülerbeirat BW fordert sofortiges Impfangebot für 12- bis 17-Jährige

STAND

Die Gesundheitsminister und -ministerinnen beraten über Corona-Impfungen für Jugendliche. Der Landeschülerbeirat Baden-Württemberg spricht sich klar dafür aus - am besten sofort.

SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler hat mit Elisabeth Schilli, Sprecherin vom Landeschülerbeirat Baden-Württemberg, über ein Impfangebot für 12- bis 17-Jährige gesprochen.

Bernhard Seiler, SWR Aktuell: Bei den unter 18-Jährigen liegt die Impfquote nach aktuellem Stand etwa bei 20 Prozent. Wie hoch ist nach Ihrer Einschätzung die Impfbereitschaft bei den Jugendlichen?

Elisabeth Schilli: Ich glaube, die Impfbereitschaft wäre deutlich höher, da es ganz viele Jugendliche gibt, denen die Sicherheit wichtiger ist und die definitiv bereit wären, sich impfen zu lassen.

Nun schlägt das Bundesgesundheitsministerium vor, dass alle von 12 bis 17 in allen Bundesländern ein Impfangebot bekommen sollen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Das finde ich sehr gut. Ich finde es wichtig, dass das Impfangebot jetzt für alle gemacht wird. Am besten wäre es, wenn die 12- bis 17-Jährigen die erste Impfdosis jetzt gleich zu Beginn der Sommerferien bekommen würden. Damit würden wir es schaffen, einen sicheren Schulstart zu haben, dass der Regelbetrieb im nächsten Schuljahr garantiert wäre. Das ist ein Beitrag zur Bekämpfung von Corona. Es ist eine Maßnahme, die die Schulöffnung garantieren könnte oder auf jeden Fall wahrscheinlicher macht und damit auch den Regelbetrieb sichert. Deshalb ist die für uns sehr wichtig, dass zumindest das Angebot gemacht wird. Wer es am Ende wahrnimmt, wird man sehen. Man kann ja später die Zahlen erheben.

Sie gehen also davon aus, dass die Corona-Impfquote automatisch deutlich steigen wird, wenn die Angebote gemacht werden. Man braucht dann also gar nicht mehr viel zusätzliche Aufklärung?

Ich glaube, dass die Impfbereitschaft generell sehr hoch ist. Was wir an Rückmeldungen bekommen haben aus der Schülerschaft, was man vielleicht auch aus dem eigenen Umfeld hört, da würde ich sagen, dass sich viele auf jeden Fall noch einmal impfen lassen würden. Außerdem möchten wir die Herdenimmunität erreichen. Da sich nicht genügend Erwachsene haben impfen lassen, halte ich es für wichtig, dass die Jugendlichen mitziehen. Dadurch kann man den Gesamt-Prozentsatz in der Bevölkerung erhöhen.

Corona-Pandemie: Wettlauf gegen die Zeit Impfziel nicht mehr erreichbar

Die medizinisch wünschenswerten Impfquoten sind bis zum Herbstbeginn kaum zu erreichen. Eine SWR-Datenanalyse zeigt, dass sich bis zu fünf Mal mehr Menschen impfen lassen müssten.  mehr...

Wie sehr könnte eine steigende Impfquote bei den 12- bis 17-Jährigen die Corona-Situation an den Schulen entschärfen?

Ich hoffe, dass der verbindliche Regelunterricht und der Präsenzunterricht garantiert werden. Ab einer gewissen Inzidenz befürchtet man, dass wieder Wechselunterricht stattfinden muss. Außerdem gibt es nach wie vor die Meinung, Schulen sind Pandemietreiber, was schon widerlegt wurde. Ich hoffe, dass man mit den Impfungen der 12- bis 17-Jährigen dem entgegenwirkt und verhindert, dass sich die Delta-Variante bei den Jugendlichen extrem ausbreitet und es dadurch in der Gesamtbevölkerung zu steigenden Zahlen kommt. Man hat ja gesehen, dass mehr Impfungen geholfen haben, die Zahl der Corona-Neuinfektionen zu senken. Deshalb finde ich es sinnvoll, dass auch die Jungen geimpft werden.

