In einer Kardiologischen Wacheinheit bereitet eine Pflegerin  die medizinische Überwachung für einen Patienten vor.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck)

Kliniken durch Omikron-Welle belastet

Krankenhäuser in BW fordern mehr Geld vom Land - Gesundheitsminister zeigt sich erstaunt

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Die Kliniken im Land klagen über hohe Belastungen durch viele Corona-Patienten und kranke Mitarbeiter. Die pauschale Forderung nach mehr Geld lehnt Gesundheitsminister Lucha ab.

Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) fordert von der Politik mehr finanzielle Unterstützung. Die flächendeckende Versorgung der Menschen mit Krankenhausleistungen sei zentraler Bestandteil der Fürsorge des Staates für seine Bürger, sagte der BWKG-Vorstandschef Heiner Scheffold am Donnerstag. "Die Herausforderung dabei ist, gleichzeitig die Versorgung sicherzustellen und die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten", sagte Scheffold.

Viele Corona-Patienten und Personalausfälle durch Omikron-Welle

Die Omikron-Welle belastet nach Angaben der Krankenhausgesellschaft die Kliniken im Land stark. Man sei derzeit nah an der bisherigen Höchstbelastung in den Krankenhäusern, sagte Matthias Einwag, Hauptgeschäftsführer der BWKG. "Der Normalbetrieb liegt in weiter Ferne", so seine Einschätzung. Insgesamt sind demnach etwa 2.400 Patienten mit Corona in den baden-württembergischen Krankenhäusern in Behandlung - aufgeteilt auf Normal- und Intensivstationen. Nur Mitte Dezember seien es insgesamt noch mehr Corona-Patienten gewesen.

Dazu komme, dass sich nun auch mehr Personal krank melde oder in Isolation müsse. Es fehle bis zu einem Viertel mehr Mitarbeitende als üblich, so Einwag weiter. Zwischen fünf und acht Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern seien außerdem nicht gegen Corona geimpft. In absehbarer Zeit könnte sich der Personalmangel durch die einrichtungsbezogene Impfpflicht weiter verschärfen.

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Viele Kliniken in BW schließen wegen finanziellem Druck

Vor allem sieht die Krankenhausgesellschaft aber ein Problem bei dem finanziellen Druck, der auf den Kliniken lastet. Jahr für Jahr schließen drei bis vier Krankenhäuser im Land. Besonders deutlich werde das im Schwarzwald-Baar-Kreis. Dort seien von sechs Standorten nur noch zwei übrig. In Heilbronn gibt es statt ursprünglich vier nur noch zwei Kliniken. Vieles könne ambulant gemacht werden. Aber wenn der Druck weiter anhalte, sieht die Krankenhausgesellschaft die flächendeckende Versorgung der Menschen in Gefahr.

Krankenhausgesellschaft fordert mehr Geld vom Land

Scheffold mahnte die volle Finanzierung der Investitionskosten durch das Land an. Um den laufenden Bedarf der Kliniken zu decken, müsse die Summe der Investitionsmittel dauerhaft auf insgesamt 750 Millionen Euro pro Jahr erhöht werden. Zugleich wird ein stärkeres Engagement des Landes bei der Krankenhausplanung angemahnt. In regionalen Strukturgesprächen sollten die Beteiligten unter Federführung des Sozialministeriums Leistungsspektren abstimmen und Schwerpunkte bilden.

Außerdem verlangte der Vertreter der Klinikbetreiber, durch eine Gesetzesänderung auf Bundesebene die überdurchschnittlichen Kosten der Kliniken in Baden-Württemberg zu finanzieren. Das Land habe einfach ein höheres Lohn- und Preisniveau als andere Länder. Scheffold zufolge ist der Strukturwandel hierzulande viel weiter fortgeschritten als in anderen Bundesländern.

Lucha: Bund und Land geben "exorbitante Summen" an die Kliniken

Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) sagte, der reflexartige Ruf nach mehr Geld erstaune gerade vor dem Hintergrund, mit welch exorbitant hohen Summen Bund und Land die Kliniken während der Pandemie bis zum heutigen Tag unterstützten.

"Für das Land gilt klipp und klar: Wer mutig Reformen anpackt, den unterstützen wir gerne", so Lucha. Die Kernpunkte Konzentration und flächendeckende Versorgung müssten im laufenden Entscheidungsprozess miteinander abgewogen werden.

Landkreistag unterstützt Forderung der BWKG

Der Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg, Joachim Walter, stellte sich hinter die Forderungen der Klinikvertretung: "Nicht zuletzt muss die sogenannte Pauschalförderung des Landes, mit der insbesondere die Modernisierung des medizinischen Geräteparks wie auch Maßnahmen der Digitalisierung finanziert werden, deutlich erhöht werden."

Laut BWKG gibt es 500 Krankenhausbetten je 100.000 Einwohner im Land. Der Bundesdurchschnitt liege bei 595 Betten je 100.000 Einwohner, also um ein Fünftel höher als in Baden-Württemberg.

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