Eine Frau bekommt im Impfbus eines mobilen Teams eine Corona-Schutzimpfung. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Philipp Schulze)

Intensivstationen an Belastungsgrenze

155 Corona-Impfteams: Baden-Württemberg weitet Angebot aus

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Intensivstationen sind ausgelastet. Die BW-Regierung erwägt, Patienten in andere Länder zu verlegen, sollte der Trend anhalten. Nun sollen die Corona-Impfteams aufgestockt werden.

Angesichts der zunehmenden Belastungen auf den Intensivstationen und der bevorstehenden "Alarmstufe" hat die baden-württembergische Landesregierung eine "Impfoffensive" angekündigt. So sollen künftig rund 155 mobile Impfteams im Einsatz sein, um die Haus- und Fachärztinnen und -ärzte zu unterstützen, wie das Staatsministerium am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Mit diesen mobilen Impfteams werden laut Landesregierung in jedem Stadt- und Landkreis feste regionale Impfstützpunkte eingerichtet. Am 5. November hatte das Land die Zahl der Impfteams bereits von 30 auf 80 erhöht.

Lucha erwägt Verlegung von Patienten in andere Länder

"Die Lage in den Kliniken ist angespannt, das Pflegepersonal am Limit", sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) laut Mitteilung. "Setzt sich der derzeitige Trend mit dieser Geschwindigkeit fort, müssen wir Patientinnen und Patienten bald in andere Bundesländer oder sogar ins Ausland verlegen. Viele Todesfälle und schwere Verläufe wären mit einer Impfung vermeidbar gewesen", so Lucha.

Kretschmann: "Impfen ist der Weg aus der Pandemie"

"Uns stehen schwierige Wochen bevor. Das Infektionsgeschehen nimmt rasant zu. Die vierte Welle trifft vor allem die Nicht-Geimpften mit voller Wucht", ergänzte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) laut Mitteilung. "Deshalb appelliere ich noch einmal eindrücklich an alle Menschen in Baden-Württemberg, sich gegen das Virus impfen zu lassen", so Kretschmann. Dafür fahre man nun die Impfkapazitäten im Land nochmals deutlich hoch. Kretschmann verwies auch auf die "Alarmstufe". Sie sei mit der 2G-Regel, die dann in vielen Bereichen des Lebens gilt, ein enormer Eingriff, "der aber notwendig ist".

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Die sogenannte "Alarmstufe" tritt in Kraft, wenn an zwei Tagen unter der Woche die Zahl der Corona-Intensivpatientinnen und -patienten 390 überschreitet. Zuletzt war dieser Wert wieder etwas zurückgegangen.

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130 Impfungen pro Team am Tag in BW geplant

Laut Landesregierung soll nun jedem Stadt- und Landkreis mindestens ein mobiles Impfteam zur Verfügung stehen. Damit werden demnach in jedem Stadt- und Landkreis feste Impfstützpunkte eingerichtet. Die Teams sollen bei den bisherigen zwölf Krankenhausstandorten des Landes angedockt sein. Die Landesregierung plant, pro Team am Tag 130 Corona-Impfungen durchzuführen - Erstimpfungen sollen genauso möglich sein wie Auffrischungsimpfungen. Demnach besteht dieses Angebot zusätzlich zu den Impfungen der niedergelassenen Ärzteschaft. Ob die Impfangebote vor Ort als offenes Impfen oder auch für bestimmte Gruppen mit Terminvereinbarung angeboten werden, entscheiden laut Mitteilung des Staatsministeriums die Kommunen.

Unterstützung von Städten und Gemeinden

Der Präsident des Städtetags Baden-Württemberg, Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD), befürwortete den Schritt: "Wir sehen in allen Städten, dass die niederschwelligen Angebote vor Ort nach wie vor am besten angenommen werden", sagte Kurz laut Mitteilung der Landesregierung. "Impfen ist das Gebot der Stunde", ergänzte Steffen Jäger, Präsident und Hauptgeschäftsführer des Gemeindetags Baden-Württemberg. Die Kommunen wollten die "Offensive" in Form fester Impfstützpunkte in den Stadt- und Landkreisen oder auch als dezentraler Impftage in der Fläche stattfinden lassen, so Jäger. Er verwies jedoch auch darauf, dass es wenig Bürokratie und eine gezielte Finanzierung brauche, damit dies gelinge.

Kassenärztliche Vereinigung befürwortet Schritt

"Unsere niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte sind enorm gefordert. Nicht nur die Impfung, auch die hohen Corona-Infektionen und die Grippeschutzmaßnahmen stellen eine hohe zusätzliche Anforderung neben dem normalen Praxisbetrieb dar", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, Norbert Metke. Man sei aktuell dabei, mit eigenen Maßnahmen die Zahl der Impfungen noch zu erhöhen.

Seit Oktober in der Regelversorgung

Zum 30. September waren die 45 Impfzentren in Baden-Württemberg geschlossen worden. Zuvor war die Nachfrage nach Impfungen eingebrochen. Wer sich immunisieren lassen will, muss seitdem eine niedergelassene Ärztin oder Arzt aufsuchen. Um die Medizinerinnen und Mediziner zu entlasten, setzt das Land zusätzlich sogenannte mobile Impfteams ein - Impfbusse etwa, in denen der Piks schnell und unkompliziert verfügbar ist.

Kostenpflichtige Tests, schärfere Regeln

Im Herbst stieg der Druck auf Ungeimpfte. Seit dem 11. Oktober kosten Corona-Tests für Bürgerinnen und Bürger Geld. In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens sind sie aber nötig, wenn man nicht geimpft oder genesen ist. Viele Betriebe, wie Restaurants, entscheiden sich außerdem für eine 2G-Regel: Dann erhalten nur die Menschen eintritt, die eine Impfung erhalten oder eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben. In den vergangenen Wochen haben sich daher viele Ungeimpfte für eine Immunisierung entschieden. Teils hatten sich vor den Impfbussen im Land lange Schlagen gebildet, die Ärzteschaft hatte die Nachfrage schwer bewältigen können. Teilweise haben sich Kommunen dazu entschieden, Impfzentren wiederzueröffnen, zum Beispiel Biberach.

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Hohe Nachfrage auch wegen Booster-Angebot

Der Druck auf Ärzteschaft und Impfteams ist auch deshalb hoch, weil seit dem 29. Oktober Auffrischungsimpfungen für alle Bürgerinnen und Bürger empfohlen werden. Gesundheitsminister Lucha hatte an die Bevölkerung appelliert, sogenannte Booster-Impfungen wahrzunehmen. Wichtig sei dies vor allem für die Menschen, deren Zweitimpfung länger als sechs Monate zurückliegt. Beim Impfstoff von Johnson & Johnson ist eine Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff bereits nach vier Wochen möglich. Gerade bei der Delta-Variante lasse der Impfschutz mit der Zeit nach, hatte Lucha betont. Der Appell galt insbesondere auch Berufsgruppen wie medizinischem Personal. In den vergangenen Wochen sind bereits über 350.000 Auffrischungsimpfungen vor allem in Pflegeeinrichtungen, bei Personen über 70 Jahren sowie weiteren vulnerablen Gruppen im Land durchgeführt worden, wie die Landesregierung mitteilt.

In Baden-Württemberg sind derzeit laut Robert Koch-Institut 65,4 Prozent der Menschen doppelt geimpft. 67,1 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Spritze erhalten (Stand: 11.11.).

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