Krebserregender Bauschutt in Waldwegen entdeckt (Foto: SWR)

"Waldwegesanierungen" von Bauunternehmen in BW Krebserregender Bauschutt in Waldwegen verbaut

Naturschützer warnen vor schadstoffbelastetem Bauschutt, der in Waldwegen in Baden-Württemberg zur Sanierung verbaut wurde. Bei einem Fall in Heilbronn wurden die Grenzwerte um ein Vielfaches überschritten.

An mehreren Orten in Baden-Württemberg wurde möglicherweise belasteter Bauschutt in Waldwegen verbaut. Das ergab eine Recherche des SWR. Zuletzt hatten Umweltschützer aufgedeckt, dass solches Abrissmaterial in Wäldern um Heilbronn auf diese Weise entsorgt wurde. Das Material ist mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) und Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet, beide Stoffe gelten als krebseregend.

Dauer

So wurden vor einigen Monaten laut Landratsamt bei Zaberfeld und Beilstein (beide Kreis Heilbronn) mehr als 1.000 Tonnen Bauschutt auf rund einem Kilometer Länge in den Untergrund mehrerer Waldwege gekippt, um diese zu befestigen. Das ist laut Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Allerdings muss das Abrissmaterial zuvor sortiert und aufbereitet werden. Zudem sollte es schadstofffrei sein. Recyclingunternehmen führen diese "Waldwegesanierungen" meist kostenlos durch und liefern dafür das nötige Material - wie auch in dem Fall bei Heilbronn.

Grenzwerte teilweise um das Siebenfache überschritten

Ein lokaler Umweltschützer und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Heilbronn hatten bei den Behörden immer wieder Zweifel angemeldet, dass der für die Sanierung verwendete Bauschutt tatsächlich schadstofffrei sei. Sie hatten bereits Anfang 2018 gefordert, dass die betroffenen Waldwege auf Schadstoffe untersucht werden. Erst mehrere Monate später hatte das zuständige Landratsamt Heilbronn einer Analyse zugestimmt, deren Ergebnisse dem SWR vorliegen. Demnach wurden an rund der Hälfte der Messpunkte Schadstoffbelastungen festgestellt. Bei den als krebserregend geltenden Stoffgruppen PCB und PAK überschritten die Messungen den Grenzwert von 10 Milligramm pro Kilo teilweise um das Siebenfache.

Die gefundenen Schadstoffe könnten laut Experten zum Beispiel von Dichtungen oder Hausanstrichen stammen. Wie das Landratsamt Heilbronn mitteilte, wurden die Waldwege mittlerweile an den Stellen, an denen die höchsten Belastungen gefunden wurden, wieder ausgebaggert. Damit sei der Fall abgeschlossen, so das Landratsamt. Das kritisiert der BUND Heilbronn: Auf diese Weise würde die größte Menge des belasteten Bauschutts dauerhaft im Waldboden bleiben. Die Naturschützer haben eine Petition gestartet, um das zu verhindern.

Umweltministerium: System ist sicher

An vielen Orten in Baden-Württemberg wird aufbereiteter Bauschutt seit Jahren für den Waldwegebau eingesetzt. In anderen Bundesländern ist das zum Teil verboten. Das Umweltministerium in Stuttgart räumte auf SWR-Anfrage ein, dass man nicht wisse, wo überall Bauschutt in Wäldern in den letzten Jahren eingesetzt wurde. Ein entsprechendes System solle aber bald eingeführt werden. Prinzipiell halte das Ministerium das System aber für sicher und die Kontrollen für ausreichend.

SWR-Recherchen zeigen aber, dass es in der Vergangenheit immer wieder Fälle von belastetem Bauschutt in Baden-Württemberg gab. Betroffen waren unter anderem die Regionen Göppingen, Freiburg, Wehr und der Bodenseekreis. Das Landratsamt in Ravensburg bestätigte, dass ein Fall derzeit vor Gericht verhandelt werde. Hier gehe es darum, ob ein Waldweg wieder ausgebaggert werden muss oder nicht.

BUND befürchtet hohe Dunkelziffer

Ein BUND-Sprecher aus Heilbronn warnte davor, dass es eine hohe Dunkelziffer im Land gebe. Nur in den wenigsten Fällen würden, so wie in Heilbronn, Schadstoffmessungen vor Ort durchgeführt. Daher wisse niemand, ob es noch mehr solcher Fälle in Baden-Württembergs Wäldern gebe. Zudem seien die Kontrollen und Zuständigkeiten nicht klar geregelt, zwischen Kommunen, Regierungspräsidien und Ministerien.

Die Grünen hatten selbst 1998 im Landtag vor dieser Praxis und den Umweltgefahren gewarnt. Einer der Unterzeichner der kleinen Anfrage damals war der heutige Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

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