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Bund und Länder haben sich auf einen Stufenplan für einen Ausstieg aus dem Corona-Lockdown geeinigt. Vor allem in der Gastronomie und im Handel stoßen die Maßnahmen auf Kritik.

Nach den Beschlüssen von Bund und Ländern zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise haben Betroffene aus Baden-Württemberg mehrheitlich zurückhaltend auf die Ergebnisse reagiert.

Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Ingrid Hartges, zeigte sich enttäuscht - vor allem, weil Bund und Länder keine konkrete Öffnungsperspektive für Restaurants und Hotels beschlossen hätten, sagte Hartges dem SWR. Erst am 22. März soll darüber beraten werden.

Gastronomie befürchtet weitere Verzögerung durch dritte Welle

Zugleich äußerte sie die Befürchtung, eine dritte Infektionswelle könnte die Öffnung der Gaststättenbranche weiter verzögern. Deswegen sei es wichtiger denn je, dass die Bundesregierung und alle Verantwortlichen ihre Hausaufgaben machten, zum Beispiel mehr Tempo beim Impfen und eine kluge Schnelltest-Strategie. Auch die finanzielle Lage der Branche macht Hartges Sorgen: Zunächst müssten bei allen Unternehmen die November- und Dezemberhilfen ankommen, das sei leider noch nicht der Fall.

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Einzelhandelsverband: Ergebnisse sind eine Katastrophe

Auch der Einzelhandelsverband HDE ist enttäuscht von den Beschlüssen. Die für eine Öffnung der Geschäfte vorgeschriebene stabile Inzidenz von 50 sei nicht flächendeckend in Sichtweite, bemängelt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die damit weitgehend geschlossenen Handelsunternehmen dürften bis Ende März im Vergleich zu 2019 weitere zehn Milliarden Euro Umsatz verlieren. Die Ergebnisse des Corona-Gipfels seien für den Einzelhandel eine Katastrophe, so Genth.

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Der Hauptgeschäftsführer der IHK Rhein-Neckar, Axel Nitschke, sieht durch das Öffnungskonzept von Bund und Ländern die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung. Er rechne mit einem starken Einkaufstourismus, sagte Nitschke dem SWR. Das detaillierte Konzept sei außerdem zu komplex - sowohl für die Gewerbetreibenden als auch für die Kunden.

Handwerk: "Deutlich mehr drin gewesen"

Auch Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer zeigte sich ernüchtert: Die Bund-Länder-Beschlüsse würden für viele betroffene Betriebe nicht die erhoffte Öffnungsoption schon in nächster Zeit bringen. Bei dem Treffen sei deutlich mehr drin gewesen, sagte Wollseifer. Um ein Firmensterben auf breiter Front zu verhindern, müsse wirtschaftliches Leben schnellstens wieder ermöglicht werden, sofern dies epidemiologisch vertretbar ist.


Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) dagegen bezeichnete die Lockerungen der Corona-Maßnahmen als "Schritt in die richtige Richtung". Er begrüße vor allem das Abrücken von einem Inzidenzwert von 35, sagte er dem SWR. Der Horber Oberbürgermeister Peter Rosenberger (CDU) sprach von einem Hoffnungsschimmer: Die Bevölkerung erwarte inzwischen, die kommende Zeit besser planen zu können.

Städte- und Gemeindebund kritisiert Teststrategie

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund übte Kritik an der beschlossenen Teststrategie. "Zu unkonkret sind die Beschlüsse zu Teststrategien in Bezug auf Schnell- und Eigentests", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Rheinischen Post". "Zwar soll es flächendeckend für jeden Schnelltests geben, was richtig und gut ist. Allerdings ist es bedauerlich, dass es offenbar noch einige Wochen dauern wird, bis diese Instrumente flächendeckend in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen werden."

Landkreistag befürchtet Einkaufstourismus

Auch der baden-württembergische Landkreistag sieht die gestrigen Beschlüsse als problematisch an. Für große Skepsis sorgen die möglichen verschiedenen regionalen Öffnungen in den Landkreisen, abhängig von einem Wert der jeweiligen Sieben-Tage-Inzidenz unter 50. In der "Stuttgarter Zeitung" sagte der Hauptgeschäftsführer des Landkreistages Alexis Komorowski, "man befürchte, dass nun ein Ausweichverkehr einsetzen werde in Kreise mit größerer Lockerung." Er sieht deshalb die Gefahr, dass das Infektionsgesschehen weiter angetrieben als eingedämmt werden könnte.

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