Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg (Foto: SWR)

Sorge wegen steigender Corona-Zahlen

Kretschmann kündigt harte Einschränkungen für Ungeimpfte an

STAND

Das rasante Infektionsgeschehen besorgt BW-Ministerpräsidenten Kretschmann - er ruft erneut zum Impfen auf. Die vierte Welle treffe vor allem die Ungeimpften.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) rechnet damit, dass in Baden-Württemberg in der kommenden Woche die Corona-"Alarmstufe" erreicht wird. Im Interview mit dem SWR kündigte er dann drastische Maßnahmen an - und zwar vor allem für die Ungeimpften. Sie seien die Träger der Pandemie. "Sie müssen schon damit rechnen, dass für sie relativ harte Einschränkungen gelten", sagte Kretschmann. Als Beispiel nannte er die 2G-Regel, also der Zutritt in Gaststätten und bei Veranstaltungen nur für Geimpfte und Genesene. Dies seien harte Eingriffe, die aber nötig seien, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Derzeit liegen in Baden-Württemberg 380 Menschen mit Covid-19-Erkrankungen auf den Intensivstationen der Krankenhäuser, wie das Landesgesundheitsamt mitteilte (Stand: Freitag, 16 Uhr). Ab einer Zahl von 390 Patienten greift die Alarmstufe mit den entsprechenden Folgen.

Die Landesregierung will angesichts der stark steigenden Intensivbettenbelegung mit Covid-Patienten die Corona-Impfkapazitäten erneut ausweiten. Die Zahl der mobilen Impfteams soll auf 155 erhöht und in jedem Stadt- und Landkreis ein "Impfstützpunkt" eingerichtet werden, hieß es am Donnerstag aus dem Staatsministerium. Solche Stützpunkte sind nach Einschätzung von Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) effektiver und schneller umsetzbar als große Impfzentren. Die kürzeren Wege kämen gerade älteren Menschen entgegen. Insgesamt sollen so bis zu 23.000 Impfungen täglich möglich sein - zusätzlich zu denen, die durch niedergelassene Ärzte und Ärztinnen verabreicht werden.

Zunächst keine Einschränkungen für Geimpfte und Genesene

Kretschmann erklärte im SWR-Interview, Geimpfte und Genesene müssten zunächst nicht mit Einschränkungen rechnen. Es könne aber sein, dass die Besucherzahlen bei Veranstaltungen wieder begrenzt würden. Die nicht Geimpften rief er noch einmal dazu auf, sich impfen zu lassen: "Nur das Impfen bringt uns aus der Pandemie raus."

Gesundheitsminister Lucha warnt unterdessen erneut vor einer Überlastung der Krankenhäuser. "Setzt sich der derzeitige Trend mit dieser Geschwindigkeit fort, müssen wir Patientinnen und Patienten bald in andere Bundesländer oder sogar ins Ausland verlegen", erklärte er. Das Pflegepersonal sei schon "am Limit". Die Landesregierung hat deshalb angekündigt, allen Pflegekräften in Baden-Württemberg, die aktuell und in den nächsten Wochen auf den Intensivstationen im Einsatz sind, eine Prämie in Höhe von bis zu 1.500 Euro zu zahlen. Eine entsprechende Vorlage wurde am Donnerstag vom Ministerrat gebilligt.

Beschäftigte im Intensivpflegebereich beklagen seit Beginn der Corona-Pandemie über eine hohe Überlastung. "Die Arbeit auf den Intensivstationen ist ein Knochenjob, der mit einer Prämie gar nicht aufgewogen werden kann", so Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne). "Wir wollen damit aber zumindest ein Zeichen setzen, wie sehr wir die Arbeit wertschätzen."

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