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Nach der Krawall-Nacht in Stuttgart wollen Stadt und Land gemeinsam Maßnahmen erarbeiten, um die Stadt sicherer zu machen. Videoüberwachung, mehr Polizeipräsenz, aber auch Alkohol- und Aufenthaltsverbote an bestimmten Plätzen könnten kommen.

Das Land und die Stadt Stuttgart ziehen Konsequenzen aus den Krawallen vom Wochenende. "Alleine die Polizei wird es nicht richten können", sagte Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Stuttgart. Eine enge Zusammenarbeit bei der Sicherheit mit der Stadt Stuttgart sei notwendig. Das Land habe bereits Sicherheitspartnerschaften mit Freiburg und Heidelberg vereinbart, so Strobl. "Selbstverständlich kann ich mir so etwas auch mit Stuttgart vorstellen, wenn die Stadt das wünscht."

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Vernünftiges Sicherheitskonzept nur mit Hilfe der Stadt möglich

Strobl schlug ein Zehn-Punkte-Programm vor. Welche Maßnahmen umgesetzt werden, entscheidet letztlich die Stadt Stuttgart. Unter anderem könnten verstärkte Polizeipräsenz und -kontrollen, Videoüberwachung, Aufenthalts- und Alkoholkonsumverbote das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessern. Nur mit der Stadt gemeinsam sei ein rundes Sicherheitskonzept mit einer nachhaltigen Wirkung möglich.

"Das war nicht Baden-Württemberg. Das war nicht Stuttgart, wie wir es kennen."

Innenminister Thomas Strobl (CDU)

Viele Tatverdächtige waren betrunken

Auch ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum könnte helfen, betonte Strobl. Die meisten der bei den Krawallen in Stuttgart festgenommenen Tatverdächtigen waren alkoholisiert. Einer hatte einen Wert von über 2,3 Promille Blutalkohol. Bei vier Festgenommenen lagen die Werte zwischen 1,26 und 2,08 Promille, bei acht weiteren zwischen 0,64 bis 1,1 Promille und bei weiteren acht zwischen 0 und 0,5 Promille.

Nach Angaben des Stuttgarter Oberbürgermeisters Fritz Kuhn (Grüne) prüfe die Verwaltung derzeit ein Alkoholverbot oder eine Videoüberwachung an bestimmten Plätzen der Stadt. Die Polizei bereite sich derweil auf mögliche weitere Auseinandersetzungen am kommenden Wochenende vor. Es würden polizeiliche Maßnahmen entwickelt, um an verschiedenen Punkten in der Innenstadt die Sicherheit zu verstärken, sagte Polizeivizepräsident Thomas Berger nach Angaben der Stadt beim Auftaktgespräch von Verwaltung und Polizei im Rahmen einer Sicherheitspartnerschaft am Dienstag. "Uns ist es gelungen, eine friedliche Silvesterfeier in der City abzusichern. Das wird uns auch in den Sommernächten gelingen", sagte Berger.

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Kretschmann will schnelle Aufklärung

Die Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt seien durch "nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). In der Geschichte des Landes seien ihm keine vergleichbaren Geschehnisse bekannt. "Das war Gewalt um der Gewalt willen. Solches Handeln dulden wir nicht!", sagte Kretschmann.

Eine schnelle Aufarbeitung der Hintergründe, wie es zu den Ausschreitungen in Stuttgart kommen konnte, sei wichtig. Spätestens bis nach der Sommerpause soll Innenminister Strobl einen Bericht darüber vorlegen.

Tische und Bänke liegen auf dem Pflaster in der Innenstadt von Stuttgart. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Simon Adomat/dpa)
Nach Angaben der Polizei waren 400 bis 500 Menschen an den Randalen beteiligt. Die Menge hatte Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. picture alliance/Simon Adomat/dpa

Nach Krawallnacht in Stuttgart: acht Männer in Untersuchungshaft

Nach den Krawallen in Stuttgart sitzen acht mutmaßliche Randalierer in Untersuchungshaft, einer von ihnen wegen Verdachts auf versuchten Totschlag. Ein Richter habe die beantragten Haftbefehle erlassen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen. Ein weiterer Haftbefehl war gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Den Männern im Alter zwischen 16 und 33 Jahren wird Landfriedensbruch sowie gefährliche Körperverletzung, tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Diebstahl in besonders schwerem Fall vorgeworfen. 16 zunächst vorläufig festgenommene mutmaßliche Beteiligte wurden den Angaben zufolge wieder entlassen.

Einer der verhafteten mutmaßlichen Randalierer, ein 16-Jähriger, muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten. Er soll in der Nacht zum Sonntag einen bereits am Boden liegenden Studenten gezielt gegen den Kopf getreten haben. Der Jugendliche soll gemeinsam mit Hunderten Menschen durch die zentrale Einkaufsstraße Stuttgarts gezogen sein. Die Menge hatte Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Nach Angaben der Polizei waren 400 bis 500 Menschen an den Randalen beteiligt.

Ein mutmaßlicher Randalierer wird in Stuttgart in ein Gericht gebracht. (Foto: 7 aktuell)
Nach den Krawallen in Stuttgart sitzen acht mutmaßliche Randalierer in Untersuchungshaft, einer von ihnen wegen Verdachts auf versuchten Totschlag. 7 aktuell

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