Können Sie in dem Zusammenhang die Position der Ständigen Impfkommission (Stiko) nachvollziehen, die Corona-Impfungen nicht generell für Menschen unter 18 empfiehlt, aber auch nicht explizit davon abrät?

Das kann ich nicht zu 100 Prozent nachvollziehen. Natürlich trägt man als Stiko immer eine Verantwortung, wenn man etwas empfiehlt. Auf der anderen Seite ist der Prozentsatz an Impfschäden sehr gering. Und wenn man überlegt, wie viele Menschen man retten kann, überwiegt auf jeden Fall der Schutzfaktor. Deshalb würde ich mir wünschen, dass man auch die Impfangebote für Jugendliche macht.

Diskussion um Impfungen ab 12 Jahren Corona-Impfung: Wann Kinder und Jugendliche selbst entscheiden dürfen

Auch wenn die Ständige Impfkommission das bislang nur für bestimmte Risikogruppen empfiehlt: Kinder und Jugendliche können sich impfen lassen - auch ohne Einwilligung der Eltern.  mehr...

Jugendliche selbst haben zwar deutlich weniger gesundheitliche Schäden zu befürchten. Auf der anderen Seite sind auch Jugendliche sehr betroffen, wenn zum Beispiel Freizeitangebote wieder wegfallen, wenn der soziale Faktor wegfällt, wenn man in den Schulen nichts mehr machen kann. Deshalb sind Jugendliche nicht direkt gesundheitlich durch die Corona-Situation gefährdet, aber am Ende vielleicht durch Maßnahmen, die dann wieder getroffen werden müssen. Deshalb finde ich es wichtig, dass man beide Faktoren zusammennimmt. Deshalb fände ich es wichtig, dass Jugendliche ein Impfangebot gegen das Coronavirus erhalten würden.

Mehr zum Thema

Baden-Württemberg

Beschluss der Gesundheitsminister Corona-Drittimpfungen und Angebot für Minderjährige kommen

Die Entscheidung der Gesundheitsminister war einmütig: Die Auffrischimpfungen starten und auch 12- bis 17-Jährige bekommen ein Impfangebot. BW-Minister Lucha zeigte sich zufrieden.  mehr...

Wolpertshausen

Aktion im Impfzentrum des Landkreises Schwäbisch Hall Rund 200 Kinder und Jugendliche in Wolpertshausen geimpft

Bei einer Impfaktion sind am Wochenende im Kreisimpfzentrum Wolpertshausen (Kreis Schwäbisch Hall) rund 200 Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren geimpft worden.  mehr...

Baden-Württemberg

Folge 19 Schwierige Entscheidung: Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen?

Kinder & Jugendliche gegen Corona impfen? Professor Ralf Rauch ist Chefarzt am Rems-Murr-Klinikum Winnenden und hat eine Impfaktion mit 12- bis 17-Jährigen durchgeführt.  mehr...

Covid-19-Impfung Fakten zur Corona-Impfung für Kinder

In Deutschland empfiehlt die Stiko die Impfung von Kindern ab 12 Jahren nur für jene mit Vorerkrankungen. In anderen Ländern, wie den USA und Israel, wird die Impfung bereits für alle Kinder ab 12 empfohlen.  mehr...

Baden-Württemberg

Corona in Baden-Württemberg Patientenschützer kritisieren mangelnde Planung vor dritter Corona-Impfung

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Lucha will die dritte Corona-Impfung ab September. Patientenschützer fordern derweil, bei den Planungen nicht auf die Stiko zu warten.  mehr...

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: Hospitalisierungs- und Inzidenzwerte sinken

Das Coronavirus beeinflusst den Alltag der Menschen im Land. Im Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

Diskussion um Impfungen ab 12 Jahren Corona-Impfung: Wann Kinder und Jugendliche selbst entscheiden dürfen

Auch wenn die Ständige Impfkommission das bislang nur für bestimmte Risikogruppen empfiehlt: Kinder und Jugendliche können sich impfen lassen - auch ohne Einwilligung der Eltern.  mehr...

STAND
AUTOR/IN