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Angesichts der Coronavirus-Krise ruft Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann zu Solidarität auf. Sozialkontakte wenn möglich zu vermeiden sei jetzt "erste Bürgerpflicht".

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

"Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Freitag in einer Rede an die Bürgerinnen und Bürger des Landes. "Die Fachleute sagen: Wir können die Ausbreitung des Virus nicht mehr verhindern, aber wir können sie verlangsamen", so Kretschmann. Auf diese Verlangsamung komme es jetzt entscheidend an.

Wenn sich das Virus schnell und ungehindert ausbreite, kämen zu viele Menschen gleichzeitig ins Krankenhaus. "Dann passiert genau das, was wir gerade in Italien sehen: Völlig überlastete Ärzte und Krankenschwestern, die nicht mehr allen erkrankten Menschen helfen können. Eine solche Situation wollen und können wir verhindern." Die Ärzte und Pfleger in den Krankenhäusern und die Bediensteten in den Behörden würden aktuell bis an ihre Grenzen und darüber hinaus arbeiten.

Schulschließungen: Landesregierung will Notfallbetreuung organisieren

Mit Blick auf die Schul- und Kitaschließungen ab dem kommenden Dienstag sagte Kretschmann: "Für Kinder, deren Eltern in besonders sensiblen Berufen arbeiten, wollen wir Betreuungsmöglichkeiten anbieten", so Kretschmann. "Zum Beispiel für Ärzte, Pfleger, Polizisten, Feuerwehrleute und weitere Gruppen."

Neben den Schulschließungen hatte die Landesregierung am Freitag bereits weitreichende Maßnahmen angekündigt: Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern in geschlossenen Räumen werden verboten, Krankenhauskapazitäten werden aufgestockt und Patientenbesuche untersagt.

"Mir ist bewusst, dass wir Ihnen viel abverlangen"

"Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen rufen wir dazu auf, ab sofort möglichst zuhause zu bleiben", sagte Kretschmann. Man sei im Gespräch mit den Unternehmen, damit möglichst viele Beschäftigte bis nach den Osterferien von zuhause aus arbeiten können, freigestellt werden oder Urlaub nehmen. Die Landesregierung werde "tun, was möglich ist", um Schaden von den Unternehmen abzuwenden.

"Mir ist bewusst, dass wir Ihnen damit viel abverlangen", sagte Kretschmann an die Bürgerinnen und Bürger gerichtet. "Doch wir würden es nicht tun, wenn es nicht unbedingt notwendig wäre." Entscheidend sei, dass alle Maßnahmen in Summe frühzeitig wirken.

"Jeder muss Verantwortung für sich und andere übernehmen"

Doch die Politik könne auch nicht alles regeln. "Ohne Ihre Mithilfe geht es nicht." Deshalb sollten alle Menschen im Land ihre sozialen Kontakte auf das "unbedingt Notwendige" beschränken. "Das ist jetzt erste Bürgerpflicht", so der Ministerpräsident. "Jeder Kontakt, auf den Sie verzichten, hilft uns."

Dabei müsse jeder Verantwortung für die besonders Gefährdeten übernehmen: "Die Jüngeren müssen jetzt an die Älteren denken und die Gesunden an die chronisch Kranken." Vor allem um die, die ihre Wohnung nicht verlassen dürfen, müsse man sich nun kümmern. Gemeinsam könne man auch diese Krise meistern.

Hier sehen Sie die Rede von Winfried Kretschmann mit Gebärdensprache:

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