Starkes Infektionsgeschehen erwartet

Omikron in BW: Kritische Infrastruktur auf Corona-Welle vorbereitet

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Was, wenn Omikron zu Ausfällen in der kritischen Infrastruktur führt? Unternehmen in BW bereiten sich auf die Corona-Welle vor - und befürworten kürzere Quarantänefristen.

Netzbetreiber, Müllabfuhren, Krankenhäuser - eine massive Omikron-Welle könnte den Betrieb der kritischen Infrastruktur im Land bedrohen. Sollten zu viele Mitarbeitende gleichzeitig von einer Corona-Quarantäne betroffen sein, könnte das die Versorgung beeinträchtigen, warnen Expertinnen und Experten. Bund und Länder haben deshalb am Freitag kürzere Quarantänefristen beschlossen. Unterdessen bereiten sich Unternehmen und Institutionen auf die anstehende Welle vor, um Ausfälle in kritischen Bereichen des öffentlichen Lebens zu vermeiden.

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Netzbetreiber befürwortet kürzere Corona-Quarantäne

Beim Netzbetreiber Netze BW habe man die Sicherheitsvorkehrungen wegen der Corona-Lage bereits seit längerem verschärft, sagte ein Sprecher dem SWR. Das Unternehmen ist der größte Betreiber von Strom-, Gas- und Wassernetzen in Baden-Württemberg. Mitarbeitende in den Leitstellen müssten sich jeden Tag testen, Übergaben fänden kontaktlos statt, sagte der Sprecher. Zudem seien Mitarbeitende angehalten, auf die Nutzung von Bus und Bahn zu verzichten, um die Gefahr von Corona-Infektionen zu vermeiden. "Wir befürworten kürzere Quarantänefristen", so der Sprecher - auch wenn, diese für den aktuellen Betrieb nicht entscheidend seien. Im Falle eines Falles sei man aber flexibler, wenn sich Personal kürzer absondern müsste. 90 Prozent der rund 4.500 Mitarbeitenden sei geimpft. Die Boosterkampagne werde gut angenommen, so der Sprecher.

Wie die Netze BW GmbH sich auf Omikron vorbereitet:

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DRK Reutlingen: Getrennte Dienste um Infektionen zu vermeiden

"Wir haben einen gesicherten Rettungsdienst in Reutlingen", sagte Markus Metzger, Rettungsdienstleister beim Deutschen Roten Kreuz in Reutlingen, dem SWR. Das bedeute, dass aktuell die Fahrzeuge entsprechend besetzt seien und auch Reserven vorhanden seien, wenn es Ausfälle gäbe. Allerdings: "Wir haben große Angst davor, dass Omikron uns einen Strich durch die Rechnung macht und dann schlagartig viele Kolleginnen und Kollegen krank werden", sagte Metzger. Um Kontakte zu vermeiden, trenne man zum Beispiel die Dienste: Mitarbeitende, die normalerweise sowohl in der Leitstelle als auch im Rettungsdienst arbeiteten, würden nur noch in einem der beiden Bereiche eingesetzt. Auch Metzger hält die nun beschlossene Verkürzung der Quarantäne für sinnvoll.

Landkreis Ludwigsburg für kürzere Corona-Quarantäne

Im Landkreis Ludwigsburg ist die Sorge vor einem Ausfall der kritischen Infrastruktur groß: Dietmar Allgaier (CDU) hält es für wichtig, die Quarantänefristen zu verkürzen, wenn die Fallzahlen ansteigen, wie es sich momentan andeute. "Wir müssen sicherstellen, dass die kritischen Bereiche nach wie vor ihren Dienst tun können", sagte Allgaier im SWR-Gespräch. Der Landkreis hatte vor dem Beschluss der Bund-Länder-Runde einen Alleingang bei den Quarantänefristen angekündigt.

Kliniken erwarten Omikron in drei Stufen

Kürzere Quarantänezeiten bei rasant steigenden Corona-Zahlen erleichterten auch den Betrieb in den Kliniken im Land, sagte Götz Geldner, der die intensivmedizinische Versorgung von Corona-Patientinnen und -Patienten im Land koordiniert. Insbesondere wichtig sei dies für Personal, das lediglich Kontakt zu Infizierten gehabt habe, selbst jedoch symptomfrei sei. Im SWR-Gespräch plädierte er für eine Arbeitsquarantäne in solchen Fällen. Symptomfreie Mitarbeitende dürften dann weiterhin am Arbeitsplatz erscheinen und normal ihrer Tätigkeit nachgehen.

Geldner sagte dem SWR, Omikron sei bislang noch nicht auf den Intensivstationen im Land angekommen. Die aktuelle Auslastung:

Grundsätzlich bereite man sich darauf vor, dass die Omikron-Welle in drei Stufen ankomme:  "Es wird anfangen im ambulanten Bereich, dann in den stationären Bereich rüberschwappen und dann mit einem gewissen Versatz auf die Intensivstationen", hatte Geldner dem SWR gesagt. Er gehe davon aus, dass deutlich mehr Patientinnen und Patienten im ambulanten Bereich behandelt werden müssen, weil der Krankheitsverlauf bei Omikron leichter sei. Grundsätzlich erwarte er jedoch "keine deutliche Überlastung" der Kliniken, wenn man es nun schaffe, die Welle kleinzuhalten.

Das Landesgesundheitsamt rechnet damit, dass bald fast nur noch Omikron-Fälle in Baden-Württemberg auftreten. Die Delta-Variante wird zunehmend verdrängt. Wie sich die Zahlen im Land entwickeln:

Abfallentsorgungsbetriebe entzerren Arbeitszeiten

Zur kritischen Infrastruktur zählen auch Müllabfuhren. Abfallentsorgungsbetriebe im Land haben sich bereits auf die anstehende Welle vorbereitet. In Böblingen etwa befürchte man, dass die Personalausfälle durch Omikron deutlich zunehmen könnten, teilt das Landratsamt mit. Beim Abwallwirtschaftsbetrieb habe man deshalb die Arbeitszeiten des Personals entzerrt, um Kontakte in Sozialräumen oder betriebseigenen Selbstteststationen zu reduzieren. Deshalb könnten sich auch die Leerungszeiten verschieben. Im Moment gehe man davon aus, dass so größere Ausfälle vermieden werden können. Bei erheblichen Engpässen konzentriere man sich auf die Rest- und Biomüllabfuhr.

Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das Gemeinwesen

Zur kritischen Infrastruktur zählen laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Organisationen und Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen. Dazu zählen die Bereiche Energie und Wasser, Gesundheit oder Verkehr aber auch die staatliche Verwaltung, Informationstechnik und Telekommunikation. Auf einer Liste der Landesregierung sind alle Einrichtungen aufgeführt, die zur kritischen Infrastruktur zählen.

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