Ein Kundin zeigt bei einem Friseur auf ihrem Handy das Ergebnis eines Corona-Schnelltests.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod)

"Das Chaos ist perfekt"

Ausnahmen für 2G-Plus-Regel in Baden-Württemberg sorgen für Kritik

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In öffentlichen Bereichen galt in BW zunächst: 2G Plus für alle. Kurze Zeit später wurden Ausnahmen für Menschen mit Boosterimpfung und frisch Geimpfte gemacht - das kommt nicht bei allen gut an.

In Baden-Württemberg gilt seit Samstag eine verschärfte Corona-Verordnung. Die neuen Regeln schränken nicht nur das Leben ungeimpfter Menschen weiter ein, auch der Alltag etlicher Geimpfter und Genesener ist so stark betroffen wie bislang in kaum einem anderen Bundesland. Denn in vielen Bereichen wurde die sogenannte 2G-Plus-Regel eingeführt. Doch Ausnahmen für diese Regelung sorgen nun für Kritik.

Hin und Her bei Ausnahmen der 2G-Plus-Regel

Denn die strengeren Regeln für Baden-Württemberg sind plötzlich doch nicht mehr ganz so streng: Eigentlich müssen Geimpfte und Genesene etwa im Café, Restaurant oder Hotel, bei Kultur- oder Sportveranstaltungen, in Museen oder Bibliotheken, in Bädern, Zoos oder am Skilift einen zusätzlichen Corona-Test vorweisen (2G-Plus-Regel). Für Menschen mit Auffrischungsimpfung gilt das nicht mehr. Und jetzt ist auch klar: Auch alle anderen Geimpften und Genesenen, deren Impfung oder Corona-Erkrankung nicht länger als sechs Monate zurückliegt, müssen nicht überall einen Test vorweisen.

Baden-Württemberg

Welche Regeln gelten in BW? Neue Corona-Regeln seit Samstag: Auch Zweitgeimpfte und Genesene teilweise von Testpflicht bei 2G Plus befreit

Baden-Württemberg hat die Corona-Maßnahmen weiter verschärft. In vielen Bereichen gilt die 2G-Regel oder sogar 2G Plus. Zu den geltenden Ausnahmen sind weitere hinzugekommen.

Die CDU-Fraktion in Baden-Württemberg betonte, sie habe sich dafür stark gemacht, dass Menschen, deren Zweitimpfung oder Genesung nicht länger als sechs Monate zurückliegt, ebenfalls von der Testpflicht befreit werden. Es dürfe keine vollständig Geimpften erster und zweiter Klasse geben.

SPD kritisiert Ausnahmen von 2G-Plus-Regel

Die SPD in Baden-Württemberg hat mit Kritik auf die festgelegten weiteren Ausnahmen von der 2G-Plus-Regel reagiert. Sie sprach von verspäteten, unklaren und widersprüchlichen Informationen, die die Menschen verunsicherten. "So nimmt das Vertrauen und die Akzeptanz in die Politik weiter ab. Und es ist schädlich für die weitere Pandemie-Bekämpfung im Land", sagte Landtagsfraktionschef Andreas Stoch. Der Generalsekretär der Landes-SPD, Sascha Binder, schreibt am Sonntag auf Twitter: "Das Chaos ist perfekt". Und bittet das baden-württembergische Sozialministerium um eine Reaktion:

So reagiert Sascha Binder auf die neue 2G-Plus-Regel

Kretschmann: Das hat nichts mit Chaos zu tun

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zeigte sich dagegen überzeugt von den neuen Corona-Maßnahmen. "Ich bin mir sehr sicher, dass diese Maßnahmen, mit denen wir vor Tagen begonnen haben und jetzt noch mal ausgeweitet haben, dass die wirken - jedenfalls sagt uns das die Leopoldina." Das habe nichts mit Chaos zu tun, sondern mit Regeln. Die Alternative zu einem Lockdown seien eben etwas komplizierter, erklärte Kretschmann. Es sei besser, als dass alles zugemacht werde. Dann sei der Unmut noch viel größer, so Kretschmann im SWR-Interview am Samstagabend.

Wer soll Corona-Regeln in BW kontrollieren?

Das Ressort von Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) rief die Ordnungsbehörden derweil auf, in der ersten Woche der neuen Corona-Regeln Kulanz zu üben und von der Ahndung von Verstößen zunächst abzusehen. Doch die Behörden stoßen bei den Corona-Kontrollen in vielen Kommunen des Landes bereits jetzt an ihre Grenzen. Es fehle an Kapazitäten für die zusätzlichen Aufgaben, sagte Christopher Heck vom Gemeindetag. "Man kommt an die Grenzen der Durchführbarkeit." Außerdem würden die kommunalen Beamten als Kontrolleure nicht so stark akzeptiert wie die Polizei. Auch Sebastian Ritter vom Städtetag Baden-Württemberg sagte: "Menschen in Uniform haben eine ganz andere Wirkung auf Bürgerinnen und Bürger."

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