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Warum passt eine renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wie EY aus Stuttgart im Wirecard-Skandal nicht richtig auf? Dieses Frage stellt sich der FDP-Politiker Florian Toncar aus Böblingen.

Es ist einer der größten Wirtschaftsskandale der Geschichte der Bundesrepublik: die mutmaßlichen Bilanzfälschungen des Münchner Zahlungsdienstleister Wirecard. Bei der Aufarbeitung steht jetzt auch die Stuttgarter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY in der Kritik.

Geheimes Gutachten belastet EY

Jahrelang hatte das Stuttgarter Unternehmen die Bilanzen von Wirecard geprüft. Und dabei offenbar nicht richtig hingeschaut, wie ein Gutachten belegen soll. Der vom Untersuchungsausschuss des Bundestags eingesetzte Sonderermittler Martin Wambach hält laut "Handelsblatt" in seinem Gutachten den EY-Prüfern nachlässige Arbeit und teils eine Verletzung ihrer Pflichten vor.

So berichtete der SWR am Samstag über das Thema:

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Prüfungsstandards verletzt?

"Es zeigen sich Ansatzpunkte, dass der Abschlussprüfer die Vorgaben der IDW-Prüfungsstandards im Bereich der Prüfungsplanung und -durchführung nicht vollumfänglich umgesetzt hat", heißt es in dem als Verschlusssache eingestuften Report für den Untersuchungsausschuss, der mehreren Zeitungen vorliegt.

FDP-Politiker Toncar kritisiert EY

Florian Toncar (FDP) aus Böblingen, Obmann im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags, kritisiert EY. Im SWR sagte Tonca, der Inhalt des Gutachtens sei geheim, aber das Ergebnis sei sehr negativ und sehr kritisch.

"Wie kann es sein, dass ein so renommiertes Unternehmen solange Warnhinweise übersehen und gleichzeitig sowenig nachgefragt hat, wenn es um so viel Geld geht?"

Florian Toncar, FDP-Bundestagsabgeordneter

Abschlussprüfer haben laut Toncar die Wirecard-Bilanzen als korrekt bestätigt, obwohl sie es objektiv nicht gewesen seien. Die Staatsanwaltschaft soll bereits gegen einzelne Abschlussprüfer ermitteln.

Merkel im Untersuchungsausschuss

Am Freitag soll Bundeskanzlerin Merkel (CDU) im Bundestags-Untersuchungsausschuss zu Wirecard als Zeugin aussagen. Am Donnerstag wird Finanzminister Olaf Scholz (SPD) von den Mitgliedern des Ausschusses befragt.

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