Winfried Kretschmann beim Start der CLEVERLÄND-Roadshow (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Beim Start der Energiespar-Roadshow

Kretschmann verteidigt CLEVERLÄND-Kampagne

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Ministerpräsident Kretschmann hat die Energiesparkampagne "CLEVERLÄND" gegen Kritik verteidigt. Sie bewirke, dass in Baden-Württemberg über das Thema Energiesparen geredet werde.

Zum Start der CLEVERLÄND-Roadshow hat sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gegen Kritik an der Energiesparkampagne der Landesregierung gewehrt. "Bei allem, was man macht, gibt es eben auch Hohn und Spott", sagte Kretschmann. Die Tipps und Hinweise seien zwar nicht neu, trügen aber dazu bei, dass über das Energiesparen geredet werde.

Krisen könne man nur gemeinsam überwinden, so der Ministerpräsident weiter. Die Kampagne stärke auch den Zusammenhalt. Von Innenminister Thomas Strobl (CDU) kam Unterstützung: "Wir müssen zusammenhalten, für die Umwelt und den Geldbeutel, und gegen Putin!"

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Nach Veröffentlichung der Energiespar-Kampagne am Dienstag hatten unter anderem die SPD und der Sozialverband VdK die Tipps kritisiert. Aus Sicht des VdK Baden-Württemberg ist es zwar grundsätzlich richtig, zum Energiesparen aufzufordern. Für Menschen mit geringem Einkommen seien viele Tipps aus der Kampagne aber wenig hilfreich, sagte Roland Bühler, Abteilungsleiter Sozialpolitik beim VdK, dem SWR.

Energieeffiziente Geräte sind teuer

Wenn zum Beispiel ein Elektrogerät kaputt gehe, sei ein neues, energieeffizientes Gerät oft eine teure Wahl. Und Stoßlüften gehe zwar mit wenig Geld - aber: "Man darf die Heizung auch nicht zu sehr runterdrehen, damit die Wohnung nicht zu stark auskühlt." Ein Hinweis dazu fehlt bei den Heiztipps in der Broschüre der Landesregierung.

Bühler ist überzeugt: "Die Tipps sind gut für die Mittelschicht - aber wer wenig Geld hat, beherzigt die Spartipps ohnehin schon." Die Menschen könnten ihre Situation nicht durch Sparen lösen. "Es sind weitere Hilfen für die unteren Einkommensbereiche nötig."

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Stoch: Sammlung von Selbstverständlichkeiten

Ähnlich sieht es SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Er bezeichnete die Tipps als eine Sammlung von Selbstverständlichkeiten und merkte ironisch an: "Dass es Energie spart, die Temperatur runterzudrehen - diese innovative Erkenntnis wäre auch ohne die Broschüre möglich gewesen."

Das Heft zeige, dass die Landesregierung ein falsches Bild von den finanziellen Verhältnissen der Menschen habe. Ein batteriebetriebenes Auto könne sich nur anschaffen, wer mehrere 10.000 Euro auf dem Konto habe. "Geräte in gesonderte Räume zu stellen, das geht dann, wenn ich gesonderte Räume zur Verfügung habe. Wenn ich aber mit meiner Familie schon auf geringem Wohnraum lebe, dann geht diese Kampagne an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen weit vorbei." Das Umweltministerium empfiehlt in seinem "Energiesparbüchle" unter anderem, Gefriertruhen in unbeheizten Räumen unterzubringen.

Kampagne kostet bis zu 300.000 Euro

Stoch sagte, er würde stattdessen lieber hören, wie die Landesregierung den Menschen helfen will, die jetzt schon nicht mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Die Kosten für die Kampagne liegen nach Angaben der Landesregierung bei bis zu 300.000 Euro.

Kampagne zieht auf Social Media Kritik nach sich

In den sozialen Medien erregte die Kampagne in den Kommentarspalten der SWR-Beiträge heftige Kritik. Viele Nutzerinnen und Nutzer zeigten Unverständnis gegenüber den Empfehlungen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Ein User auf Facebook wies daraufhin, dass Menschen mit geringem Einkommen längst versuchen würden Energie einzusparen, da ihnen bei den hohen Kosten nichts anderes übrig bleibe. "Herr Kretschmann bekommt ein Gehalt als Ministerpräsident in einer 5stelligen Summe pro Monat. Er hat überhaupt keinen Sinn für Menschen, die mit 1.000 bis 1.500 Euro pro Monat leben können."

Auch die hohen Kosten der Kampagne wurden kritisiert: "Die Kampagnen von THE LÄND und CLEVERLÄND zahlen die Steuerzahler, genauso [Kretschmanns] Gehalt. Er muss den ganzen Müll den er in Auftrag gibt, ja nicht aus eigener Tasche bezahlen. Für die Menschen, die jetzt durch die hohen Energiepreise in Not kommen ist natürlich kein Geld da. Er will ja dem 3. Entlastungspaket nicht zustimmen."

Auch auf Instagram kritisierten User "CLEVERLÄND". Ein User warf der Landesregierung vor, die Sorgen und Ängste nicht ernst genug zu nehmen: "Klingt irgendwie, als ob die Bürger verhöhnt werden, die Sorgen und Ängste einfach nicht richtig ernst genommen werden! Manche haben aufgrund der steigenden Preise und Kosten richtig Existenzängste."

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